Der Münchner Merkur hat sich bei Vereinsverantwortlichen im Würmtal umgehört, wie sie zu Saisonabbruch, Vereinsumfrage und insbesondere zu Auf- und Abstiegen stehen.
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„Die elend lange Saison muss ein Ende haben“ , sagt Ayhan Kurt, Fußballabteilungsleiter des SV Planegg-Krailling. Seine Kollegen aus anderen Würmtaler Vereinen pflichten ihm vor der Umfrage des BFV bei.  

„Die elend lange Saison muss ein Ende haben“

Würmtal: Vereine sehen BFV-Pläne skeptisch – Kritik an Paragraf 93 

  • Michael Grözinger
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  • Tobias Empl
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Der Münchner Merkur hat sich bei Vereinsverantwortlichen im Würmtal umgehört, wie sie zu Saisonabbruch, Vereinsumfrage und insbesondere zu Auf- und Abstiegen stehen.

Würmtal – Die Saison 2019/21 steht vor dem Aus. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) kündigte am Dienstag an, mit den Vereinen darüber beraten zu wollen. Gestern ergänzte Präsident Rainer Koch im Interview mit dem Fußball-Portal FuPa: „Es gibt eine Reihe von Detailfragen zu klären. Wir werden eine Abstimmung herbeiführen und den Vereinen sehr genau sagen, wie es aussehen wird. Am Ende muss alles so klar sein, dass jeder Verein weiß, was das Ergebnis der Abstimmung in Konsequenz bedeutet.“

Zum umstrittenen Paragrafen 93 in der BFV-Spielordnung, der unter anderem vorsieht, dass es bei einem Saisonabbruch auch Absteiger geben soll (wir berichteten), äußerte sich Koch nur bedingt. „Dieser Paragraf muss nun genau auf die Jetzt-Situation übertragen werden“, so der BFV-Chef. Der Münchner Merkur hat sich bei Vereinsverantwortlichen im Würmtal umgehört, wie sie zu Saisonabbruch, Vereinsumfrage und insbesondere zu Auf- und Abstiegen stehen.

TSV Gräfelfing

Fußballabteilungsleiter Christian Stigloher:„Ich persönlich bin schon seit Längerem verwundert, dass man die Spielordnung Mitte August um den Paragrafen 93 erweitert hat, ohne die Vereine zu informieren und ein Meinungsbild einzuholen. Wir würden uns einen Austausch mit anderen Landesverbänden wünschen. Unter denen ist kein einziger, der mit Absteigern arbeitet, weil man nicht will, dass für die Vereine aus der Corona-Situation ein Nachteil entsteht. Nach dem Mauerfall wurde die Bundesliga auch kurzzeitig aufgestockt, und dann gab es in der nächsten Saison eben mehr Absteiger. Ich bin sehr verwundert, dass der Verband ein Bild einholt, wenn er den Paragrafen ja schon verankert hat. Das ist für mich – und das meine ich nicht bösartig – Makulatur. Die hoffen, dass es der Mehrheit wurscht ist und deshalb viele dafür stimmen oder erst gar nicht mitmachen.“

TSV Neuried

Technischer Leiter Martin Trissler:„Wir haben festgelegt, dass wir uns erst besprechen, wenn die Entscheidung da ist. Ich persönlich halte die Quotienten-Regelung für nicht gut. Vielleicht hast du bis jetzt gegen die Stärkeren gespielt. Gerechter wäre es, man würde die Saison annullieren. Aber egal, was du entscheidest, es ist immer in einer Weise ungerecht. Unsere Dritte würde mit Quotienten-Regelung auf-, unsere Zweite absteigen. Ich hätte gesagt, wir warten, bis man wieder spielen darf, und spielen so viel wie möglich, dann wäre es etwas gerechter. So ist es bei noch sieben offenen Spielen für unsere Zweite schon heftig. Ich möchte nicht in der Haut des BFV stecken und habe auch keine perfekte Lösung. Ich glaube aber, dass es Auf- und Absteiger geben wird, ohne Absteiger werden die Ligen aufgebläht.“

DJK Würmtal

Fußballabteilungsleiter Thomas Gollong: „Ich habe schon vor einem Jahr gesagt: Aufsteiger sollen aufsteigen, und keiner soll absteigen. Unserer Zweiten fehlt zurzeit ein Punkt, und den könnte man ja noch holen. Wenn sie jetzt deswegen absteigt, müsste man sich überlegen, ob man sich irgendwelchen Initiativen oder Klagen anschließt. In den unteren Klassen sehe ich überhaupt kein Problem von der Größe der Gruppen, wenn es nur Aufsteiger gibt. In den höheren Ligen haben sie eben Angst, dass es dann zu viele Mannschaften werden.“

TSV Pentenried

Fußballabteilungsleiter Michael Möhwald: „Ich bin klar für einen Abbruch. Und ich finde, die Saison gehört komplett gestrichen, also ohne Auf- und Abstieg. Ich kann zwar nachvollziehen, dass die Teams, die gerade oben stehen, gerne aufsteigen würden. Aber was passiert mit den C-Klassen, wenn es nur Aufsteiger und keine Absteiger gibt. Da rückt keiner nach, und die Teams werden eh immer weniger. Unsere Zweite müsste bei einem Abbruch mit Absteigern in die C-Klasse runter, aber das fände ich gar nicht bitter. Im Gegenteil: Vielleicht würde es dann auch wieder mehr Spaß machen. Wir sind in zwei der letzten drei Saisons nur nicht abgestiegen, weil andere zurückgezogen haben. Jetzt steigen wir vielleicht wieder nicht ab, weil abgebrochen wird. Wir witzeln schon, dass wir unabsteigbar sind.“

SV Planegg-Krailling

Fußballabteilungsleiter Ayhan Kurt:„Die elend lange Saison muss ein Ende haben. Jetzt kommt nicht mal mehr der BFV um einen Abbruch herum. Der eine oder andere Verein wird gegen die Entscheidung mit Sicherheit vorgehen. Wir sind einfach froh, wenn wir wieder auf dem Platz stehen dürfen. Da ist uns auch egal, ob in der Kreisliga oder in der Bezirksliga. Auch wenn es bei uns keine Mannschaft betrifft, wäre ich klar für die Regelung, dass es keine Absteiger gibt, sondern nur Aufsteiger. Dann hat man nächstes Jahr eben zwei Spiele mehr und es gibt einen Absteiger mehr. Aber ich gehe eher von einer Ja-Nein-Umfrage des Verbands zu einem Abbruch aus.“

(TOBIAS EMPL
UND MICHAEL GRÖZINGER)

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