Reifeprozess beim Landesliga-Absteiger

Beim SV Planegg-Krailling menschelt es wieder

SV Planegg-Krailing - Persönlicher Reifeprozess beim SV Planegg-Krailling: In schwerer Stunde zeigt Stefan Suchanke, dass er mehr kann als nur Fußball spielen.

Beim ersten Mal wollte Andreas Steinweg noch nicht so richtig. Erst als Stefan  Suchanke  seinen Freund aus gemeinsamen Starnberger Tagen ein zweites Mal anrief, konnte er ihn überzeugen. Obwohl der 40-jährige Trainer nach dem Abstieg mit dem SV Wörth aus der Kreisliga den Blues schob, ließ er sich auf das Angebot des Planegger Fußball-Abteilungsleiters ein. „Die Situation hat mich einfach gereizt“, sagt der Übungsleiter.

Genauso wie er zählte auch der Landesliga-Absteiger zu den erledigten Fällen. Der SV Planegg schien gescheitert, bevor das erste Spiel dieser Saison überhaupt angepfiffen war. Nach dem Exodus von 25 Spielern prophezeiten nicht wenige dem Verein einen ähnlichen Werdegang wie den Kickern aus Starnberg, die von der Landesliga bis in die C-Klasse rauschten. Vor dem letzten Hinrunden-Spieltag in der Bezirksliga Süd lässt sich sagen, dass dieses Schreckensszenario vorerst wohl nicht Wirklichkeit wird.

Dass die Mannschaft von der Hofmarkstraße nach 14 Partien auf Platz vier der Tabelle steht, hat sie vor allem Stefan  Suchanke  zu verdanken. In all seinen Jahren beim SVP schien der 36-jährige Junge, den alle nur „Gogel“ nennen, nie erwachsen zu werden.  Suchanke  spielte in der ersten und in der zweiten Mannschaft, er lief genauso für die AH auf und hätte wohl auch in der E-Jugend ausgeholfen, wenn ihm jemand das Geburtsdatum in seinem Pass gefälscht hätte. Mit dem Spielen war es im Juli vorbei.  Suchanke  hat endgültig die kurzen Hosen zur Seite gepackt und den feinen Zwirn des tatkräftigen Funktionärs angelegt. Als viele das sinkende Schiff verließen, hielt er das Steuer fest in der Hand, obwohl das bis dahin nicht seine Art war. „Da ist er zum Mann geworden“, sagt Steinweg, „er wollte da allen zeigen, dass er einer ist.“

Für den so Gelobten ist das natürlich etwas zu viel Pathos, schließlich begreift er Fußball nicht als existenzielle Angelegenheit, sondern als Spiel. „Ich brauche keine Schulterklopfer“, sagt  Suchanke  jetzt, wo das Schlimmste wohl vorüber ist und sich der Club sportlich konsolidiert hat.  Suchanke  spricht nicht gerne über die Vergangenheit, weil er sonst diejenigen verletzten könnte, mit denen er all die Jahre zusammengespielt und gearbeitet hat. Nachtreten unter ehemaligen Weggefährten ist seine Sache nicht. Aber er weiß nur zu gut, dass er es allen gezeigt hat, die ihn und sein Team vorschnell abgeschrieben haben. Allerdings ging es ihm nicht unbedingt um den Erfolg, sondern in erster Linie um seine Philosophie.

Suchanke  ist kein Machtmensch, der sich daran berauscht, sich als Ober-Boss und Besserwisser zu inszenieren. Dem leidenschaftlichen Spieler geht es vor allem um den Spaß. „Das Menschliche hat gefehlt“, lautet deshalb seine einzige Kritik an der Situation von einst. Inzwischen menschelt es wieder richtig an der Hofmarkstraße.  Suchanke  hat Spieler und Trainer um sich geschart, die, gemessen am Fachverstand der so genannten Experten, eigentlich keine Chance mehr verdient gehabt hätten und woanders schon aussortiert waren. Aber  Suchanke  kannte die meisten von ihnen gut genug, weil er irgendwann mit ihnen in einer Mannschaft gekickt oder gegen sie gespielt hat. Persönliches Vertrauen und Zutrauen zählte für ihn mehr als alle Referenzen. Dass nicht alles glatt laufen kann und Fehler gemacht werden, war unter diesen  Voraussetzungen  selbstverständlich. Und so kann der Spartenchef auch gut damit leben, dass seine Elf nicht mehr die Tabellenführung in der Bezirksliga Süd behauptet.

Am Freitag, 21. Oktober, lädt die Fußball-Abteilung zur Jahreshauptversammlung. Beginn ist um 19.30 Uhr im Vereinsheim an der Hofmarkstraße. Neuwahlen stehen nicht an. Suchanke  bleibt ein weiteres Jahr kommissarischer Abteilungsleiter. Sollten ihn die Mitglieder bei den turnusgemäßen Wahlen 2017 in seinem Amt bestätigen, wäre sein Vater Zeno  Suchanke, der selber lange  Abteilungsleiter  war, wohl mächtig stolz auf ihn.

Text: Christian Heinrich

Quelle: fussball-vorort.de

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