Der Fußballbetrieb ruht bayernweit mindestens bis zum 23. März.
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Der Fußballbetrieb ruht bayernweit mindestens bis zum 23. März.

Trainer beziehen Stellung

Coronavirus eint die Fußballvereine im Würmtal - Spielbetrieb zehn Tage auf Eis gelegt

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
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Als einer der letzten Verbände hat auch der BFV den Spielbetrieb eingestellt - erst mal für zehn  Tage. Das sagen die Fußball-Trainer aus dem Würmtal dazu:

Würmtal – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat nachgezogen, nachdem bereits fast alle anderen Sportarten in Bayern bis auf Weiteres oder endgültig für diese Saison auf Eis gelegt worden waren. Am Freitagvormittag hielten die Verantwortlichen des BFV eine Krisensitzung wegen des grassierenden Coronavirus ab und beschlossen, den Spielbetrieb mindestens bis einschließlich Montag, 23. März, einzustellen.

Eine Verlängerung der Maßnahme oder gar ein vorzeitiges Ende der Saison schließt der Verband ausdrücklich nicht aus. Darüber hinaus rät der BFV seinen rund 4600 Vereinen, auch den Trainingsbetrieb ruhen zu lassen.

Der Münchner Merkur sprach mit den hauptverantwortlichen Trainern der Würmtaler Fußballmannschaften über diese Entscheidung und mögliche Konsequenzen. Nachfolgend die Meinungen und exemplarische Antworten aus den Interviews – aufgeschlüsselt nach Fragen:

Ist die Entscheidung des BFV korrekt?

Durch die Bank sind sich die Würmtaler Fußballtrainer einig: Der BFV hat mit dem Aussetzen des Spielbetriebs die richtige Entscheidung getroffen. „Die Gesundheit aller geht vor“, sagt etwa Bernd Gegenfurtner vom TSV Gräfelfing. Auch Michael Lelleck, Coach des SV Planegg-Krailling, ist „voll dafür“.

Sein Kollege vom Gautinger SC, Uwe Lehner, geht sogar noch weiter: „Alles andere ist jetzt wichtiger, das muss der Fußball akzeptieren.“ Das sieht Planeggs Reserve-Trainer Andreas Budell ähnlich: „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, da muss der Sport hintenanstehen.“

Kritische Töne kommen nur hinsichtlich des Zeitpunkts. So hätte sich etwa Maximilian Reid vom TSV Neuried eine frühere Maßnahme des BFV gewünscht, ist aber froh, dass sich „endlich die Vernunft durchgesetzt hat und eine einheitliche Lösung für alle Ligen gefunden wurde“. Drastischer formuliert es der neue Coach des TSV Pentenried, Franz Möhwald: „Der BFV hat viel zu spät reagiert. Der Egoismus muss jetzt zurückgestellt werden, man muss an die Mitmenschen denken.“

Stellen die Teams jetzt ihr Training ein?

Die Würmtaler Vereine folgen allesamt dem Rat des Verbands und verzichten bis auf Weiteres auf ihr Mannschaftstraining. Hier und da halten sich die Fußballer anderweitig fit. „Wir haben den Spielern individuelle Trainingspläne mitgegeben“, teilt Neurieds Reid mit. In Gräfelfing trifft sich die erste Mannschaft unregelmäßig privat zum gemeinsamen Lauftraining mit anschließendem Abendessen – solange Restaurants noch geöffnet haben.

Nahezu alle Klubs stellen sogar komplett den Vereinssportbetrieb ein und folgen damit dem Beispiel des TSV Gräfelfing, der bereits vor einer Woche seine Anlage schloss.

Wie sollte es ab dem 24. März weitergehen?

Drei Optionen scheint der BFV am 24. März zu haben: Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, die Verlängerung der Pause oder den kompletten Abbruch der Saison. Nur wenige Würmtaler Trainer wagen eine Prognose. Pentenrieds Möhwald rechnet mit einem vorzeitigen Ende der Spielzeit und spricht von einem „Chaos-Jahr für den Fußball“.

Auch Thomas Ochsenkühn, Trainer der Gräfelfinger Reserve, geht davon aus, „dass der Betrieb eingestellt wird – und das wäre richtig“. Anders sieht das Korbinian Halmich. Der Trainer des TV Stockdorf hält das zwar für möglich, spricht aber vom schlechtesten Szenario, dem „worst case“.

Die meisten Würmtaler Übungsleiter hoffen, dass die Saison in einigen Wochen fortgesetzt werden kann – solange sich die Coronavirus-Lage bis dahin beruhigt hat. „Länger als einen Monat kann man es aber wohl nicht rauszögern“, meint Tobias Rehse von der Neurieder Reserve. Ansonsten wäre keine Zeit mehr, die ausgefallenen Partien nachzuholen.

Wie wird die Saison bei Abbruch gewertet?

Nahezu alle Würmtaler Trainer sind der Meinung, dass die Saison bei einem vorzeitigen Ende schlicht nicht gewertet werden dürfe. Auf- und Absteiger dürfe es dann nicht geben. „Eine Wertung der Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt wäre Wettbewerbsverzerrung – auch wenn das bitter für uns ist“, sagt Halmich von Aufstiegsanwärter Stockdorf.

Die DJK Würmtal würde als aktueller Tabellenführer ebenfalls zu den Teams gehören, die ein Annullieren der Saisonergebnisse hart treffen würde. Daher hofft Coach Mario Germek, „dass der Tabellenstand der Hinrunde genommen wird“. 

Für eine exotischere Variante plädiert Neurieds Reid, der sich Play-off-Spiele der oberen Mannschaften um den Aufstieg und der unteren gegen den Abstieg vorstellen könnte. „Das hätte was. Und andere Sportarten haben vorgemacht, dass es geht.“

Wie auch immer der Verband sich entscheidet, „man kann es nicht allen recht machen“, sagt Planeggs Lelleck. Damit ist er auf einer Linie mit all seinen Kollegen.

mg

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