Die Gautinger (weiß) werden dieses Jahr nicht im Ligapokal antreten.
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Die Gautinger (weiß) werden dieses Jahr nicht im Ligapokal antreten.

„Wenn die Zahlen steigen, ist es unverantwortlich“

Gautinger SC: Ligapokal steht für Unverantwortlichkeit und hohe Belastung

  • vonChristian Heinrich
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Die Gautinger meldeten sich als einzige Mannschaft aus Sternberg nicht für den Ligapokal an. Rindermann erzählt im Text, weswegen diese Entscheidung getroffen wurde.

Gauting – Der ganze Landkreis Starnberg fiebert dem Ligapokal entgegen. Der ganze Landkreis? Nein! Ein Verein macht von seinem Recht Gebrauch, der Veranstaltung fernzubleiben. Der Verband könne das kleine gallische Dorf Gauting nicht zum Mitmachen zwingen, meint Jens Rindermann. Der Fußballabteilungsleiter des Gautinger SC stellt klar, dass es seinem Verein nicht um einen einsamen Widerstand gegen die Pläne des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) geht, sondern vielmehr darum, sich in Corona-Zeiten seine eigene Sicht der Dinge zu bewahren. Deshalb verzichtete Rindermann darauf, seine Mannschaften beim Ligapokal anzumelden. Als einziger Klub rund um den Starnberger See.

Es ist nicht das erste Mal, dass der GSC die Pläne des BFV mit kritischen Augen sieht. Schon als der Verband im Frühjahr mit aller Macht die Vereine davon überzeugen wollte, die abgebrochene Saison fortzusetzen, votierte der Kreisklassist dagegen. Dass er beim Ligapokal mit Abwesenheit glänzt, ist auch auf seine Beurteilung der Gesamtlage zurückzuführen. „Wenn die Zahlen steigen, ist es unverantwortlich“, sagt Rindermann über den ursprünglich geplanten Neustart am ersten Septemberwochenende, der nun vorerst um zwei Wochen nach hinten verschoben wurde (wir berichteten). „Es wird der Situation nicht Rechnung getragen“, moniert er.

Gauting hadert mit Hygienekonzept und kündigt Tests an

Der GSC hat für sich bereits Konsequenzen gezogen und seine Testspiele in der Vorbereitung auf zwei reduziert, das erste heute Abend gegen den ASV Biburg (19.15 Uhr). Zu schaffen macht den Würmtalern nicht nur die Urlaubszeit, die ein geregeltes Training von Übungsleiter Uwe Lehner durchkreuzt, sondern auch das Hygienekonzept. „Das ist nicht zu leisten“, meint Rindermann, obwohl es in der Vorlage des Verbandes Lücken gibt. Während im Profibereich ständig Corona-Tests unter den Fußballern durchgeführt werden, ist von einer solchen Maßnahme für die 4500 Vereine in Bayern nie die Rede gewesen. „Wir werden intern einen Test machen“, kündigt Rindermann an. Er möchte sich zumindest einmal Gewissheit über die aktuelle Gesundheit seiner Spieler verschaffen.

Aber der Abteilungsleiter weiß selbst, dass nur regelmäßige Tests eine gewisse Sicherheit bringen. Deshalb stellt sich für ihn auch die Frage nach der Verantwortung, sollte sich einer der Spieler oder Betreuer beim Fußball mit dem Coronavirus infizieren. Wer trägt sie? Der Verband, der unbedingt Fußball spielen lassen will? Die Spielleitungen, die den Saisonablauf organisieren? Die Vereine, die sich an der Veranstaltung beteiligen? Oder die Kicker selbst? „Wir haben geklärt, dass es jeder auf seine eigene Verantwortung macht“, sagt Rindermann. Auf diese Lösung hat man sich zumindest in Gauting verständigt. Dass mit jeder Partie, die die GSC-Spieler nicht bestreiten, die Chance sinkt, sich anzustecken, versteht sich von selbst.

Keine englische Wochen ohne Ligapokal für den GSC

Das Nein zum Ligapokal, das von den Gautinger Verantwortlichen einhellig getragen wird, bewahrt die Mannschaft aber auch vor zu großer Belastung. „Wir haben den vorläufigen Terminplan gesehen und sind heilfroh, dass wir nicht gemeldet haben“, sagt Rindermann bezüglich zwei bis drei Englischer Wochen, die auf sein Team zugekommen wären. Nun wartet nur eine kurze Spielperiode ab Mitte September auf seine Elf.

Dass zusätzlich zur regulären Saison noch ein zweiter Wettbewerb in diesem Herbst gestartet werden soll, setzt für Rindermann ohnehin die Spielleitungen sowie Mannschaften unter Druck. Man nehme sich die freien Wochenenden, falls Spiele ausfielen, etwa wenn sich während der Saison Mannschaften wegen Covid-19-Erkrankungen in Quarantäne begeben müssten, meint Rindermann. So kommt er zu einer ernüchternden Bestandsaufnahme: „Man nimmt keinerlei Rücksicht auf die Corona-Zeit.“

VON CHRISTIAN HEINRICH

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