Eingeschworener Haufen: Der Teamgedanke wird bei den Fußballern des Gautinger SC groß geschrieben.
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Eingeschworener Haufen: Der Teamgedanke wird bei den Fußballern des Gautinger SC groß geschrieben.

Gautinger SC und der Spagat zwischen Spaß und Ambition

Gauting-Coach Lehner: „Der konditionelle Nachholbedarf bei einigen Spielern ist groß“

  • VonChristian Heinrich
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Gauting – Eigentlich hat Uwe Lehner überhaupt keinen Grund, über die Bilanz seiner Mannschaft nach sieben Spielen zu klagen. Gemessen an den Ansprüchen des Trainers, dessen Blick sich einzig auf den Klassenerhalt richtet, ist der Gautinger SC voll im Soll.

Mit zehn Punkten und Platz neun befinden sich die Würmtaler genau dort, wo sie auch am Saisonende stehen wollen: im gesicherten Mittelfeld. Weil Lehner wie jeder andere Coach aber auch von Ehrgeiz getrieben ist, fällt es ihm schwer, sich mit bloßem Durchschnitt zufrieden zu geben. „Es ist mehr drin in der Mannschaft“, ist er überzeugt. Der Übungsleiter steht jedoch vor der kniffligen Frage, wie er das Potenzial seines Teams abrufen soll, dass mehr zum Spaß seinem Hobby nachgeht und keine größeren Ambitionen verfolgt.

„Der Aufstieg spielt für uns keine Rolle“, weiß Lehner selbst. Viel wichtiger sind für ihn erst einmal die wahren und bleibenden Werte, die an der Würm noch gepflegt werden. Obwohl München direkt vor den Toren der Gemeinde liegt und einige Spieler ihren Wohnsitz längst dorthin verlegt haben, definieren sich alle als Gautinger. „Das Gemeinschaftsgefühl ist sehr wichtig“, unterstreicht der Trainer. Deshalb gibt es schon seit Jahren keinen einzigen Kicker im Team, der nur im Traum daran denkt, zu einem anderen Verein zu wechseln.

Lehner klagt über schwache Trainingsbeteiligung

An der Einstellung der Gautinger Fußballer lässt sich deshalb rein gar nichts kritisieren. Egal, wer auf dem Platz steht, alle zerreißen sich bis zum Schluss. „Da gibt es keine Probleme“ betont Lehner. „Nur irgendwann ist der Akku leer.“ Dass die Batterien der Spieler meist gegen Ende der 90 Minuten am Ende sind, hängt auch damit zusammen, dass sie über den Fußball hinaus das Leben nicht vergessen. „Der konditionelle Nachholbedarf bei einigen Spielern ist groß“, räumt Lehner ein. Gerade nach den Entbehrungen der Pandemie ist die Lust bei vielen immens, all das zu nachzuholen, was lange verboten oder nicht möglich war. Der Coach ist dabei klug genug, nicht die oberlehrerhafte Spaßbremse zu geben, und gab den Urlaubsplänen seiner Fußballer lieber statt.

Aber klar: Die Suppe muss er auslöffeln, wenn die Trainingsbeteiligung ständig zwischen zehn und 20 Anwesenden schwankt. „Das ist schwach“, sagt er offen. Die Quittung bekam seine Mannschaft bei den Niederlagen gegen Geiselbullach, Weßling oder Gilching, deren Kicker mit einer anderen Einstellung ihrem Hobby nachgehen. „Die haben uns gezeigt, dass man 90 Minuten arbeiten muss“, stellt Lehner klar. Seine Akteure hielten zwar dagegen, mussten dem Tempo jedoch Tribut zollen.

Schwierige Kadersituation beim GSC: „Ich muss haushalten mit den Spielern“

Verwunderlich ist das nicht. Moritz Rindermann war nur auf der Durchreise in Gauting und ist schon wieder zum studieren nach Dänemark aufgebrochen. Nur noch eine Woche ist Christoph Binder vor Ort, dann muss auch er wieder weiter. Dennis Meyer plagt sich mit erheblichen Kniebeschwerden herum, während Emre Uysal und Florian Fichtel nach ihren Verletzungen erst wieder richtig fit werden müssen. Genauso wie Maximilian Köllner, der nach seinem Ellenbogenbruch wieder mitmischt.

Zuletzt musste sich Lehner deshalb bei den A-Junioren und der Reserve bedienen, um die zahlreichen Ausfälle zu kompensieren. Oft kann er das aber nicht mehr machen. „Ich muss haushalten mit den Spielern“, sagt er. Es gelte, die Belange der Jugend und der Zweiten Mannschaft zu berücksichtigen. All zu große Sprünge lassen sich unter diese Voraussetzungen also kaum machen. Warum aber auch, dürfte manch Gautinger Fußballer fragen. Kreisklasse reicht doch – Potenzial hin oder her.  (hch)

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