An vielen kleinen Stellschrauben gedreht: Davide Taurino hat den TSV Neuried seit 2014 maßgeblich geprägt.
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An vielen kleinen Stellschrauben gedreht: Davide Taurino hat den TSV Neuried seit 2014 maßgeblich geprägt.

Mit sofortiger Wirkung

Paukenschlag beim TSV Neuried: Davide Taurino, Cheftrainer und Mann für alles, verlässt Bezirksliga-Fünften

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
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Das kommt aus dem Nichts: Davide Taurino, Trainer, Sportlicher Leiter und Mann für alles bei Fußball-Bezirksligist TSV Neuried, hört auf. Mit sofortiger Wirkung.

Neuried – Die Bombe platzt mit einem leisen „Ping“ – dem akustischen Signal für eine neue Mail im Posteingang. Gestern um 11.37 Uhr verschickt der TSV Neuried eine Pressemitteilung mit dem Titel „Abteilung Fußball des TSV Neuried stellt Weichen für die Weiterentwicklung – Zusammenarbeit mit Sportlichem Leiter Taurino beendet“.

Nach sechseinhalb Jahren ist in Neuried Schluss für Davide Taurino, den Sportlichen Leiter, langjährigen Jugendkoordinator, Trainer der U19 und U17 sowie nicht zuletzt Coach der ersten Mannschaft in der Bezirksliga.

Taurino-Abgang in Neuried: Nachricht aus dem Nichts

Eine Nachricht, die für Außenstehende völlig aus dem Nichts kommt. Und auch für die Beteiligten. „Wir waren selber ein bisschen überrascht vom Ergebnis, so sind wir nicht in die Gespräche gestartet“, sagt Abteilungsleiter Stefan Kriebel.

Aber woran liegt dann die Trennung zum Jahresanfang? Schließlich steht die Fußballabteilung als Ganze sportlich so gut da wie noch nie – mit der Ausnahme, dass die Erste nicht mehr in der Landesliga antritt, sondern eine Spielklasse darunter.

TSV Neuried will nächste Stufe zünden

Kriebel versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. „Natürlich läuft es sportlich, wir sind hochzufrieden“, sagt er. „Wir haben mit Davide in den letzten Jahren einen Riesenschritt gemacht, aber jetzt wollen wir die nächste Stufe zünden. Es muss ein Ruck durch den gesamten Verein gehen, und dafür ist es sinnvoll, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.“

„Wir wissen, dass es ein Sprung ins kalte Wasser ist und natürlich mit Risiko verbunden“

Damit spricht Kriebel Taurinos Mehrfachbelastung in Neuried an, der 44-Jährige war mit seinen zahlreichen Ämtern der Mann für alles. Das allerdings macht den Umbruch noch umfassender, schließlich bricht dem TSV mit einem Mann quasi eine komplette Personalreihe weg.

„Wir wissen, dass es ein Sprung ins kalte Wasser ist und natürlich mit Risiko verbunden“, gibt Kriebel zu. Dennoch ist er zuversichtlich, dass der Plan aufgeht. Ein Plan, der auch die mittelfristige Rückkehr der ersten Mannschaft in die Landesliga vorsieht.

Taurino will sich entwickeln: Angebote auch von NLZ

Die Trennung von TSV Neuried und Davide Taurino war nach Angaben aller Beteiligten einvernehmlich und im Interesse von Verein und Trainer. „Im Sommer wäre ich sieben Jahre in Neuried. Irgendwann wird es auf beiden Seiten Zeit für eine Veränderung“, sagt Taurino, der seinen Abschied aus dem Würmtal nun als Chance ergreifen möchte, sich noch mal weiterzuentwickeln.

Optionen dürfte der Deutsch-Italiener genügend haben, der nach eigenen Angaben jedes Jahr aufs Neue Angebote ausschlug – zugunsten einer Fortsetzung seiner Tätigkeit in Neuried. Seine Vita liest sich äußerst beeindruckend mit beispielsweise elf Jahren Arbeit und Erfolgen bei der SpVgg Unterhaching. „Ich bin schon in Gesprächen“, verkündet Taurino, ohne konkret zu werden. Das eine oder andere Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) sei auch im Rennen, verrät er.

TSV Neuried: Corona-Pause für Umstrukturierung nutzen

Dass der 44-Jährige mitten in einer gut laufenden Saison Lebewohl sagt, ist auf den ersten Blick verwunderlich. Taurino erklärt: „Wir werden wegen Corona noch eine ganze Weile nicht Fußball spielen. Die Zeit kann der Verein nutzen, um sich neu aufzustellen.“

Noch gibt es beim TSV keine Personal-Neuzugänge als Ersatz. „Aber wir werden definitiv Verstärkung brauchen“, stellt Abteilungsleiter Kriebel klar.

Hrgovic folgt Taurino als Cheftrainer nach

Zumindest erste Regelungen für den Rest der Saison sind getroffen: Josip Hrgovic, bislang Taurinos Co-Trainer in allen Teams, rückt sowohl bei der Ersten als auch bei U19 und U17 zum Chefcoach auf. „Mit seiner B-Lizenz ist er gut ausgestattet, und er kennt die Konzeption“, sagt Kriebel. 

TSV Neuried will Taurino-Weg fortsetzen

Denn an der sportlichen Ausrichtung möchte der TSV Neuried nicht rütteln, der Taurino-Weg soll fortgesetzt werden. Bei den Herren I erhält Hrgovic hier und da Unterstützung von Maximilian Zgud, der aber in erster Linie Cheftrainer der Kreisliga-Reserve (U23) bleibt.

Hrgovic verkündet: „Dass Davide geht, muss ich erst mal verdauen, aber bei mir überwiegen Motivation, Ehrgeiz und Wille.“ Seinen Posten bei den Damen muss der 28-Jährige aus Zeitgründen niederlegen, den übernimmt sein ehemaliger Co-Trainer Florian Adam.

mg

 

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