Dynamische Karriere: Der Ex-Planegger Albion Vrenezi (l. im Spiel gegen Würzburg) ist Profi in der 2. Bundesliga.
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Dynamische Karriere: Der Ex-Planegger Albion Vrenezi (l. im Spiel gegen Würzburg) ist Profi in der 2. Bundesliga.

11-Freunde-Interview

Profi-Schmiede Amateurfußball: Zweitliga-Kicker Albion Vrenezi über seine Zeit in Bezirks- und Kreisliga

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
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Albion Vrenezi, Zweitliga-Profi und Ex-Fußballer des SV Planegg-Krailling, spielt eine starke Saison. Im 11-Freunde-Interview blickt er nun auf seine Amateur-Zeit zurück.

Planegg – Sein Weg ging stetig bergauf aus der Kreisliga bis in die 2. Bundesliga – und auch dort zeigt der Karriereplan eher nach oben: Albion Vrenezi. Der ehemalige Fußballer des SV Planegg-Krailling spielt eine hervorragende Saison mit dem SSV Jahn Regensburg.

In der Liga befindet sich das Team zwar im unteren Tabellenmittelfeld, im DFB-Pokal war dafür erst im Viertelfinale Schluss gegen Werder Bremen. Und mittendrin fast immer Vrenezi. Er ist der zweitbeste Liga-Scorer seiner Mannschaft (drei Tore, vier Vorlagen) und gehört laut Ranglisten des Fachmagazins Kicker zu den Top-Offensivspielern der 2. Bundesliga.

Albion Vrenezi: Interview mit 11 Freunde

Der 27-jährige Flügelspieler generiert zunehmend Aufmerksamkeit. Jetzt veröffentlichte die renommierte Fußballzeitschrift 11 Freunde online ein großes Interview mit dem gebürtigen Kosovaren, in dem er auf seine Karriere und insbesondere seine Zeit in München und im Würmtal eingeht.

Vrenezi verrät, warum es in der Jugend nicht für einen Wechsel zu einem großen Klub reichte: „Ich war zwar immer gut am Ball und habe für meinen Verein Planegg-Krailling viele Tore geschossen, aber ich war in meiner Jugend auch extrem klein und schmächtig. Ich bin immer noch nicht der Größte, aber damals war es im Vergleich zu Gleichaltrigen wirklich sehr krass. Insofern haben mir die namhaften Vereine in München, also Bayern und 1860, zu der Zeit wahrscheinlich körperlich den nächsten Schritt nicht zugetraut. Ich denke, sie haben in mir keinen Profifußballer gesehen.“

SV Planegg-Krailling? „Klingt eher nach Dorffußball“

Seine Kritiker straft Albion Vrenezi nicht erst heute Lügen. Auch in seinen Jahren beim SVP zeigte er, was in ihm steckte. „Planegg-Krailling: Das klingt für Leute, die nicht aus München kommen, vielleicht eher nach Dorffußball. Aber wir spielten damals auf richtig ordentlichem Niveau, in der C-Jugend zum Beispiel in der Bayernliga, das war die zweithöchste Spielklasse“, erzählt er im Interview.

Auch wegen seines langjährigen Förderers und Trainers Christian Spiegel sei er seinem Heimatverein bis in den Herrenbereich treu geblieben. „In meinem ersten A-Jugend-Jahr ist mir der Meniskus gerissen, ich musste operiert werden. Die OP verlief nicht gut, ein paar Monate später musste ich noch mal unters Messer.“

SVP-Trainer Spiegel: „Hier legt dir keiner Steine in den Weg“

Damals sei ihm wichtig gewesen, körperlich wieder voll belastbar zu werden. Spiegel habe ihm alle Freiheiten zugesichert. Vrenezi: „Er meinte: ,Ich weiß, was du kannst, ich glaube an dich, und ich glaube vor allem daran, dass du deinen Weg gehen wirst. Bleib ein Jahr bei mir in der Bezirksliga, wir gewöhnen deinen Körper an den Männerbereich – und wenn danach ein Angebot aus einer höheren Liga kommt, legt dir hier keiner Steine in den Weg.‘“

Das Bezirksliga-Spiel zwischen dem SVP und dem TSV Gilching, das die Planegger 2013 nach zwei Treffern von Vrenezi (l.) 5:0 gewannen, ist ein Thema im 11-Freunde-Interview.

Genau so sei es gekommen. Nach einem „super Jahr“, einer „unglaublichen Saison“ (Vrenezi) beim SVP ging es zum FC Unterföhring in die Bayernliga, später zum FC Augsburg II in die Regionalliga und schließlich nach Regensburg.

Verteidiger in der Kreisliga: „Ich komm’ nicht hin? Ich hau’ den um!“

Auch von Kreisliga-Spielen mit der Planegger Reserve, bei der er ab und an aushalf, spricht der Offensivspieler im 11-Freunde-Interview – und widerspricht der These, die Erinnerungen seien „matschige Plätze, kalte Duschen und nach Spielende Rauchen im auf links gedrehten Trikot“. Im Gegenteil: „Die Bedingungen waren, ehrlich gesagt, ziemlich gut. Wir haben immer warm geduscht und zu der Zeit sogar ein neues Stadion bekommen. Die Plätze waren ebenfalls immer top.“

Hart sei so mancher Gegenspieler gewesen. Verglichen mit Bundesliga-Profis komme man zwar an einem Kreisliga-Verteidiger „leichter und öfter vorbei, aber wenn er dich trifft, dann liegst du auch eine Weile. Mein Bezirksliga-Jahr und auch die Einsätze in der zweiten Mannschaft habe ich noch in schmerzhafter Erinnerung“, erzählt Vrenezi. „Da wurde ich wirklich häufig erwischt. Jetzt sind es eher mal taktische Fouls, aber nicht so übertriebene Grätschen. Damals dachten die Verteidiger: ,Ich komm’ nicht hin? Ich hau’ den um!‘“

Krieg, Ausbildung und Straßenfußball prägen Albion Vrenezi

Neben seinen Vereinsjahren in Planegg geht Vrenezi im Gespräch mit dem Magazin detailliert auf seine Jahre als Straßenfußballer im Münchner Südwesten ein. Aus dieser Zeit habe er viel für die Karriere mitgenommen.

Technisch versiert: Der junge Albion Vrenezi (l.) 2012 im Dress des SV Planegg-Krailling in der Partie gegen die DJK Pasing.

Erfahrungen fürs ganze Leben habe er durch die Flucht mit seiner Familie als kleiner Junge aus dem Kosovo gemacht. „Das hat mich für mein späteres Leben geprägt. Ich schätze die Sicherheit in Deutschland ganz anders als Menschen, die glücklicherweise nie von einem Krieg und den Folgen betroffen waren – glaube ich zumindest“, sagt der 27-Jährige, der vor seiner Zeit als Profi eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker abschloss.

Auch das helfe ihm heute. Vrenezi: „Ich denke schon, dass ich einen anderen Bezug zu Geld habe als ein Profi, der direkt als 17-Jähriger die ersten Millionen verdient.“

Das ganze Interview

greift Themen wie Albion Vrenezis Förderer Manuel Baum auf, die bittere Pokalpleite gegen Bremen, die einstige Wahl zu einem der besten 22 Straßenfußballer Deutschlands sowie die Fußballkarriere-Chancen seines 20-jährigen Bruders Meriton – auch ein Ex-Planegger. Nachzulesen auf der Homepage der 11 Freunde.

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