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Florian Häringer: „Unsere Mitglieder sind emotional näher zusammengerückt“
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Florian Häringer: „Unsere Mitglieder sind emotional näher zusammengerückt“

Vizepräsident des SV Planegg-Krailling, Florian Häringer im Interview

Florian Häringer: „Unsere Mitglieder sind emotional näher zusammengerückt“

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
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Vizepräsident Florian Häringer vom SV Planegg-Krailling im Interview über den Umgang seines Vereins mit der Corona-Krise. „Unsere Mitglieder sind emotional näher zusammengerückt.“

Würmtal – Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Das betrifft auch – oder besonders – den Amateursport. Zumindest Kontaktsportarten müssen wohl noch eine ganze Weile auf die Rückkehr in den Spielbetrieb warten. Während es dennoch Woche für Woche bergauf geht und in einigen Sportarten wie Tennis sogar berechtigte Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zum Vereinssport bestehen, haben Sport- und Schützenvereine mit etlichen Pandemie-bedingten Problemen zu kämpfen – auch im Würmtal. Der Münchner Merkur hat im Rahmen der neuen Serie „Vereine gegen Corona“ fast alle Würmtaler Vereine nach Umgang mit und Konsequenzen der Corona-Krise befragt. Als erstes beantwortetFlorian Häringer, Vizepräsident des SV Planegg-Krailling, die Fragen.

Welche Auswirkungen hat die vorübergehende Einstellung des Sportbetriebs für Ihren Verein?

Vizepräsident Florian Häringer: Das Vereinsleben und den Normalbetrieb gibt es derzeit faktisch nicht. An der Hofmarkstraße ist sozusagen Stillstand. Ein ungewohnter und auch unschöner Zustand.

„Da war ich echt erstaunt und auch bisserl stolz“

Gibt es bereits vermehrt Kündigungen von Mitgliedschaften oder aber das Gegenteil: Bekundungen von Mitgliedern, auf jeden Fall auch in Krisenzeiten und darüber hinaus zu bleiben?

Glücklicherweise sind wir noch nicht mit Lockdown-bedingten Kündigungen konfrontiert. Das wäre langfristig eine Katastrophe für alle Vereine. Natürlich beantworten wir nahezu täglich Fragen unserer Mitglieder bezüglich des ausgesetzten Sportbetriebs. Was wir allerdings festgestellt haben, ist, dass unsere Mitglieder emotional näher zusammengerückt sind. Angefangen hat das mit unserer #wirbleibendaheim-Kampagne. Da haben unzählige Mitglieder mitgemacht und ihre Verbundenheit mit ihrem SVP gezeigt. Da war ich echt erstaunt und auch bisserl stolz. Das heißt, unser Vereinsleben ist eigentlich gesund, und die Menschen wollen irgendwann nach überstandener Krise zurück zum normalen Vereinsleben.

Welche (finanzielle) Perspektive sehen Sie, wenn ein Verbot des Vereinssports noch über mehrere Wochen ausgeweitet wird? Bis wann sehen Sie Ihren Verein handlungsfähig?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Derzeit kommt unser Verein noch ganz gut zurecht. Obwohl auch wir finanzielle Einbußen hinnehmen mussten. Als Beispiel führe ich die Schließung unserer beiden Gaststätten und den damit verbundenen Pachteinbußen, die vorzeitige Schließung der Tennishalle und die Einnahmen aus den Heimspielen an. Bisher mussten wir unsere Angestellten noch nicht in Kurzarbeit schicken. Das haben wir auch nicht vor. Aber der Gürtel wird definitiv enger geschnallt. Momentan ziehen noch alle an einem Strang: Trainer, Sportler, Funktionäre.

„Ich befürchte, die Vereine werden wohl auf einem Großteil ihres Schadens sitzen bleiben“

Welche Hilfe erwarten Sie von Sportorganisationen, Fachverbänden oder der Politik? Haben Sie Ihren Verein im Meldesystem des BLSV eingetragen?

Wir erwarten vom Verband und der Politik weiterhin ein besonnenes Vorgehen. Die Gesundheit unserer Mitmenschen steht im Mittelpunkt, und das ist gut so. Das betrifft auch den Sport. Erst, wenn die Krise überstanden ist, wird Kassensturz gemacht, und dann wissen wir, wie hoch und einschneidend unser finanzieller Schaden tatsächlich ist. Es wäre schön, wenn dann das ehrenamtliche Engagement, welches die Vereine leisten – übrigens auch in der Krise – endlich angemessen honoriert wird. Dort kann die Politik langfristig Flagge für die Vereine und deren Ehrenamtliche zeigen – eben auch finanziell. Von warmen Worten haben Übungsleiter und Funktionäre nichts. Wir haben bereits das BLSV-Meldesystem genutzt. Man muss aber verstehen, dass es für Vereine nur Daten für eine Statistikerfassung sammelt. Einige meinen, dass der Verband hier aufgrund einer Vereinsmeldung mit der Gießkanne Geld ausschüttet. So ist das aber nicht. Die Ergebnisse der Datensammlung stellen eher eine Verhandlungsgrundlage des BLSV gegenüber dem Innenministerium dar. Ich befürchte, die Vereine werden wohl auf einem Großteil ihres Schadens sitzen bleiben. Für einen gemeinnützigen Verein kann das zur Belastungsprobe werden. Seit vergangener Woche gibt es jedoch vom Wirtschaftsministerium ein Corona-Soforthilfeprogramm für Vereine. Wir werden zügig prüfen, ob hier ein Antrag für uns infrage kommt.

„Sport und Bewegung ist sehr gesund und lenkt von der Ausgangsbeschränkung ab“

Gibt es Initiativen Ihres Vereins in Corona-Zeiten (Einkaufsangebote für ältere Mitmenschen etc.)?

Wir bieten über eine Versorgungshotline zum Beispiel einen Einkaufsservice für Personen der Risikogruppe aus Planegg an. Auch Fahrten zur Apotheke und Ähnliches übernehmen unsere freiwilligen Helfer und verteilen bei Bedarf auch Masken. Selbstgenähte; solange der Vorrat reicht. Wir haben da ein paar echt fleißige Mitglieder. Für unsere Sportler und Interessierte aller Altersgruppen haben wir Video-Trainingsprogramme für das Training zu Hause aufgenommen und veröffentlicht. Sport und Bewegung ist bekanntlich sehr gesund und lenkt auch den einen oder anderen von der Ausgangsbeschränkung ab. Es kommen nahezu täglich weitere Videos dazu. Das junge Team dahinter ist wirklich sehr engagiert. Seit einer Woche läuft die #svpstayathome-Challenge über unsere Social-Media-Kanäle. Den Gewinnern winken dort tolle Preise. Die Challenge macht Spaß und hält die Sportler bei Laune. Das ist auch wichtig.

Amateure helfen in der Krise

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