Mit genügend Abstand, wie hier Patrick Gegenbauer (l.) und Maximilian Kriebel vom TSV Neuried, dürfen Fußballer in Bayern seit gestern theoretisch wieder trainieren – solange es die jeweilige Gemeinde erlaubt.
+
Mit genügend Abstand , wie hier Patrick Gegenbauer (l.) und Maximilian Kriebel vom TSV Neuried, dürfen Fußballer in Bayern seit gestern theoretisch wieder trainieren – solange es die jeweilige Gemeinde erlaubt.

Reaktionen auf BFV-Meldung

„Das ist kein Fußball“ und „Gut gemeint, schlecht gemacht“: Klubs im Würmtal sehen Trainingserlaubnis auch kritisch

  • Michael Grözinger
    vonMichael Grözinger
    schließen
  • Tobias Huber
    schließen
  • Tobias Empl
    schließen

Auch die Fußball-Vereine im Würmtal dürfen theoretisch und unter Auflagen wieder kicken. Zwar freuen sie sich, wieder einen Ball am Fuß zu haben, aber es gibt auch Kritik.

Würmtal – Dass es so schnell gehen würde, hatten wohl die größten Optimisten nicht gedacht. Am späten Freitagabend informierte der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seine Vereine, dass ab Montag Training wieder möglich sei. „Für alle unsere Fußballer ist diese neue Entwicklung eine gute Nachricht in dieser schwierigen Phase“, sagt BFV-Präsident Rainer Koch. „Wir wissen, dass es bis zur Rückkehr zur Normalität noch ein weiter Weg ist. Aber der erste Schritt ist gemacht.“

Kritik: Folge des Überbietungs-Wettbewerbs“

Einige Trainer aus dem Würmtal halten dieses Vorgehen aber für verfrüht. „Man weiß doch noch gar nicht, was eine Infektion mit diesem Virus für Spätfolgen haben kann. Ich finde es übertrieben, jetzt so schnell so weitreichende Lockerungen durchzuführen. Aber das ist wohl Folge dieses Überbietungswettbewerbs“, kritisiert Uwe Lehner, Trainer von Kreisklassist Gautinger SC.

Grundsätzlich ist er schon glücklich, seine Fußballer wiederzusehen. „Ich vermisse sie schon sehr, aber wir tragen alle eine große Verantwortung. Die Gesundheit jedes Einzelnen muss oberste Priorität haben“, fordert Lehner.

Ohne Regeln geht es aber ohnehin nicht, die Vereine müssen die vom Verband geforderten Auflagen einhalten. „Wir sind im Kampf gegen das Virus noch lange nicht am Ende. Vorsicht und Fürsorge sind weiterhin oberstes Gebot“, stellt BFV-Präsident Koch klar. Auch die örtlichen Kommunen müssen ihren Teil dazu beitragen und die Sportanlagen wieder freigeben.

Gemeinden im Würmtal haben Anlagen noch nicht freigegeben

In Gräfelfing beispielsweise ist dies noch nicht geschehen. „Unser Präsident, Christoph Göbel, hat noch nicht das Go gegeben“, teilt Bernd Gegenfurtner mit. Der Trainer der Kreisliga-Elf des TSV Gräfelfing kritisiert: „Es ist mir alles ein bisschen suspekt, was der BFV im Moment macht. Jetzt kommt er noch vor dem BLSV und Innenminister Joachim Herrmann mit so einem Schnellschuss, nachdem man davor so langsam war.“

Die Bedingungen des Verbands für das Training hält er für schwer umsetzbar, besonders für mehrere Mannschaften. „Das wird alles lustig. So viel Platz haben wir nicht, und so viele Trainer laufen auch nicht rum“, sagt Gegenfurtner. „Wir werden versuchen, die Teams zu splitten und jede Mannschaft einmal pro Woche trainieren zu lassen.“

Kritik: „Gut gemeint ist meistens schlecht gemacht“

Auch bei SV Planegg-Krailling, DJK Würmtal und TSV Neuried wartete man gestern Nachmittag noch auf eine Stellungnahme der jeweiligen Gemeinde. Maximilian Reid, Trainer der Neurieder Herren I, spricht Klartext: „Das BFV-Konzept ist gut gemeint, aber es gibt den schönen Spruch: Gut gemeint ist meistens schlecht gemacht.“

Bestes Beispiel sei, dass man den Ball nicht in die Hand nehmen dürfe. „Wie soll man die Bälle denn dann aus dem Schrank räumen und sie wieder aufräumen?“, fragt der Bezirksliga-Coach und ergänzt: „Außerdem ist das auch medizinisch Humbug.“

Über die Art und Weise der Trainingsgestaltung ist er sich ebenso noch unsicher wie sein Kollege beim SVP, Michael Lelleck. „Die Umsetzung ist schwierig. Aber wir haben genug Trainer da, um eine Art Zirkeltraining durchzuführen“, sagt der Trainer des Kreisligisten. Dieser Tage wolle er sich mit den anderen Planegger Übungsleitern genauer besprechen.

Zumindest die Inhalte der Einheiten seien durch die Richtlinien schon klar: „Technik, Lauftraining und Koordination – viel mehr wird nicht gehen“, erklärt Lelleck, der sich über die Lockerung freut und im Optimalfall bereits diese Woche wieder mit seinen Kickern auf den Platz will.

Kritik: „Das ist kein Fußball“

Deutlich länger müssen sich wohl die A-Klasse-Fußballer des TV Stockdorf noch gedulden. „Unser Problem ist, dass der Trainingsplatz im Moment saniert wird. Wir müssen warten, ob die Gemeinde Gauting den Platz auf dem Schulcampus freigibt. Aber die haben auch die Corona-Zeit genutzt, um den Platz zu sanieren. Soweit ich weiß, müssten wir also eh bis nach Pfingsten warten“, sagt Coach Korbinian Halmich und fügt an: „Das ist jetzt zumindest ein Anfang, vor allem für die Jugend. Aber es muss jeder für sich entscheiden, wie er es umsetzen kann und will.“

Mario Germek von der DJK hat dahingehend eine klare Meinung: „Training mit vier Spielern und einem Trainer – da kann man genauso gut auf die Straße gehen und laufen. Ich persönlich bin nicht begeistert von dem Ganzen“, so der A-Klasse-Trainer. „Das ist kein Fußball.“

Kritik: „Wer diese Regeln entworfen hat, hat nie Fußball gespielt“

Ähnlich sieht es Franz Möhwald. „Wer diese Regeln entworfen hat, hat noch nie Fußball gespielt“, sagt der Coach von A-Klassist TSV Pentenried. Jetzt gehe es nur darum, die Spieler wieder zu bespaßen. Das gestalte sich bis zum möglichen Saisonstart im September aber schwierig – dreieinhalb Monate lang ohne Trainingsspiel und Ähnliches.

Doch Tobias Rehse, Trainer der Neurieder Kreisliga-Reserve, bringt es trotz aller Relativierungen auf den Punkt: „Grundsätzlich freut sich jeder, dass er wenigstens mal wieder den Ball am Fuß hat.“

Update, 25. Mai: Vereine im Würmtal nehmen Training wieder auf

Mittlerweile haben fast alle Vereine aus dem Würmtal zumindest mit einigen ihrer Mannschaften den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Noch gibt es aber Unterschiede, wie viele Teams trainieren. Wir haben uns einen Überblick verschafft.

mg, te, toh

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dank Corona fest im Sattel: Kaum Trainerwechsel bei Würmtaler Fußball-Vereinen - Ein Klub verschiebt den Stichtag
Corona sei Dank: Die Fußball-Trainer aus dem Würmtal sitzen alle sehr fest im Sattel. Nur ein neues Gesicht ist seit 1. Juli unterwegs - und ein Verein spielt auf Zeit.
Dank Corona fest im Sattel: Kaum Trainerwechsel bei Würmtaler Fußball-Vereinen - Ein Klub verschiebt den Stichtag
Ligapokale bis runter zur C-Klasse? BFV hat Planungen wohl abgeschlossen – Damoklesschwert Corona
Kommt der Ligapokal für alle Amateur-Fußball-Ligen bis runter zur C-Klasse? Die Anzeichen dafür verdichten sich. Dieser Tage veranstaltet der BFV Webinare für seine …
Ligapokale bis runter zur C-Klasse? BFV hat Planungen wohl abgeschlossen – Damoklesschwert Corona

Kommentare