Nur die Tore fehlen

- Auch nach zwölf Spieltagen sind die Amateure des FC Bayern als Einziger von 36 deutschen Regionalligisten, in den Gruppen Süd und Nord, noch ungeschlagen. Am Samstag verteidigten die Schützlinge von Trainer Hermann Gerland mit dem 0:0 gegen den FC Augsburg die Tabellenführung. Wie so oft in dieser Saison mussten Gerland und sein Kollege Gerd Müller personell viel improvisieren. So gehörten die Keeper Michael Rensing und Jan Schlösser ebenso zum Profiaufgebot wie Christian Lell und Piotr Trochowski. Andreas Ottl, Paul Thomik und Michael Stegmayer absolvierten gleich drei Partien mit der U-19-Nationalmannschaft. Doch Gerland gehört nicht zu den Vertretern der Branche, die viel Jammern.

Im Gegenteil, der "Tiger" schickt einfach weitere Talente in den rauhen Regionalliga-Alltag. Gegen die abgezockten Augsburger, die mit vielen Ex-Profis ihr Glück versuchen, rückte Georg Niedermeier in die Abwehrkette. Der 17-jährige machte seine Sache, nach Problemen in der Anfangsphase, insgesamt sehr ordentlich. Sogar Augsburgs neuer Trainer Armin Veh, bis vor zwei Wochen noch Chefcoach beim Bundesligisten Hansa Rostock, zeigte sich angetan von den Bayern-Bubis: "Da würde ich gerne einige mitnehmen."

Auch Hermann Gerland lobte den Einsatz seiner Schützlinge, doch die schlechte Chancenauswertung trieb ihn dann doch auf die Palme: "Wer keine Tore schießt, für den ist ein 0:0 das beste Ergebnis." In der Tat, Leo Haas, Daniel Jungwirth und Erdal Kilicaslan tauchten freistehend vor dem gegnerischen Tor auf, zeigten im Abschluss aber dann doch Nerven. Wenigstens demonstrierte die Innenverteidigung des Tabellenführers gewohnte Qualität. Routinier Thorsten Fink dirigierte erneut gekonnt und energisch im Mittelfeld.

Grünberger verhindert
Schlappe gegen Veh-Elf

"Wir hatten mehr Spielanteile, der FC Bayern die besseren Chancen, deshalb geht das Remis in Ordnung", lautete das Fazit von Veh, der aber noch viele Fehler bei seinem Team entdeckte, dass vor der Saison (mit Trainer Ernst Middendorp) als Toppfavorit in der Regionalliga Süd galt.

Fast hätten die Augsburger beim Debut des neuen Trainers drei Punkte entführt, denn in der letzten Sekunde fischte Bayern-Keeper Markus Grünberger einen fulminanten Schuss von Jörg Reeb aus dem Winkel. Dies war aber nicht der einzige Aufreger in der Schlußphase: So zog sich Schiedsrichter Volker in der 80. Minute einen Muskelfaserriss zu. Über den Stadionsprecher aktivierte der FC Bayern einen zufällig anwesenden Schiedsrichter zum Mitmachen. Christian Bahr ging an die Außenline, der eigentlich als Assistent eingeteilte Jochen Braun brachte nach längerer Unterrechung, die letzten Minuten des insgesamt sehr fair geführten Derbies, ohne Probleme über die Bühne.

Da die "Nullnummer" im Stadion an der Grünwalderstraße keineswegs langweilig verlief, zeigte sich beiden Seiten am Ende zufrieden. Augsburgs Trainer Veh liess sich noch die Handynummer vom Kollegen Gerland geben und räumte ein, dass er noch etwas Nachhilfeunterricht zum Thema Regionalliga braucht: "Ich war doch lange weg und muss mich erst orientieren." Da ist für den Rückkehrer von der Bundesliga ins Amateurlager ein Hermann Gerlands sicher der beste Ansprechpartner!

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