+
Noch muss Willy Bogner vor den Symbolen von Olympia 1972 posieren.

Bogner sucht ein „Wahrzeichen für 2018“

München - Willy Bogner hat eine Vision: die „besten Köpfe Deutschlands“ aus allen relevanten Feldern in einem „Dream-Team“ zur Olympia-Bewerbung vereinen. Doch Bogner braucht noch eine viel größere Vision – für die Spiele 2018. Und zwar möglichst schnell.

Vielleicht liegt es am Ende nur am Essen, dass München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee den Zuschlag für die Winterspiele 2018 bekommen haben: weil die Bewerbungsgesellschaft bayerisch aufgetischt hat und damit den Geschmack der Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) getroffen hat. Oder die Damen und Herren hätten lieber italienischen gegessen – und München erhält den ersehnten Zuschlag deshalb nicht.

„Selbst wenn wir sachlich in allen Dingen besser sind als die Mitbewerber, bleiben große Unbekannte: die Sympathie, die Politik oder tausend andere persönliche Gründe“, philosophiert Willy Bogner. „Es gibt keine Transparenz.“ Der Chef der Bewerbungsgesellschaft und seine zwei Geschäftsführer-Kollegen versuchen herauszufinden, was die IOC-Mitglieder „denken, was die fühlen“. Treffen dürfen sie die Entscheidungsträger aber nicht.

Die Münchner Gesellschaft steht nach dem Besuch eines IOC-Seminars in Lausanne vor einem riesigen Berg neuer Aufgaben. Die größte für Bogner: „Wir müssen kreativ sein – und zwar schnell.“ Es geht um nicht weniger, als die Vision der Spiele 2018 zu finden. Diese sei genauso wichtig wie die Sportstätten, die Infrastruktur oder all die anderen Sachthemen. Alle Spiele sollen die wichtigste Marke des IOC mit einer Vision weiterführen. Das hat die Delegation in der Schweiz auch gelernt. Die Idee der „freundlichen Spiele“, wie sie Bogner ersonnen hat, ist für ihn nach wie vor aktuell. „Die generelle Aussage stimmt“, meint er. Damit könnte München bescheiden beginnen und sich im Laufe der Bewerbung steigern. Das Ziel hält er offen. Von „freundlich“ lassen sich auch Werte wie Freunde oder Freundschaft ableiten.

Diese Vision soll nicht nur bis 2018 reichen, sondern darüber hinaus. Die Bewerbung müsse auch die Frage beantworten, erklärt der 67-jährige Unternehmer, welches Erbe die Spiele hinterlassen werden. „Der Olympiapark gilt in der Fachwelt als herausragendes Erbe“, bekräftigt Prokurist Jürgen Bühl. Dass die Stadt München ihren Park seit den Spielen 1972 in Schuss gehalten habe, so dass er auch 2018 noch zu nutzen sei, das sei ein Pluspunkt, weiß Bogner. „Aber das reicht nicht. Wo ist die Vision dazu? Was ist das neue Wahrzeichen für 2018?“ Gesucht ist also ein architektonisch herausragendes Werk. Eine Antwort möchte er noch nicht darauf geben.

Es sind sehr viele Fragen in den nächsten Wochen zu beantworten. „Wir haben noch nicht in allen Feldern die Professionalität erreicht, die wir brauchen“, räumt der Bewerbungs-Geschäftsführer ein. Da soll künftig ein „Senior-Beratungsgremium“ helfen, „das nicht nur Ehre hat, sondern etwas tut“ – im besten Fall sogar ehrenamtlich. Das „beste Knowhow in Deutschland“, wünscht sich Bogner: aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien. Der Name Joschka Fischer fiel gestern in einer Runde von Medien-Vertretern. Bogner hält ihn für eine „interessante Persönlichkeit“, darüber sei nachzudenken. Fischer selbst aber weiß davon nichts. Oder Michael Schumacher, weltweit sicher einer der bekanntesten Sportler. Auch er könnte aktiver Teil des „Dream-Teams“ sein – und damit der Vision Willy Bogners.

Nicht zu vergessen jemand, der die Frage mit dem Essen beantwortet.

Matthias Holzapfel

Auch interessant

Kommentare