Deutsche im Stanley-Cup: Der Mittelklasse entkommen

München - Zwei Deutsche spielen um den Stanley-Cup - ihr ehemaliger Trainer Hans Zach erzählt von den Anfängen von Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg.

Deutsches Finale in der National Hockey-League (NHL), los geht es am Mittwoch in Vancouver, und dass Christian Ehrhoff (für die Canucks) und Dennis Seidenberg (für die Boston Bruins) dabei sind und es somit definitiv einen zweiten deutschen Stanley-Cup-Gewinner geben wird, das macht auch einen Mann in Bad Tölz froh: Hans Zach, den ehemaligen Eishockey-Bundestrainer. Denn beide deutschen NHL-Stars haben ihr erstes großes Turnier unter Zach bestritten: Seidenberg die WM 2001 in Köln und Hannover, Ehrhoff die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City.

Seidenberg hatte parallel zur Weltmeisterschaft Abiturprüfungen, und Zach, der Parade-Bayer, stachelte Seidenberg, den Baden-Württemberger, immer an: „Kann doch kein Problem sein, ist schließlich kein bayerisches Abitur.“ Dass Seidenberg sich beruflich aber auf seine Qualitäten als Eishockeyspieler würde verlassen können, daran hatte Zach keinen Zweifel: Er sagte voraus, dass der Verteidiger von den Adlern Mannheim, an dem er Willen und Physis schätzte, sich in der nordamerikanischen Eishockey-Eliteliga NHL durchsetzen werde - und so geschah es.

Bei Ehrhoff war Zachs Anteil vielleicht noch größer. „Da weiß ich noch, dass ich ihn trotz schwerer Verletzung zu den Olympischen Spielen mitgenommen habe, obwohl mir sogar das nähere Umfeld davon abgeraten hat“, erinnert sich Zach. 2002 hatte Christian Ehrhoff einen Schläger ins Auge bekommen, „seine Sehkraft lag unter zehn Prozent. Und auf diesem Auge sieht er heute noch weniger als die Hälfte.“ Zach sagte: „Bei mir musst du keine Angst haben“. Er nominierte ihn fürs Olympia-Turnier, „vielleicht hat ihm das geholfen, denn es war an einem Scheideweg in seiner Karriere.“

Es ist eine schöne Karriere geworden, bei jedem der beiden deutschen NHL-Finalisten. Ehrhoff war etwas stabiler, obwohl er ein Jahr nach Seidenberg hinüberging, hat er mehr Spiele gemacht. Bei Seidenberg kam ein Beinbruch dazwischen, das kostete ein Jahr, er ist auch häufig getradet worden (kam dadurch jedoch auch nach Phoenix, wo er den großen Wayne Gretzky als Trainer erleben durfte). Ehrhoff hatte als erste Anlaufstelle die San Jose Sharks, ein aufgrund der deutschstämmigen Eignerfamilie Gunt sehr deutschenfreundlicher Klub.

Ehrhoff wie Seidenberg mussten auch mal runter in die Farmteams, sie hätten auch in einer minderen Güteklasse bleiben können - die Wertigkeit vieler Spieler aus Europa in der NHL ist ein ewiges Reizthema des Eishockeys, der Schweizer Weltverbandspräsident Rene Fasel findet, die NHL hole sich aus Skandinavien, Ost- und Mitteleuropa zu viel „Füllmaterial“ und könnte diesen Personalbedarf auch aus kanadisch-amerikanischen Ressourcen decken.

Doch Seidenberg und Ehrhoff sind dieser Kategorie der (unteren) Mittelklasse entkommen, diese Saison weist sie als Leistungsträger aus: Seidenberg, das Konditionswunder seit jeher, bestreitet neben Abwehrpartner Zdeno Chara, dem slowakischen 2,06-m-Mann, seine Spiele mit einer gigantischen Einsatzzeit von um die 28 Minuten, Ehrhoff hat alleine in den Playoffs elf Scorerpunkte gesammelt (obwohl ihn eine Schulterverletzung um ein paar Spiele brachte). Seidenberg sei „sehr robust, Ehrhoff kommt mehr übers Läuferisch-Technische. Und beide spielen sie regelmäßig im Powerplay“, sagt Hans Zach, ihr einstiger Mentor. Im Grunde seien sich die beiden Finalisten ähnlich: „Sie sind ruhige Vertreter ihrer Zunft und voll auf ihren Sport fokussiert.“

Dennis Seidenberg, mit einer Amerikanerin verheiratet, ist etwas US-affiner, Ehrhoff hingegen zieht es im Sommer stets in die Heimat, erst vergangenen September verfolgte er noch die ersten Punktspiele seiner Krefeld Pinguine (die NHL nimmt ihren Betrieb erst im Oktober auf). „Dieses Jahr“, erzählt Hans Zach, „verfehlen wir uns in Kanada nur knapp“. Der frühere Bundestrainer wird im Juni zum Fischen rüberfliegen, „und Christian hat mir schon Tipps gegeben, was man in Vancouver und Vancouver Island anschauen muss“. Wenn Angler Zach kommt, wird Ehrhoff in Deutschland sein. Als Stanley-Cup-Gewinner - oder höchst ehrenwerter Zweiter.

Günter Klein

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