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Aus der deutschen Nachwuchs- in Schwedens Eliteliga: Dominik Bokk. Auch in der Champio ns League ist er dabei.

„Größtes deutsches Talent nach Draisaitl“

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Dominik Bokk ist 17, er stammt aus Bayern und spielt beim Spitzenreiter der schwedischen Liga. Hat das deutsche Eishockey ihn übersehen?

München– Franz Fritzmeier junior, Eishockey-Trainer aus Bad Tölz, war in den vergangenen zehn Monaten viel unterwegs. Die Krefeld Pinguine hatten ihn beurlaubt, sie mussten ihn aber weiterbezahlen, also machte sich der heute 37-Jährige auf zu Bildungsreisen: Schweden, Finnland, Tschechien, American Hockey League, East Coast League, die amerikanischen College-Ligen. Franz Fritzmeier hat viele Spiele gesehen und viele Spieler. Und auch einen besonderen, auf den nun auch andere aufmerksam werden: Dominik Bokk, Stürmer, 17 Jahre alt, gebürtiger Schweinfurter. Er spielt bei den Vaxjö Lakers. „Tabellenführer in Schweden, der für mich besten Liga Europas“, erklärt Fritzmeier.

Außerdem: Växjö ist auch noch in der Champions Hockey League dabei, im Viertelfinale, das keiner der drei deutschen Teilnehmer (München, Mannheim, Wolfsburg) erreicht hat.

Fritzmeier kennt Bokk aus der Zeit, als dieser von Schweinfurt zu den Schülern der Kölner Haie wechselte. Fritzmeier arbeitete damals für Köln. Vorige Saison spielte Bokk in der Deutschen Nachwuchs-Liga, in 45 Partien erzielte er 39 Tore. Den nordamerikanischen Junioren-Klubs fiel diese Bilanz auf – doch Dominik Bokk wählte einen anderen Weg: Er wechselte nach Schweden.

„Da haben seine Berater Klaus Hille und Andrej Trefilow einen guten Job gemacht“, findet Fritzmeier. „In Kanada wird bei den Junioren schon viel gespielt, um die 80 Mal, in Schweden sind Spiel und Training gleich wichtig.“ Das komme Bokk entgegen. Fachkreise sehen in ihm einen künftigen NHL-Crack, im Sommer 2018 wird er wohl gedraftet werden. „Ich tippe, dass man ihn schon in der zweiten Runde zieht“, meint Fritzmeier, „Dominik hat Spielintelligenz, eine unglaubliche Technik, und er ist leichtfüßig“. In Schweden hat er vor vier Wochen erst mit den Trainern der Växjö Lakers gesprochen, sie haben erzählt, dass oft NHL-Scouts da sind. Aber aus Deutschland niemand.

Auch Bundestrainer Marco Sturm kennt Dominik Bokk noch nicht so richtig. Ob der 17-Jährige vielleicht auf seiner Longlist von an die 70 Olympia-Kandidaten stehe? „Nur weil er jetzt mal zwei Tore geschossen hat“, fragt Sturm zurück, „der soll erst mal bei der U 20-WM seinen Job machen“. Spielberechtigt wäre er noch für die U 18.

Franz Fritzmeier kann das verhaltene Interesse Sturms nicht ganz verstehen. „Er ist doch selbst mit 17 gefördert worden.“ Er findet, dass Bokk in der DEL mithalten könnte: „Leute wie Goc, Ehrhoff, Seidenberg, Sturm, die haben in diesem Alter DEL gespielt. Und die Liga ist seitdem nicht besser geworden mit ihrer Schwemme an mittelmäßigen Ausländern.“ Fritzmeier glaubt: „Bokk ist das größte deutsche Talent nach Leon Draisaitl.“ Und der ist ein Star in der NHL.

Möglich, dass zur neuen Saison der Jungstar Bokk umworben werden wird von den großen DEL-Klubs, von Köln, Mannheim, München. Doch Fritzmeier glaubt: „Er wird nicht nach Deutschland wechseln, sondern noch eine Saison in Schweden bleiben.“

„Die Schweden haben ihm einen Profivertrag gegeben und ihn in die erste Mannschaft hochgezogen, obwohl er als Deutscher für ihre Nationalmannschaft keinen Wert hat“, sagt Fritzmeier – schon das sei ein Zeichen der Wertschätzung.

Schweden hat – anders als die Deutsche Eishockey Liga mit elf Kontingentstellen und neun Spielern, die eingesetzt werden dürfen – keine Ausländerbeschränkung, dennoch stammen nur 17 Prozent der Akteure in der SHL nicht aus Schweden (DEL-Ausländeranteil: 46 Prozent). Und einer von ihnen ist ein hochbegabter Deutscher. So jung, dass er noch mit einem Gitter vorm Gesicht spielen muss.

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