Auf dem Eis geht es nun wieder um Punkte (Symbolbild).
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Auf dem Eis geht es nun wieder um Punkte (Symbolbild).

Eishockey

Ein Überblick zum Start der Bayernliga

Am Freitagabend geht sie los, die neue Eishockey-Bayernligasaison. Hier ein Überblick vor dem Saisonstart.

Genau 205 Tage nach dem Saisonabbruch wird die viertklassige Bayernliga als erste Eishockey-Liga in Deutschland den Schritt in den Punktspiel-Betrieb wagen. Am Freitag, 2. Oktober, fällt der Startschuss für die Saison 2020/21. Die Fans dürfen sich trotz der Corona-Auflagen freuen – schließlich gilt die diesjährige Bayernliga als die „vielleicht ausgeglichenste aller Zeiten“.

Die Stars

Prominent besetzt wie selten zuvor sind die Reihen der Bayernligisten. Viele Spieler der Kategorie „DEL2-Veteran“ wollten aufgrund der ungewissen Corona-Lage den Eishockey-Winter möglichst in der Nähe ihrer Familien verbringen. So haben einige Spieler, den „sportlichen Abstieg“ in Kauf nehmend, da angeheuert, wo der Trainingsaufwand oft bedeutend geringer, und die Auswärtsfahrten kürzer sind. Einer ist der Neu-Miesbacher Christoph Fischhaber. Der 32-Jährige ist in der vergangenen Spielzeit für den EV Landshut auf DEL2-Torejagd gegangen und soll nun mit seiner Erfahrung von über 600 Profispielen die Offensive des TEV bereichern. In der Miesbacher „Star-Reihe“ findet sich neben Fischhaber noch Dusan Frosch. Der Deutsch-Tscheche ist 39 Jahre alt, aber auch nach knapp 900 Spielen, davon 354 in der DEL, noch immer für eine ansehnliche Scorer-Quote gut. So eine liefert auch das tschechische Top-Sturm-Duo des EHC Waldkraiburg ab: Josef Straka (42) und Tomas Rousek (27) hatten in der abgelaufenen Saison 99 Punkte (45 Tore/54 Assists) zu Buche stehen. Beim EHC Klostersee spielt Robert Wren – ein 46-jähriger Kanadier, der einst im NHL-Draft von den Los Angeles Kings gezogen wurde. 1993 war das, in Runde vier. Mittlerweile ist Wren Kopf einer routinierten EHC-Mannschaft. Diese Anführer-Qualitäten hat auch Roni Rukajärvi beim ESC Kempten. Bis vor zwei Jahren spielte der Finne noch in seiner Heimat beim Champions-League-Klub „Lahti Pelicans“, ehe er über Bayreuth den Weg ins Allgäu fand. Im Konzert der großen Bayernliga-Namen soll auch ein Schongauer Zugang Erwähnung finden: Roman Tomanek. Der ehemalige slowakische Nationalspieler gewann 2011 den Deutschland-Cup.

Die Favoriten

Auch wenn viele Experten eine sehr ausgeglichene Bayernliga-Saison erwarten, dürfte in Sachen „Aufstieg“ wohl kein Weg am TEV Miesbach vorbeiführen. Die Oberbayern haben viel Zweit- und Drittliga-Erfahrung in ihren Reihen. Und sollte beim Top-Duo Fischhaber/Frosch der Torerfolg ausbleiben, so hat der TEV noch Bohumil Slavicek in der Hinterhand. Er ist einer der torgefährlichsten Bayernliga-Stürmer der vergangenen Saison (26 Tore/18 Vorlagen). Zu den Konkurrenten der Miesbacher gehören neben dem sehr jungen Team des EHC Königsbrunn um Ex-ECP-Keeper Marc-Michael Henne (51 Spiele für Peiting) auch die Kufen-Cracks des EHC Klostersee. Die konnten zuletzt mit der Verpflichtung des ehemaligen dänischen U-Nationalspielers Jesper Pallesen punkten und haben mit Dominik Quintan einen Coach an der Bande, der 14 Jahre jünger als der älteste Spieler im EHC-Kader, Robert Wren, ist. Für eine Überraschung ist auch die „Fahrstuhlmannschaft“ der Bayernliga, der EHC Waldkraiburg, immer gut. Die Verpflichtung von Ex-DEL2-Haudegen Matthias Bergmann (zuletzt in Rosenheim) macht den „Löwen“ Hoffnung, nach einem Jahr Bayernliga zum wiederholten Mal den Oberliga-Aufstieg zu fixieren. Außenseiterchancen werden dem ESC Kempten, den „Gladiators“ des TSV Erding sowie den „Eishacklern“ des TSV Peißenberg eingeräumt. Letztere haben eine starke Vorbereitung gezeigt.

Die Neulinge

Der VfE Ulm/Neu-Ulm, der ESC Kempten und der ERSC Amberg haben in ihren jeweiligen Landesliga-Gruppen überzeugende Vorstellungen geliefert. Der Klassenerhalt ist in Ulm das Ziel. Beim Blick auf den Kader fällt auf: Das Team ist jung, die Zahl der Spieler eher gering. Das sieht beim Aufsteiger-Kollegen aus Amberg schon anders aus. Die Oberpfälzer verfügen über eine gut austarierte Mannschaft, die vor Kurzem erweitert wurde: Liam Blackburn, 24, ist aus der ersten amerikanischen College-Liga nach Amberg gewechselt. Der Kanadier gilt als sehr flexibel einsetzbarer Stürmer mit Potenzial.

Die „Sharks“

Warum die „Sharks“ des ESC Kempten eine eigene Rubrik bekommen? Weil es wohl selten einen ambitionierteren Bayernliga-Aufsteiger gegeben hat. Der Kader kratzt an Oberliga-Niveau, Spieler wie Kaufbeuren-Legende Max Schmidle (über 500 Einsätze im „Jokers“-Trikot), Oberliga-Routinier Lars Grözinger (zuletzt in Herne) oder Kontingentspieler Roni Rukajärvi sind eine Bereicherung für die gesamte Bayernliga. Auch wenn die Vorbereitung ausbaufähig verlief (unter anderem gab’s ein 1:6 gegen Miesbach), ist die Euphorie in Kempten groß wie noch nie. Das hat auch bei einer deutschen Nationalspielerin Eindruck hinterlassen. Torhüterin Jennifer Harß möchte ihren Teil zum langfristigen Ziel, dem Oberliga-Aufstieg, beitragen. Ein Neustart ist das „Projekt Kempten“ auch für zwei ehemalige Spieler des EC Peiting: Lucas Wayne (24) und Maxi Schäffler (28). Beide blieben beim Oberligisten eher glücklos und wollen nun im „Sharks“-Trikot wieder auftrumpfen.

Die Corona-Auflagen

Ja, der Eishockeysport wird in den Ligabetrieb zurückkehren. Die Corona-Pandemie sorgt aber für Neuerungen. So werden sich Vereine, Spieler und auch die Fans zunächst an spärlich besetzte Tribünen gewöhnen müssen. Schließlich darf ein jeder Eishockeyklub nur ein stark limitiertes Kontingent an Tickets zum freien Verkauf stellen. Profitieren werden die Dauerkartenbesitzer. Durch räumlich getrennte Eingänge versucht man vielerorts, die geltenden Abstandsregelungen einzuhalten, im Stadion sollen Pfeile die Fans leiten. Klar, dass auch der Mund- und Nasenschutz nicht fehlen darf. Vor dieser bleiben auch die Schiedsrichter nicht verschont: nur mit Maske dürfen Referees zukünftig in der Drittelpause das Eis in Richtung Kabinen-Trakt verlassen.

von Max Edinger

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