Muppetshow: Die diversen Eishockey-Verbände liegen mal wieder im Clinch. Fotomontage: tf
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Muppetshow: Die diversen Eishockey-Verbände liegen mal wieder im Clinch.

Playoffs werden zur Farce

Aufstiegs-Verbot in der Oberliga?

Peiting - In wenigen Tagen geht die Eishockey-Oberliga-Saison in die heiße Phase. Hinter den Kulissen brennt es derweil schon lichterloh. Weil es womöglich keinen Aufsteiger geben wird, könnten die Playoffs zur Farce werden.

Ja ist denn jetzt schon Sommer? Die Eishockey-Funktionäre brechen heuer mit einer alten, aber unliebsamen Tradition: Statt wie üblich nach der Saison, haben sie schon während der laufenden Spielzeit den ersten Akt im Sommertheater aufgeführt. Aktuell geht es mal wieder um die Aufstiegsfrage. Wer darf, wer will? Die Antwort: Einige wollen, aber keiner darf. Grund ist ein Machtkampf zwischen der Eishockeybetriebs GmbH (ESBG), dem Deutschen Eishockey Bund (DEB) und den Landesverbänden (LEV).

Was steckt hinter dem Machtkampf?

Die 2. Bundesliga will sich als zweite Eishockey-Profiliga oder als Unterbau der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) profilieren. Sie will die Liga (aktuell 13 Mannschaften) auf 14 + x Teams aufstocken und dann schließen. Das heißt: Ein sportlicher Aufstieg eines Oberligisten wäre in Zukunft ausgeschlossen. Man könnte sich lediglich einkaufen. Dagegen wehren sich nun die Drittligisten und wollen kein Team freigeben.

Wie ist der aktuelle Stand?

So genau weiß das keiner. Die Streithansel schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu und sprechen nur noch über Anwälte miteinander. Fakt ist aber: Die ESBG (für die 2. Bundesliga zuständig) hat den Kooperationsvertrag mit dem DEB - ist für die Oberliga Süd zuständig - gekündigt. Seit Januar sind nun auch die Vereinbarungen mit den Landesverbänden, unter deren Dach die anderen Oberligen spielen, hinfällig. Damit versucht sich die Gesellschaft frei von allen Verpflichtungen gegenüber den Oberligisten zu machen. Das wollen die sich freilich nicht bieten lassen. Die Oberliga West hat nun verkündet, man werde einem möglichen Aufsteiger die Freigabe in die 2. Bundesliga verweigern. Alle übrigen Landesverbände haben sich solidarisch erklärt. Im Süden hält man sich bedeckt: „Jetzt spielen wir erst mal die Playoffs und dann sehen wir weiter“, sagt Ligenbeauftragter Oliver Seeliger. Aber: In den aktuellen Durchführungsbestimmungen heißt es: „Für den Aufstieg (in die 2. Bundesliga/die Red.) ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem DEB, den LEV und der ESBG über die Anerkennung des von der ESBG organisierten Spielbetriebs der 2. Bundesliga erforderlich.“ Und die gibt es nunmal nicht. Im Klartext: Die Playoffs werden - gibt es keine Einigung - zur Farce, da die Oberligisten zwar einen Meister ausspielen würden, der dann nicht aufsteigen darf.

Was sagen die Oberligisten?

Der Aufschrei war riesig. Etwa in Frankfurt. Die Hessen haben in dieser Saison nach regulärer Spielzeit noch kein Spiel verloren und ihr Zuschauerschnitt liegt bei über 4000. „Was hier abgeht, ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte Trainer Frank Gentges in der „Frankfurter Rundschau“. „Eigentlich müssten wir mit dem Eishockeyspielen aufhören.“ Ebenso groß ist das Entsetzen beim Ost-Oberligisten Saale Bulls Halle. Vereinspräsident Daniel Mischner: „Es ist ein Wahnsinn. Ich habe gedacht, schon alles erlebt zu haben im Eishockey. Aber es gibt tatsächlich noch neue Horror-Szenarien. Wir sind die Leidtragenden der Machtkämpfe auf Funktionärsebene.“

Von „einer Katastrophe für das deutsche Eishockey“ spricht derweil Gerhard Weyrich, Vorsitzender des EC Peiting. „Das ist nach der verpassten Olympia-Qualifikation der nächste Minuspunkt in der Außendarstellung. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.“ Aus dem „Kuddelmuddel“ wolle man sich aber raushalten. „Ich blicke da mittlerweile eh nicht mehr durch“, sagt Weyrich. Außerdem wisse man nicht, welche Interessen wirklich hinter dem ganzen Ärger stecken. Dennoch wird man in Peiting Ruhe bewahren. „Aufsteiger hin oder her. Wir spielen einen Meister aus, das ist doch etwas“, sagt Weyrich. Den Streihähnen empfiehlt er: „Die sollen sich zusammensetzen und die Sache klären.“

Wie geht es weiter?

Frankfurts Geschäftsführer Stefan Krämer glaubt, dass es für die Verweigerung des Aufstiegsrechts keine Grundlage gibt, da der Kooperations-Vertrag eigentlich noch bis Saisonende läuft. Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ droht er mit dem Gang vors Gericht: „Wir haben gute Anwälte. Wir klagen sie dumm und dusselig.“ Man wolle raus aus der „Muppetshow“.

Die doch etwas arrogante und forsche Haltung kommt aber nicht überall gut an. Weyrich: „Die sollen erst Mal Meister werden, dann können sie den Mund aufreißen.“ Man selbst wolle sich jetzt voll auf die Playoffs konzentrieren, schließlich könne man das Gerangel der Verbände eh nicht beeinflussen. „Wer weiß, was nach der Saison kommt“, sagt Weyrich. „Im Eishockey ist alles möglich.“

Eines ist aber sicher: Es wird ein heißer Sommer.

Thomas Fritzmeier

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