Torjubel des EC Peiting beim Oberliga-Heimspiel.
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Torjubel vor vollen Rängen (hier der EC Peiting) - so wünschen sich das die Eishockey-Vereine in der Oberliga. Erst einmal gilt aber eine Beschränkung.

Eishockey

Die große Vorschau zur Lage in der Oberliga Süd

Die wohl längste Sommerpause der Eishockey-Oberliga Süd endet. Hier eine Vorschau, worauf es in der kommenden Spielzeit zu achten gilt.

Nach fast acht Monaten Pause kehrt die Oberliga Süd zurück auf die Eishockey-Bühne. Aller Widrigkeiten zum Trotz. Hier ein Überblick, was die Fans kommende Saison so erwartet:

Die Stars

Wer sich zuletzt von den prominent bestückten Bayernliga-Reihen beeindruckt zeigte, dürfte beim Blick auf die Oberliga-Kader aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Zahlreiche Spieler mit DEL-Erfahrung geben sich die Ehre. Das ist ein absolutes Novum – und der ungewissen Zukunft der Deutschen Eishockey-Liga geschuldet. Die pausiert nämlich vorerst bis mindestens Mitte Dezember. So kommt es, dass der gebürtige Garmisch-Partenkirchener Marcus Weber (28), Nationalspieler und Defensivchef bei den Nürnberger Ice Tigers, für seinen Ausbildungsverein SC Riessersee aufläuft. Dort trifft er auf Ulrich Maurer. Der steht vor einer besonderen Marke. Nur noch 43 Spiele fehlen dem 35-Jährigen zu seinem 1000. Einsatz als Eishockeyprofi.

Nick Latta (27) trägt zum Saisonstart das Trikot der Blue Devils Weiden. Der Peitinger ist von DEL-Klub Straubing Tigers ausgeliehen. In Weiden trifft er nicht nur auf seinen Vater Ken, der die „Blue Devils“ trainiert, sondern auch auf seinen jüngeren Bruder Louis (22), zuletzt in der DEL2 bei Kaufbeuren aktiv.

Bei den Selber Wölfen freut man sich auf die Auftritte von Marius Möchel. Der 29-Jährige kommt mit der Erfahrung von 432 Erstligaspielen von den „Grizzlys“ aus Wolfsburg zu den „Wölfen“. Die Oberfranken haben aber ohnehin eine Off-Season hinter sich, die es in sich hatte. Neben Möchel wechselten auch Defensivspezialist Lukas Slavetinsky (kam aus Sonthofen), und der amtierende „Oberligaspieler des Jahres“ Brad Snetsinger nach Selb. 93 Scorerpunkte hat der 33-jährige Kanadier vergangene Saison für den ECDC Memmingen gesammelt.

Die Favoriten

Was die Prognosen in den vergangenen Jahren (2018/19 SC Riessersee, 2019/20 Deggendorfer SC) angeht, wurden die Teams ihrem Status nicht gerecht. Ändern möchten das die „Starbulls“ aus Rosenheim. Für die Experten ist der Kader der große Trumpf der Oberbayern. In keinem anderen Team findet sich ein annähernd guter Mix aus Jung und Alt. Da wären die Routiniers um Alex Höller (36) und Michael Baindl (34). Dazu kommen Youngsters wie das erst 19-jährige Torhüter-„Supertalent“ Jonas Stettmer, das in Ingolstadt bereits neun Einsätze als DEL-Keeper zu Buche stehen hat. Und mit den Verpflichtungen der beiden Kontingentspieler Curtis Leinweber (32) und Kyle Gibbons (29) bewiesen die „Starbulls“ ein gutes Händchen auf dem Transfermarkt.

Nicht zu unterschätzen sind auch die „Eisbären“ aus Regensburg, die die vergangene Spielzeit als Erster beendet haben. Frei nach dem Motto „Never change a winning team“ haben es die Oberpfälzer im Sommer ruhig angehen lassen. Unter der Regie des torgefährlichen Duos Nikola Gajovsky (33) und Richard Divis (35) möchte das sonst junge „Eisbären“-Team (Altersdurchschnitt 25 Jahre) seinen Titel gerne verteidigen.

Potenzial zum Favoritenschreck haben nach der fulminanten Transferoffensive die Selber Wölfe, ebenso wie der Deggendorfer SC. Der muss allerdings bis auf Weiteres auf Thomas Greilinger (249 Erstliga-Treffer) verzichten. Eine nicht genauer bestimmte Erkrankung hat den 39-Jährigen vorerst aus der Bahn geworfen.

Die Neulinge

Zwei Aufsteiger mischen 2020/21 in der Oberliga Süd mit: die „Black Hawks“ vom EHF Passau und die „Riverkings“ vom HC Landsberg. Für viele Fans des EC Peiting wecken die Duelle mit den Landsbergern sicherlich so manche Erinnerung. Ab Mitte der 1990er Jahre gehörten Spiele zwischen dem EVL (EV Landsberg, der Vorgängerverein des heutigen HC) und dem ECP zum Oberliga-Stammrepertoire. Während die Peitinger konstant die Klasse hielten, hatten die Lechstädter immer wieder mit anderen Sorgen zu kämpfen: kein Geld, keine Spieler, Zwangsabstieg. Fast zehn Jahre liegt das letzte Aufeinandertreffen in der Oberliga zurück. Auf dem Papier scheint nicht viel für spannende Begegnungen zu sprechen. Das HCL-Team ist sehr unerfahren (Altersdurchschnitt 24 Jahre), neun „Riverkings“-Spieler fallen unter die U21-Grenze. Große Namen. Fehlanzeige. Selbst Kontingentspieler Hayden Trupp (28, USA) spielte bisher nur in der Bayernliga.

Anders sieht es in Passau aus. Die „Black Hawks“ profitierten dabei vom wohlgepflegten Zusammenhalt der niederbayerischen Eishockey-Vereine. So wechselten in Mitchell Heard (28) und Sean Acolatse (29) gleich zwei DEL-Cracks von den Straubing Tigers nach Passau. Dazu kommen zwei ehemalige Peitinger. Defensivspezialist Milos Vavrusa, der von 2007 bis 2012 das ECP-Trikot trug, steht auch mit 42 Jahren noch auf dem Eis. Hinter der Bande hat der Ex-Peitinger Ales Kreuzer (38) das Sagen. Ihm gelang mit 158 Scorerpunkten in 89 ECP-Spielen (zwischen 2008 und 2010) der große sportliche Durchbruch, der den Deutsch-Tschechen letztlich bis in die DEL2 zu Bremerhaven führte.

Die Corona-Lage

Bei aller Freude über den Saisonstart ist auch klar, die Corona-Pandemie steht weiterhin über allem. Nicht Zuschauer, sondern Hygienekonzepte prägen das Bild. Wie schnell ein Team außer Gefecht gesetzt werden kann, mussten einige Mannschaften schon in der Saisonvorbereitung erfahren.

Gemessen an der Anzahl an Infektionen hat es dabei die „Blue Devils“ aus Weiden am härtesten getroffen: 15 positiv getestete Spieler hatten sie in ihrem Team. Vorsichtshalber wurde der gesamte Spielbetrieb auch im Nachwuchsbereich stillgelegt. Ähnlich erging es den Memminger Indians. Aufgrund mehrerer Infektionen hatten sie nur ein Testspiel. Am 16. Oktober gegen Riessersee. Wenige Tage später berichtete auch der SC von positiven Corona-Befunden. Erst seit Wochenbeginn dürfen die Riesserseer wieder trainieren.

VON MAX EDINGER

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