Vergangene Saison spielte Markus Schweiger noch im Trikot des EC Peiting. Im Dezember vertritt er die deutschen Farben in Kanada.
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Vergangene Saison spielte Markus Schweiger noch im Trikot des EC Peiting. Im Dezember vertritt er die deutschen Farben in Kanada.

EISHOCKEY

Opfer bringen für den großen Traum - Maximilian Glötzl und Markus Schweiger sind im vorläufigen U20-WM-Kader

  • Phillip Plesch
    vonPhillip Plesch
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  • Roland Halmel
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Der Traum von einer Weltmeisterschaft könnte sich für Maximilian Glötzl und Markus Schweiger im Dezember erfüllen. Dafür müssen sie aber auch Opfer bringen.

Peiting – Für Maximilian Glötzl und Markus Schweiger steht der nächste Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere an. Die beiden Peitinger sind von U20-Bundestrainer Tobias Abstreiter für den vorläufigen Kader der deutschen U20-Eishockey-Nationalmannschaft nominiert worden, die bei der A-Weltmeisterschaft der Junioren die deutschen Farben vertreten soll. Die WM beginnt am 25. Dezember im kanadischen Edmonton. Für Glötzl und Schweiger startet das Abenteuer schon heute mit einem Corona-Test.

„Ich bin natürlich wahnsinnig glücklich über die Nominierung. Es ist eine Riesen-Ehre, die Nationalmannschaft vertreten zu dürfen“, sagt Schweiger. Der 18-Jährige spielte bis zur U16 beim EC Peiting, ehe er zum ESV Kaufbeuren wechselte. Dort läuft der Stürmer für die U20 in der DNL und für die erste Mannschaft in der DEL2 auf. Vergangene Saison trug er mit einer Förderlizenz ausgestattet für drei Oberliga-Spiele nochmals das Peitinger Trikot.

Als nicht selbstverständlich sieht Maximilian Glötzl seine Nominierung für den vorläufigen Kader. Er spielte ebenfalls bis zur U16 beim ECP und wechselte dann zu den Kölner Haien. Dort steht der Verteidiger heute noch unter Vertrag und ist per Förderlizenz für den EC Bad Nauheim in der DEL2 aktiv. Glückwünsche möchte der 18-Jährige aber noch nicht entgegennehmen, denn vier Spieler werden vor Turnierbeginn noch aus dem 27er-Kader gestrichen – zwei Verteidiger und zwei Stürmer. „Der endgültige Cut wird in Edmonton vorgenommen. Vor WM-Beginn müssen sich die vier Spieler wieder auf die Heimreise begeben“, berichtet Glötzl. „Das wird für die Betroffenen hart.“

Harter Konkurrenzkampf um die Plätze

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Sollte der Corona-Test heute negativ ausfallen, geht es für die beiden Peitinger und ihre Teamkollegen am 6. Dezember ins Bundesleistungszentrum nach Füssen. Dort findet unter strengen Hygienemaßnahmen der erste Teil der Vorbereitung statt. „Die Spieler und Offiziellen bewegen sich nur im Bundesleistungszentrum und Hotel. Elternbesuche oder Zuschauer beim Training sind nicht erlaubt“, erklärt Glötzl. Schade für ihn, denn es wäre die Gelegenheit gewesen, seine Eltern und Großeltern nach langer Zeit mal wieder zu sehen. „Facetime ersetzt auf Dauer keinen persönlichen Kontakt.“

So liegt der Fokus noch mehr auf dem Sportlichen. „Ich denke, es wird eine sehr harte und anstrengende Vorbereitung“, mutmaßt Schweiger. „Mit Sicherheit wird jeder heiß darauf sein, sich in der Vorbereitung bestmöglich zu präsentieren und Gas zu geben, um sich einen guten Platz zu erkämpfen.“ Aus Erfahrung spricht Glötzl, der alle Nachwuchsteams des Bayerischen Eissportverbands (BEV) und Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) durchlaufen hat: „Die Konkurrenz ist hart und es ist eine beständig gute Leistung gefordert, um am Ende im Team zu sein.“

Von Peiting nach Köln ging es für Maximilian Glötzl (hier bei einem Spiel der Junghaie vergangene Saison).

Mit allen Spielern des vorläufigen Kaders und in einem Flugzeug mit dem Schweizer Team geht es am 13. Dezember von Zürich aus nach Edmonton – drei negative Corona-Tests vorausgesetzt. „Anderenfalls ist der Traum von der WM schon vor dem Abflug ausgeträumt“, sagt der Peitinger. In Kanada angekommen, begibt sich der deutsche Tross fünf Tage in Selbstisolation – weitere Corona-Tests inklusive. „Die kanadische Organisation ist sehr bemüht, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Während der fünftägigen Isolationsphase in Einzelzimmern erhalten wir vier Mahlzeiten direkt auf das Zimmer“, erzählt Glötzl. „Es werden Hilfsmittel für Fitnessübungen in den Zimmern bereitgestellt, um vor der großen Belastung in den Spielen aktiv bleiben zu können.“ Erst nach den fünf Tagen dürfen die Teams das ganze Stockwerk im Hotel nutzen. Von den anderen Nationen sind sie aber weiter abgeschnitten.

Leben und spielen in der „Bubble“

Das Mannschaftstraining am Wettkampfort wird wahrscheinlich am 18. Dezember aufgenommen. In Edmonton stehen am 21. Dezember gegen Österreich und am 23. Dezember gegen Tschechien zwei Testspiele auf dem Programm. In der Gruppe A trifft die deutsche Auswahl auf Gastgeber Kanada, die Schweiz, Slowakei und Finnland. Einen Absteiger wird es infolge der Corona-Pandemie (alle Turniere der unteren Gruppen wurden abgesagt) nicht geben. Die Mannschaften können also befreit aufspielen. „Mal sehen, ob wir mit dem diesjährigen Team überraschen können“, sagt Glötzl.

In Kanada werden sich die Nachwuchs-Eishockeyspieler in einer sogenannten „Bubble“ bewegen. Das heißt, abgeschottet von allem, was nicht unmittelbar mit dem Turnier zu tun hat. Aufhalten dürfen sie sich nur im Hotel und in der Eishalle, dem „Rogers Place“. „Natürlich bin ich schon sehr gespannt, wie alles ablaufen wird“, sagt Schweiger. Einen kleinen Vorgeschmack mit täglichen Tests und Isolation habe er in Kaufbeuren aktuell schon mitbekommen. „Trotzdem bin ich überzeugt, dass es in Kanada ein tolles Erlebnis wird – auch in der besonderen Form.“

Dazu kommt, dass die Spieler Weihnachten und die Feiertage nicht mit ihren Familien verbringen können – für viele das erste Mal. „Natürlich ist es nicht so prickelnd, aber gut, das ist nun Teil meiner Arbeit und für einen Nachwuchsspieler ist die U20-WM in Kanada natürlich ein Traum, den nicht jeder erfüllt bekommt“, sagt Glötzl. „Ich bin gerne bereit, für diesen Traum ein Opfer zu bringen. Wer weiß, ob so eine Gelegenheit noch einmal kommt.“ Mit einer erfolgreichen WM haben die Spieler zudem die Chance, sich selbst das schönste Geschenk zu machen.

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