Passt: Nick Latta steht seit drei Jahren für die Sarnia Stings in Kanada auf dem Eis.

Serie: Auswärtsspiel mit Nick Latta

Teamspieler mit Luxusausstattung

Peiting - Seit drei Jahren jagt Eishockeyspieler Nick Latta in Kanada seinem Traum hinterher, verzichtet dafür sogar auf viel Geld. Ein Jahr will er noch bleiben - mindestens. Ein Besuch beim Heimatbesuch.

Vergangene Saison hat Nick Latta mal wieder die Nummer gewechselt. Zum dritten Mal in drei Jahren. Er trägt jetzt die 19. Sein Vater Ken, ein ehemaliger Eishockey-Profi, hatte die gleiche Rückennummer. Das hat Latta letztens dem Moderator einer lokalen TV-Show verraten. Und dass die 14, seine Lieblingsnummer, schon vergeben war, und die 78, die er davor hatte, irgendwie kein Glück gebracht hat. In Sarnia, einer mittelgroßen Stadt im Süden Kanadas, wo der Peitiger seit drei Jahren lebt, liebt man solche Geschichten, berichtet auch schon mal im Fernsehen darüber. Latta ist dort eine kleine Berühmtheit, spielt mit dem heimischen Eishockeyteam, den Stings, regelmäßig vor mehreren tausend Zuschauern. „Eishockey hat hier einen höheren Stellenwert. Man ist etwas Besonderes“, sagt der Stürmer.

Auswärtsspiel

Unter der Rubrik „Auswärtsspiel“ berichten wir in loser Folge über Sportler, die außerhalb des Landkreises aktiv sind.

Latta, 19, breite Schultern, Kurzhaarschnitt, halb Bayer, halb Kanadier, ist eigentlich keiner, der ins Rampenlicht drängt, sich wichtig macht. Wenn man seinen Namen bei Youtube eingibt, findet man Prügeleien, harte Checks. Szenen eines Arbeiters. Kunststückchen sucht man vergebens. Aber die Videos verraten nur die halbe Wahrheit. Denn Latta kann auch den tödlichen Pass spielen, Spiele entscheiden. Man könnte ihn als Teamspieler mit Luxusausstattung bezeichnen. Er ist einer wie Fußballer Javier Martinez beim FC Bayern. Still, manchmal unauffällig, aber enorm wertvoll. Nicht umsonst legte der FCB vergangene Saison 40 Millionen für den Spanier auf den Tisch.

Gehalt gibt es ein paar hundert Dollar

Von derlei Fabelbeträgen ist Latta, der in Peiting die ersten Schritte mit Schlittschuhen machte und später für die DNL-Mannschaft des SC Riessersee spielte, freilich weit entfernt. In der Ontario Hockey League (OHL), eine der drei großen Nachwuchsligen in Kanada, in der Latta spielt, bekommen die Spieler ein paar hundert Dollar Taschengeld im Monat. Man spielt um die Ehre - und seine Zukunft. „Mein Traum ist immer noch die National Hockey League, die beste Liga der Welt“, sagt er. Deshalb ist Latta in Kanada. Er möchte sich selbst ins Schaufenster stellen, sich zeigen, sich beweisen.

Die vergangene Spielzeit sei allerdings eher durchwachsen verlaufen. „Ich hatte Anlaufschwierigkeiten, keine Ahnung warum.“ Erst in Russland, bei der U 20-Weltmeisterschaft, habe er zu seiner Form gefunden. Mit dem deutschen Nachwuchsteam schaffte er den Klassenerhalt in der Elite-Gruppe. „Das war ein Erfolg“, sagt er.

Zurück in Kanada blieb ihm nicht mehr allzu viel Zeit, um sich wieder in den Vordergrund zu spielen. Sein Team scheiterte bereits in der ersten Runde der Playoffs, die Saison war früh zu Ende. „Wir hatten die richtige Einstellung. Aber der Gegner war sehr stark.“

Schulabschluss per Laptop

Nach der Saison ging es zurück in die Heimat. Die Sommermonate verbringt der 19-Jährige traditionell zuhause in Peiting, chillt, zockt, trainiert zwei Mal täglich. „Danach hat man nicht mehr allzu viel Energie für große Unternehmungen.“ Nebenbei bastelt er noch an seinem Highschool-Abschluss. „Das erledige ich über das Internet“, sagt er.

Im Herbst will Latta ein Studium beginnen, ein paar Kurse besuchen. „Damit ich nicht total verblöde“, sagt er und grinst. Welche Richtung? „Keine Ahnung. Mal schauen, was sich ergibt.“

Nächstes Ziel: Die American Hockey League

Sportlich hat sich Latta hingegen schon festgelegt. Er wird noch mindestens ein Jahr in Kanada bleiben, weiter seine Chance suchen. Angebote aus Deutschland hat er bisher immer abgelehnt und wird es auch in diesem Sommer machen. „Ich spiele in der kommenden Saison wieder für Sarnia, möchte mich für die American Hockey League (die zweite Liga in Nordamerika, die Red.) empfehlen“, sagt er.

Seine Nummer wird er heuer übrigens behalten. Das Fernsehen wird aber bestimmt einen anderen Grund finden, um über ihn zu berichten.

Thomas Fritzmeier

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