Gemeinsam in der DEL: Marco Habermann (links) und Bernhard Ebner, beide Ex-Spieler des EC Peiting.

Serie: Auswärtsspiel (Teil 2)

Ziemlich beste Freunde im Sturm auf die DEL

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Peiting/Ingenried - Bernhard Ebner und Marco Habermann zogen gemeinsam aus, um die Eishockeywelt zu erobern. Doch während der eine zu einem wahren Höhenflug abhebt, landet der andere auf der Intensivstation. Eine Geschichte über Freundschaft – und ein bisserl Eishockey.

Auswärtsspiel

Unter der Rubrik "Auswärtsspiel" berichten wir in loser Folge über Sportler, die außerhalb des Landkreises aktiv sind.

Bernhard Ebner (22) wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Fünf, vielleicht sechs Tage hatte er seinen WG-Kumpel Marco Habermann nicht gesehen. Sie waren über Weihnachten daheim gewesen, er bei seiner Familie in Ingenried, Habermann nur ein paar Kilometer weiter in Peiting. Heimaturlaub. Nun waren sie am Münchner Flughafen verabredet, wollten zurück nach Düsseldorf fliegen, weiter an ihrer Karriere in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) basteln. Doch beim Anblick Habermanns verschlug es ihm die Sprache. Dünn, fast schon abgemagert, kam sein Mitbewohner daher. „Als ich ihn gesehen habe, habe ich gedacht: Was ist denn hier los?“, erinnert sich Ebner.

Nicht einmal 24 Stunden später liegt Marco Habermann auf der Intensivstation einer Düsseldorfer Klinik. Schwächeanfall. Bei einer Untersuchung wird ein Blutzuckerspiegel von 800 gemessen. Normal sind 100 bis 120. „Weil ich in der kurzen Zeit auch 15 Kilo abgenommen hatte, hätte ich eigentlich im Koma liegen müssen“, sagt der 22-Jährige. Kurz darauf folgt die niederschmetternde Diagnose: Diabetes. Habermanns Saison ist vorbei. Sein bisheriges Leben auch.

Beste Freunde halten zusammen

Fünf Tage bleibt der Stürmer auf der Intesivstation, hofft, bangt. Er wird wieder Eishockey spielen können, das haben ihm die Ärzte versichert. Nur nicht sofort. Ein paar Monate würde er sich gedulden, erholen müssen, haben sie gesagt. Trost spendet ihm seine Freundin Lena. Und natürlich Bernhard Ebner, der seinem Freund in dieser schweren Zeit zur Seite steht, ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht. „Bernie war immer für mich da“, sagt Habermann.

Nach dem Krankenhausaufenthalt reist der Stürmer zurück nach Peiting. Im Kreis der Familie soll er Kraft tanken, sich mit der neuen Situation zurechtfinden. Einen Monat bleibt er daheim, nimmt an einer Diabetes-Schulung in Murnau teil, lernt, was er essen darf, was gut für ihn ist und was nicht.

Im Februar geht es zurück nach Düsseldorf. Habermann will zur Mannschaft, ein Teil des Teams sein. Er reist mit zu Auswärtsspielen, kommt zu den Trainings, obwohl er noch weit von einem Comeback entfernt ist. Er will einfach dabei sein, egal wie. „Das war wichtig für mich“, sagt er. „Alle haben mich unterstützt, mir Mut gemacht.“

Abseits der Eisfläche bleibt WG-Partner Ebner sein wichtigster Ansprechspartner. Gemeinsam stellen sie die Ernährung um, gehen einkaufen, verbannen alle gefährlichen Lebensmittel aus dem Kühlschrank. „Bernie hat sich voll reingehängt, war eine große Hilfe für mich“, sagt Habermann. „Im Ernstfall schmeiße ich ihm einfach eine Cola ins Gesicht“, entgegnet Ebner. Heute kann er darüber lachen.

Bernhard Ebner erlebt einen wahren Höhenflug

Überhaupt hat Ebner eigentlich allen Grund, mit einem Lächeln auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken: Denn parallel zu Habermanns Leidensgeschichte erlebt der Verteidiger einen wahren Höhenflug. Er etabliert sich als Stammspieler, wird Nationalspieler und am Ende der Spielzeit sogar noch zum besten Neuling (Rookie) der DEL gekürt.

Ebner rollt mit den Augen, wenn man ihm seine Erfolge der vergangenen zwölf Monate aufzählt. „Am Ende sind wir als Mannschaft Letzter geworden“, entgegnet er dann trocken. „Das stört mich.“ Er persönlich habe einfach Glück gehabt, in einer schwachen Mannschaft viel Eiszeit bekommen. „Ich habe viel gespielt, aber auch oft schlecht“, sagt er. Seinen starken 26 Scorerpunkten hält Ebner „gefühlte minus 180“ in der Plus/Minus-Statistik (siehe Kasten) entgegen. In Wahrheit sind es minus neun. Seine neun Länderspiele – unter anderem bei der gescheiterten Olympia-Quali – nennt Ebner eine schöne Erfahrung, zu der ihm aber das Verletzungspech einiger Kollegen verholfen habe. „Sonst hätte ich mir das Ganze zuhause im Fernsehen angeschaut.“ Als sich sein Trainer Christian Brittig angesichts der famosen Statistiken des Verteidigers sogar zu der Aussage hinreißen ließ, er traue seinem Schützling den Sprung in die nordamerikanische Profiliga NHL zu, kommentierte Ebner ganz nüchtern: „Ich schaue von Jahr zu Jahr, will mich verbessern, besser spielen.“

Zurückkehren und Durchstarten

In der kommenden Saison wird Ebner nicht in die USA verschwinden, er hat auch „attraktive Angebote anderer Clubs“ abgelehnt und stattdessen in Düsseldorf verlängert. „Das Umfeld ist schön. Außerdem ist es das Beste für meine Entwicklung, wenn ich bei der DEG bleibe.“

Und auch Habermann wird an den Rhein zurückkehren und versuchen, durchzustarten*. Knapp sieben Monate nach dem dramatischen Vorfall ist – zumindest äußerlich – von seiner Krankheit nichts mehr zu sehen. Habermann wirkt fit, austrainiert. Sein T-Shirt spannt an Schultern und Oberarmen, aus der kurzen Hose ragen wuchtige Oberschenkel. „Ich bin voll im Saft und will unbedingt aufs Eis. Ich habe seit einer Ewigkeit kein Spiel mehr gemacht“, sagt er.

Ob Ebner und Habermann wieder in eine WG ziehen, steht noch nicht fest. „Mal schauen“, sagen sie und schmunzeln. An Weihnachten werden sie aber bestimmt wieder Heim fliegen und auch wieder zurück nach Düsseldorf. Diesmal hoffentlich ohne Schwächeanfall.

Thomas Fritzmeier

* Nach Entstehung dieser Geschichte wurde bekannt, dass Marco Habermann seinen Vertrag in Düsseldorf doch nicht verlängert hat. Dem Angreifer war nur ein Aufbauvertrag angeboten worden. Er befindet sich in Gesprächen mit einem "hochklassigen Verein".

Hier finden Sie die erste Folge "Auswärtsspiel" mit Nick Latta

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