„Viele Kleinigkeiten sind schlecht gelaufen“: Alexander Stolberg, Vorsitzender des EHC Klostersee. foto: stefan rossmann

EHC-Präsident: Bayernliga ist kein Thema

Grafing - Der Vorsitzende des EHC Klostersee, Alexander Stolberg, zieht im Interview mit der Ebersberger Zeitung Stellung zur Lage der Eishockey-Oberligamannschaft.

Zum Jahreswechsel stehen in vielen Bereichen Klausurtagungen an. Nicht nur in der Politik. Beim EHC Klostersee fiel die Zusammenkunft ein paar Nummern kleiner aus, die Vorstandschaft traf sich für eine Bilanz beim „Stamm-Italiener“. Mit im Vordergrund stand dabei die sportliche Situation des Grafinger Eishockey-Teams in der Oberliga Süd. EHC-Präsident Alexander Stolberg gab gegenüber der Ebersberger Zeitung einen Einblick.

EZ: Wie sieht man in der Klubführung die aktuelle sportliche Situation?

Alexander Stolberg: Auch wir sind damit natürlich nicht zufrieden. Sport ist freilich nicht berechenbar und, um es vorwegzunehmen: Ohne eine bestimmte Summe, die wir nicht haben, können wir kurzfristig daran auch nicht viel ändern. Viele zumeist Kleinigkeiten sind in den letzten Wochen schlecht gelaufen, die dann in der Summe zu Platz zehn führten.

EZ: Was sind nach Meinung des Vorstands die Probleme, weshalb man dem Saisonziel drei, vier Tabellenplätze hinterher läuft?

Stolberg: Da sind leider viele Dinge zusammengekommen, die negativ gelaufen sind und in den letzten Wochen zumeist schon ausreichend kommuniziert wurden. Wie etwa die Situation mit Tuomainen, Ast und wirklich übermäßig vielen Verletzten. Dazu können eben die Ausländer ihre Rolle als Lokomotive des Teams leider zu selten ausfüllen. Wie wir wissen, steht und fällt damit die ganze Mannschaft, insbesondere wenn du mal hinten drin hängst. Natürlich wird auch uns im Vorstand vor Augen geführt, dass wir künftig versuchen müssen, unsere Hausaufgaben bei der Planung noch besser zu machen.

EZ: Was heißt das genau?

Stolberg: Das betrifft in erster Linie die Zusammenstellung des Teams, wobei natürlich vieles einfach von den finanziellen Möglichkeiten abhängig ist. Das heißt für uns, einen halbwegs brauchbaren Etat aufzustellen, um einigermaßen eine Rolle spielen zu können. Leider ist es zunehmend schwer, Sponsoren bei der Stange zu halten, geschweige denn neue hinzu zu gewinnen.

EZ: Mit die meisten Gegentore in der Liga sprechen für eine öfter instabile Defensivleistung.

Stolberg: Wir haben eine insgesamt eher junge Truppe, insbesondere auch in der Hintermannschaft fehlt uns da oft die Routine und Abgeklärtheit. Das war uns schon vor der Saison klar. Und es ist auch nicht so, dass wir nicht versucht hätten, etwas daran zu ändern. Nur sind erfahrene deutsche Verteidiger rar gesät und praktisch jeder Ober- und Zweitligist sucht danach. Das hebt beim geringen Angebot schon mal die Preise erheblich. Mit dem nötigen Kleingeld ist die Lage trotzdem schon schwierig, geschweige denn mit extrem beschränkten Mitteln. Da war die nun erfolgte Verpflichtung von Marinus Kritzenberger fast ein Glücksfall, wobei uns zum jetzigen Zeitpunkt auch gleich die Bindung für die nächste Saison wichtig war.

(...)

EZ: Sie haben den sechsten Platz angesprochen. Um den buhlen derzeit Teams wie Selb oder Landshut, die auf überwiegend Profis setzen und bekanntermaßen keinen billigen Kader unterhalten.

Stolberg: Das ist richtig und zeigt objektiv auch, wie schwierig die Situation wirklich ist und wie perfekt bei uns alles laufen müsste, um da einzugreifen. Dennoch denke ich, dass diese Mittelfeldregion in der Oberliga Süd unser Ziel auch in den nächsten Jahren bleiben muss. Mehr allerdings wird mit den im Vergleich zur Konkurrenz eben bescheidenen Mitteln und nicht dem Unterbau wie etwa in Bad Tölz, Peiting oder Regensburg kaum mehr machbar sein. (...)

EZ: Vielfach wird im Umfeld derzeit argumentiert, man sei mit den Rahmenbedingungen in Grafing eine Klasse tiefer in der Bayernliga besser aufgehoben und könnte sich das eher „leisten“. Wie ist Ihr Standpunkt dazu?

Stolberg: Ich habe dazu eine ganz klare Meinung. Erstens: Die Bayernliga ist keinesfalls wesentlich günstiger. Man würde sich konkret einen ausländischen Profi sparen. Ansonsten sind die Rahmenbedingungen annähernd identisch. Zweitens, und das ist noch viel wichtiger: Für junge Spieler und den Nachwuchs wäre die Bayernliga keine echte Perspektive. Viele Talente würden den Verein verlassen oder gar nicht zu uns wechseln. Und schließlich würde sich noch die Frage stellen, mit welchem Ziel man denn da spielen solle. Klassenerhalt? Wer würde denn das sehen wollen?

EZ: Wie geht man in der Vorstandschaft mit der Kritik und den „Forderungen“ in den sozialen Medien und im EHC-Forum um. Nehmen Sie dazu Stellung?

Stolberg: Wir nehmen jegliche Kritik ernst und wenn diese sachlich vorgebracht wird, nehmen wir dazu Stellung. Teilweise auch im direkten Dialog mit dem Kritiker. Aber ich darf auch um Verständnis bitten, dass wir nicht jede Äußerung kommentieren können. Kritik ist gut und schön. Aber was unsere Jungs jetzt brauchen, sind Fans, die zu ihnen stehen, sie bei den Spielen unterstützen und anfeuern. Alles andere kommt nach der Saison. ele

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