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Pat Cortina will nicht nur Kanonenfutter sein

EHC: Identifikation ist Trumpf - Kapitänsfrage entschieden

München -­ Drei gebürtige Münchner, fünf weitere waschechte Bayern und ein Rekordspieler: AufsteigerEHC München setzt in seiner ersten Saison in der DEL auf Identifikation und personelle Kontinuität.

In ihrem ersten Spiel gastieren die Münchner am Freitag bei Mitfavorit Adler Mannheim, am Sonntag empfangen sie die Iserlohn Roosters. Die Kapitänsfrage ist nun auch entschieden: Stephane Julien soll das Team mit seiner Erfahrung führen.

Die Vorbereitungsphase sorgte für Zuversicht, dass die Mannschaft von Trainer Pat Cortina nicht zum “Kanonenfutter“ wird. Mit Vizemeister Augsburg und Straubing wurden zwei künftige Ligakonkurrenten geschlagen, gegen Meister Hannover verlor das Team nur mit 1:2 nach Penaltyschießen. Acht der insgesamt zehn Testspiele gegen nationale und internationale Gegner wurden gewonnen. Von den neun Neuverpflichtungen schlugen vor allem die Kanadier Eric Schneider (Frankfurt), Jordan Webb (Kaufbeuren), Ryan Ready (Iserlohn) und Ulrich Maurer (Augsburg) ein.  

Ansonsten vertraut der EHC weitgehend dem Team der Vorsaison, das das Double aus Zweitliga-Meisterschaft und DEB-Pokal gewann. “Es ist ein Risiko, mit 15 Spielern aus der Zweiten Liga in die DEL zu gehen. Aber die Spieler haben nach den Leistungen in der Vorsaison unser Vertrauen verdient“, sagt EHC-Boss Jürgen Bochanski.

Vor allem die Weiterverpflichtungen der Torhüter Sebastian Elwing und Jochen Vollmer sorgten in Fachkreisen für Verwunderung. Während bei der Ligakonkurrenz erfahrene Importe aus Kanada oder Nationalspieler zwischen den Pfosten stehen, haben Vollmer und Elwing gerade einmal 17 und 9 DEL-Einsätze auf dem Buckel. Fast ihre kompletten Karrieren verbrachten die beiden 30-Jährigen in unteren Ligen.

Torhüter-Legende und Co-Trainer Peppi Heiß ist jedoch überzeugt, dass es beide in der DEL packen: “Früher haben sie mit den Feldspielern trainiert, seit einem Jahr werden sie von mir individuell geschult“. Mit nur 1,97 (Elwing) bzw. 1,83 Gegentoren (Vollmer) pro Spiel hatten die EHC-Goalies großen Anteil am Aufstieg. Heiß: “Warum sollten wir ihnen also einen ausländischen Torhüter vor die Nase zu setzen?“ EHC-Urgestein Vollmer (seit 2002 in München) schrieb zudem Geschichte: Als erster Spieler im deutschen Eishockey schaffte er mit ein und demselben Verein den Durchmarsch aus der vierthöchsten Spielklasse (Bayernliga, Saison 2002/03) in die DEL.

Die beiden Torhüter sollen ebenso wie die gebürtigen Münchner Patrik Vogl, Christian Wichert und Philipp Quinlan und die fünf weiteren waschechten Bayern für Identifikation beim Publikum sorgen. Auch daran mangelte es EHC-Vorgänger München Barons, einem fast ausschließlich aus Nordamerikanern bestehenden Retortenteam von US- Investor Philip Anschutz, das zwischen 1999 und 2002 im Olympiapark spielte, ehe es mangels Zuschauerinteresse nach Hamburg weiterzog.

Die Ziele des Eishockey-Clubs beschreibt Manager Christian Winkler wie folgt: “Im ersten Jahr wollen wir uns in der Liga etablieren, im zweiten um die Playoffs der besten zehn Mannschaften mitspielen, und im dritten Jahr wollen wir sie erreichen“. Finanzielle Sorgen hat man beim EHC nicht, obwohl das 43 Jahre alte Eisstadion in Sachen Vermarktung und Hospitality längst nicht mehr zeitgemäß ist. Boss Bochanski und die Mitgesellschafter Waldemar Jantz und Michael Phillips besorgen das Gros des Etats, der sich mit 3,5 Millionen Euro am unteren Ende der Liga bewegt.

Dino Reisner

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