+
Bisher blau angehaucht: Der EHC München. Die Fan-Choreographie kürzlich in der Olympiahalle war in den Traditionsfarben gehalten. 

Ist der EHC München Red oder Blau?

  • schließen

Durch die Hallenpläne ist der Münchner Eishockeyklub ins Spannungsfeld zwischen FC Bayern und TSV 1860 geraten.

Von Günter Klein

München– Am Freitagabend verlor der EHC München (Eishockey) überraschend sein Heimspiel gegen Bremerhaven, parallel dazu lief das Spiel des FC Bayern München (Fußball) in Freiburg. Die Cracks des EHC waren rechtzeitig fertig, um in der Kabine noch das Siegtor von Robert Lewandowski mitzubekommen.

Was sie nicht sahen: In der Fankurve des FC Bayern wurde in Freiburg ein Banner hochgehalten, auf dem Eishockey vorkam. „Keine Halle mit RB!“ stand darauf. Die „Schickeria“, der Ultra-Fanclub, protestierte gegen die Pläne von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Red-Bull-Chef Didi Mateschitz bei der Realisierung der Pläne für eine Multifunktionshalle im Olympiapark zu helfen. Die Bayern würden mit Basketball als langfristiger Mieter einziehen. Zwar meidet die „Schickeria“ Basketballspiele ihres Vereins, doch auch bei denen, die hingehen, regt sich Widerstand. Zuletzt gab es zum Thema zwei sich ergänzende Plakate: „Heimat ist Red (Bull)?“ kombiniert mit „Heimat ist die RSH“. Die Initialen stehen für Rudi- Sedlmayer-Halle, wie der „Audi Dome“ vor der Bayern-Übernahme hieß.

Der EHC München bekommt bei seinen Auftritten in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) öfter hämisch zu hören: „Selbst in München kennt euch keine Sau“, weil er in seiner Stadt klar im Schatten von Fußball (Bayern, 1860) und Basketball steht – doch durch das angestrebte Bündnis seines Eigners Red Bull mit dem FC Bayern bekommt er auf einmal viel Aufmerksamkeit ab.

Wobei sich die Frage stellt: Welche Farbe hat der EHC selbst eigentlich?

Grundsätzlich ist er blau angehaucht. Seinen bis heute unerreichten Zuschauerboom Ende der 80er-Jahre verdankte der damalige Eishockey-Verein, der EC Hedos (seine Pullis und Schals werden in der Nordkurve immer noch aufgetragen) einem Zustrom aus der 1860-Szene, die von den quälenden Bayernliga-Jahren genug hatte. Bindeglied zwischen Hedos und später Barons und EHC ist Stefan Schneider, der Stadionsprecher am Oberwiesenfeld und für die Sechziger in der Allianz Arena. Kürzlich sagte er sein 750. Eishockeymatch an.

Schneider brachte auch Löwen-Akteure dazu, dass sie in die Olympia-Eishalle gehen – sie wurden stets bejubelt. Kamen Bayern, setzte es über viele Jahre Pfiffe – sogar den kreuzbraven Miroslav Klose traf es. Entspannter ging es erst zu, als die Schweinsteiger-Brothers (Bastian ist befreundet mit EHC-Manager Christian Winkler und sagte mal generös zu ihm: „Wenn ich euch helfen kann, sagt es“) kamen. Auch Sebastian Rode und Joshua Kimmich erfuhren Willkommenskultur.

Die Bayern hatten bis 1969 eine Eishockeyabteilung, waren der erste Klub in der Eishalle. Danach riss die Bindung ab. Zusammen kam man erst wieder, als sich die Bayern eine Saison (2010/11) die Olympia-Eishalle mit dem EHC teilten. Übers Eis wurde ein Basketball-Parkett gelegt, zudem brachten die Bayern zwei Videoscreens an, die auch dem damals klammen Eishockeyclub zugute kamen.

Blau ist gefühlt immer noch die Grundfarbe des Münchner Eishockeys. Zu sehen im Wappen des Stammvereins EHC (blau, weiß, gelbes M). Im Logo der DEL-Mannschaft dominieren die roten Stiere. Von blau keine Spur.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz Top-Leistung: Münchner verlieren Spitzenspiel nach Penaltyschießen
Es war das zweite Aufeinandertreffen der beiden Topteams in dieser Spielzeit. Am Ende hatten die Münchner leider das Nachsehen.
Trotz Top-Leistung: Münchner verlieren Spitzenspiel nach Penaltyschießen
Frank Mauer im Interview: Diese Aufgabe wartet daheim auf den EHC-Stürmer
Auf dem Eis ist immer auf ihn Verlass. Und auch daheim wartet eine große Aufgabe auf Frank Mauer. Seit anderthalb Jahren sind er und seine Frau Anna Eltern der kleinen …
Frank Mauer im Interview: Diese Aufgabe wartet daheim auf den EHC-Stürmer
EHC kommt im Derby unter die Räder - Nürnberg bereitet Ehliz Horror-Rückkehr
Im Derby in Nürnberg erlebt der EHC Red Bull München einen ganz bitteren Abend. Besonders Rückkehrer Yasin Ehliz muss leiden, während Nürnbergs Reinprecht gefeiert wird.
EHC kommt im Derby unter die Räder - Nürnberg bereitet Ehliz Horror-Rückkehr
Der EHC braucht nach dem Malmö-Coup „frische Haxn“ für Nürnberg und Mannheim
Nach der Champions Hockey League ist vor der DEL. Vor dem Rückspiel gegen Malmö warten in der Liga Nürnberg und Mannheim auf den EHC Red Bull München.
Der EHC braucht nach dem Malmö-Coup „frische Haxn“ für Nürnberg und Mannheim

Kommentare