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Heimspiel für den EHC-Keeper: Joey Vollmer (rechts, 30) vor seinem Tor in der Olympia-Eishalle im Gespräch mit tz-Reporter Matthias Würfl.

"Ich bin saumäßig positiv!"

München - EHC-Keeper Joey Vollmer im tz-Interview zum Saisonstart.

Am Freitag startet der EHC München in seine erste DEL-Saison. Der einzige Spieler, der seit der Bayernliga im Kader steht, ist Torhüter Joey Vollmer. Der 30-Jährige muss sich auch heuer nicht nur mit den Gegnern messen, sondern auch mit seinem Kollegen Sebastian Elwing. Wie in der vergangenen Saison wird Trainer Pat Cortina für jedes Spiel einen der beiden gleich starken Spieler auswählen. Das Interview mit Vollmer:

Wenn man Ihren Job hat, ist es sonst sehr gefährlich, hier zu sitzen…

Vollmer: Ja, wenn man Glück hat, dann sitzt man auf dem Puck, wenn nicht, kann es schnell böse enden. Ein Torhüter auf dem Boden ist ein leichtes Opfer.

Peppi Heiß sagt auch, dass Sie ein sehr ruhiger Typ sind, den man schon fast an die Hand nehmen muss…

Vollmer: Stimmt. Ich denke immer, dass alles gut ist. Ich bin ein saumäßig positiver Mensch. Ich bin auch sehr schnell zufrieden. Das kann positiv wie auch negativ sein. Ich bin mit kleinen Dingen glücklich. Wenn ich hart gearbeitet habe, bin ich glücklich und zufrieden. Aber: Man kann immer noch härter arbeiten.

Sie sind dennoch Rekordspieler beim EHC geworden. Wie schade ist es, dass der letzte Konkurrent in dieser Beziehung, ­Mario Jann, nicht mehr für diesen Vergleich zu Verfügung steht?

Vollmer: Schlimm. Das tut mir unglaublich weh. Ich vermisse ihn. Er war nicht die schillerndste Figur. Mit dem habe ich seit sieben Jahren hier gespielt. Den hast du wirklich immer überall hinschicken können. Der war sich für nichts zu schade. Ich habe mit unserem Präsidenten Jürgen Bochanski auch darüber gesprochen, dass er keinen Vertrag mehr erhalten hat. Und wir beide waren darüber sehr enttäuscht.

Und im Geschäft braucht man keinen Hallodri. Das ist nicht auf Jann zu beziehen, sondern auf Sie. Manager Winkler hat über Sie gesagt: „Der Joey hat sich vom Hallodri zum Profi gewandelt!“

Vollmer: …und hat nur den Spieler Vollmer gemeint. Denn der Mensch hat Schule, Ausbildung und Studium durchgezogen.

Letztes Jahr hat es in der Vorbereitung für Sie ja richtig Ärger wegen hoher Laktatwerte gegeben. Wie lief es heuer?

Vollmer: Perfekt. Ich habe im Sommer Inline-Hockey gespielt, auch die WM, und bin immer beim Laufen gewesen. Es wird sich dann in den ersten Spielen zeigen, wer von uns beiden Torhütern den besseren Start erwischt.

Mit Sebastian Elwing haben Sie sich in der letzten Spielzeit immer abgewechselt.

Vollmer: Ja, wir sind beide froh, dass wir auch diese Saison wieder spielen dürfen.

Wie ist das Verhältnis untereinander?

Vollmer: Wir gehen respektvoll miteinander um und kommen menschlich gut aus. Wir hängen nicht privat ab oder telefonieren. Es ist ein Konkurrenzkampf. Wir wollen beide spielen und pushen uns. Er macht ein gutes Spiel, und das setzt mich unter Druck. Anders herum natürlich genauso.

Glauben sie, dass Christian Winkler und Pat Cortina Sie beide aus Loyalitätsgründen oder aufgrund des kleinen Budgets für die DEL verpflichtet haben?

Vollmer: Es wird beides zutreffen. Sie sind glücklich mit dem, was wir letztes Jahr gezeigt haben, aber wir gehören heuer nicht zu den teuersten Torhütern der Liga…

Sie sind statistisch bester Torhüter in der Bundesliga gewesen. Hatten Sie Angebote von anderen DEL-Clubs?

Vollmer: Ja, von zwei. Aber die wissen alle, dass ich so am EHC hänge. Ich habe auch keinen Spielervermittler, ich mache alles selber.

Ein Blick zurück: Ihr schönster und schlimmster Moment als Torhüter?

Vollmer: Der beste war der Pokalsieg mit Ingolstadt. Das Schlimmste waren meine Erlebnisse in Essen. Da waren so viel unseriöse Menschen am Werk, die jetzt sogar zum Teil im Knast sitzen. Mir wurde die Position des zweiten Torhüters zugesichert und ich habe die Ausrüstung bestellt. Dann komme ich, bin dritter Torhüter, werde zu den Junioren geschickt, meine Ausrüstung wird mir weggenommen und ich sitze in der ganzen Saison nur fünfmal auf der Bank.

Damals waren Sie der Jungspund, heute ist es anders herum. Kommen jetzt junge Spieler und wollen Ratschläge?

Vollmer: Nein, eher weniger. Aber was ich merke ist, dass ich Respekt entgegen gebracht bekomme. Das war früher nicht immer der Fall. Wenn ich jetzt was sage, hören junge Spieler zu. Blöd ist nur, dass ich mir dadurch so alt vorkomme…

Bei Respektlosigkeiten – gehen da in der Kabine die Türen zu und die Lichter aus?

Vollmer: Ja, aber leider nicht mehr so häufig, wie ich es mir wünschen würde. Es ist doch alles so verweichlicht. Junge Spieler meckern so viel und haben mehr Rechte. Denn die Jugend wird immer schlimmer und frecher. Da kommen junge Spieler und meinen, sie sind die Größten, und da finde ich es gut, wenn man die ein bisschen runter holt. Wenn du das nicht aushältst, dann hast du beim Eishockey nichts verloren.

Laktattest beim EHC München

Laktattest beim EHC München

Was gibt einem von der alten Garde Ruhe und Gelassenheit?

Vollmer: Meine Freundin, meine Couch und mein Sessel. Da kann ich abschalten. Zumindest bei letzten beiden.

Was macht Joey Vollmer wenn er irgendwann nicht mehr im Tor steht?

Vollmer: Die Frage stellt meine Freundin mir die ganze Zeit. Ich habe Sportmanagement studiert. Aber im Eishockeysport geht so viel drunter und drüber. Man kann kein Geld mehr verdienen, wenn man nicht gerade in der Fußballbranche tätig ist. Mein Onkel hat eine Firma – vielleicht steige ich da ein. Oder ich mache es wie der Alexander Leinsle (Ex-EHC-Stürmer, d. Red.), der hat einen Subway aufgemacht. Für so was habe ich mir ein bisschen Geld auf die Seite gelegt. Meine Freundin will, dass ich Golflehrer werde.

Dass Sie ihr Mann werden will sie nicht?

Vollmer: Sie will, ich will, wir werden bestimmt irgendwann heiraten. Ich weiß nicht, wie, wann und wo – aber es steht auf alle Fälle an. Kinder wollen wir auch.

Letzte Frage: Jeder Torhüter hat einen Knall. Was ist Ihrer?

Vollmer: Witzigerweise sagen meine Mitspieler immer öfter, dass ihnen mein Knall abgeht, sprich: Ich habe keinen Tick. Ich bin vor dem Spiel ruhig, will nicht reden. Ich verlasse als Letzter nach dem Aufwärmen das Eis und berühre alle drei Pfosten des Tores nach jedem Drittel. Aber wenn man eine Saison mit Jimmy Waite (Ex-Torhüter Nürnberg) spielt und mitbekommt wie bescheuert der ist, dann kommt man gar nicht auf den Gedanken, sich einen größeren Tick zuzulegen.

Interview: Matthias Würfl

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