Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Der Vergleich: Das Olympia-Eisstadion 1968 und im Jahr 2011. Die davorliegende, offene Eislauffläche wurde 1983 überdacht und später in die SoccArena umgewandelt, in der jetzt Fußball gespielt wird.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Hinter das Eisstadion (einst Parkplätze) kam 1991 eine Trainingshalle für Eiskunstläufer. Und: Auch der BMW-Zylinder war erst im Bau, das BMW-Museum wurde erst 1973 eröffnet.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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So sieht’s beim Spiel aus: Hier tritt der EHC Red Bull München gegen die Düsseldorfer EG an.
Sein Reich seit 16 Jahren: Ulrich Bodammer ist der Betriebsleiter in der Münchner Eishalle, die zuletzt vor dreieinhalb Jahren aufgehübscht wurde.
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Sein Reich seit 16 Jahren: Ulrich Bodammer ist der Betriebsleiter in der Münchner Eishalle, die zuletzt vor dreieinhalb Jahren aufgehübscht wurde.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Sein Reich seit 16 Jahren: Ulrich Bodammer ist der Betriebsleiter in der Münchner Eishalle, die zuletzt vor dreieinhalb Jahren aufgehübscht wurde.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Verwinkelt: der verborgene Raum unter der Tribüne. Die Schiedsrichter schauen hier auf Video strittige Torszenen an.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Verwinkelt: der verborgene Raum unter der Tribüne. Die Schiedsrichter schauen hier auf Video strittige Torszenen an.
Olympia-Eisstadion, München, Oberwiesenfeld
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Verwinkelt: der verborgene Raum unter der Tribüne. Die Schiedsrichter schauen hier auf Video strittige Torszenen an.

1967 ging Münchens erstes olympisches Gebäude in Betrieb

50 Jahre Olympia-Eishalle: Ein Blick hinter die Kulissen

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Die Münchner Olympia-Eishalle auf dem Oberwiesenfeld ist keine Schönheit und auch nur eingeschränkt komfortabel. Kurzum: Sie passt nicht mehr in die Zeit. Dennoch gibt es Leute, die sie im Verlauf von fünfzig Jahren ins Herz geschlossen haben.

Eine Tür gibt es in den Katakomben der Münchner Olympia-Eishalle, die kann Geschichten erzählen. Von Leidenschaft, von Wut. Es ist die Tür zum Raum 143, dem Büro des Betriebsleiters.

Es ist eine Brandschutztür. Massiv. Unverwüstlich. Und doch beschädigt. „Es ist nämlich auch“, sagt Ulrich Bodammer, der Betriebsleiter der Halle seit 16 Jahren, „die erste Tür auf dem Weg vom Eis zur Gästekabine“. Und somit der Gegenstand, der die frischeste Emotion der Spieler abbekommt, wenn es nicht gelaufen ist. Was häufig vorkam. Denn Münchens Eishockeyklubs mögen serienweise pleite gegangen sein, doch die Mannschaften waren in ihren Ligen immer gut. Zumindest haben sie öfter gewonnen als verloren. Und folglich die gastierenden Teams oft nicht punkten können. Der Tür sieht man das an. „Frustbeulen“ nennt Tobias Kohler vom Betreiber Olympiapark GmbH die zahlreichen Abdrücke von Eishockeyschlägerenden, „keine Frostbeulen“.

Diese Tür passt eigentlich ganz gut zum Gesamtwerk Halle. Nicht neu, nicht schön, aber tut’s noch. Und könnte noch ein paar Jahre halten. Bis ein neuer Bau kommt (was wahrscheinlich ist, aber noch nicht fix).

„Ein schönes altes Eisstadion ist. Old school.“

Ulrich Bodammer würde eher nicht wegwollen. „Ich bin ja ein Verfechter dieser Halle“, sagt er, „mit ihrer Substanz und Bauweise ist sie fürs Eishockey ideal“. Er hört das öfter von Leuten, dass sie gerne nach München führen, „weil das noch ein schönes altes Eisstadion ist. Old school.“ Und die Profis vom EHC loben ihn für die Eisqualität. Die würde oft leiden in den neuen Arenen, wenn es 20 Grad hat, damit die Zuschauer dort im Pullover sitzen können. In München lässt man die Jacke an – auch wenn über den Sitzplatzblöcken jetzt Heizstrahler schweben.

„Unsere geliebte Bruchbude“, nennt Stefan Schneider die Halle, die schon über 750 Mal für ein paar Stunden sein Arbeitsplatz war. Schneider ist der Sprecher der Klubs, seit 28 Jahren, der Mann, der Aufstellung, Ergebnis, Tore, Strafen ansagt. Der mit den eigenen Fans feiert und die des Gegners auch mal provoziert.

Kalt ist es bei ihm unten an der Ansage, ebenerdig sieht man das Spiel auch schlecht, es rauscht an einem vorbei, ohne dass man eine Strategie erkennen könnte. Trotzdem: Diesen einen Fleck zwischen den Strafbänken, an dem Schneider einmal die Woche das Mikrofon aufdreht, nennt er „meinen Lieblingsplatz“.

Die Zeit des urigen Olympia-Eisstadions läuft langsam ab

In einem modernen Stadion wären an seinem Pult Monitore angebracht, auf denen die Schiedsrichter strittige Szenen des Spiels anschauen und bewerten können (den Videobeweis, über den im Fußball erst diskutiert wird, gibt es im Eishockey seit Jahren) – doch irgendwie funktioniert das in München nicht. Die Schiris müssen in die Katakomben, dort gibt es einen unter die Tribüne gezwängten Raum von weltweit sicher einzigartigem Grundriss.

Damit muss man leben, das lässt sich nicht ändern. Mauern neu zu setzen ginge nicht. Man hat die Halle immer mal wieder renoviert. Mit neuen Sitzen, mit einem Videowürfel, zuletzt einer Lichtanlage, die es ermöglicht, auf dem Eis Drittelpausen-Entertainment zu betreiben. Die Kabinen wurden neu eingerichtet, ein VIP-Raum von außen an Stelzen an die Halle angebaut. Red Bull als Eigner des EHC hat etwa drei Millionen in die Aufhübschung investiert. Trotzdem sagt Arno Hartung, nun im Ruhestand befindlicher langjähriger Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, „dass die Halle ein Flickwerk ist“.

Aber ein gefragtes. „Wir fangen mit der Arbeit um 6.30 Uhr an, um 23 Uhr schließen wir die Halle zu“, sagt Betriebsleiter Ulrich Bodammer. Die Eiszeiten sind ausgebucht.

„Um unseren Sport zu finanzieren, braucht man moderne Hallen mit Logen“, weiß Stadionsprecher Stefan Schneider, was so gesprochen wird. Ulrich Bodammer spürt, wie das Publikum sich schon verändert – es ist nicht mehr so urig wie zu den Zweitligazeiten des EHC, als man zu den Derbys mit Tölz und Riessersee die Aktionen „Volle Hütte“ ausrief.

Kann sein, dass die Geschichte der Olympia-Eishalle in zwei Jahren ausklingt. Wenn dem so sein sollte, ist sich Stefan Schneider sicher, „dass wir unserer alten Halle die eine oder andere Träne nachweinen würden“.

Von Günter Klein

50 Jahre Olympia-Eisstadion: Die Jubiläumsfeier

Sie findet am Sonntag, 12.02. ab 10 Uhr statt. Es gibt Eishockey-Schnupperkurse des ESC, ein Nachwuchsspiel des EHC und viermal eine Backstage-Tour durch die Halle.

  • 10 bis 17 Uhr, Willi-Daume-Platz: Spaß und Spiel mit Radio Arabella und dem EHC Red Bull München
  • 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Eisstadion: Öffentlicher Eislauf, Eintritt frei
  • 11.30 bis 12 Uhr, Eisplatzerl: Eiskunstlaufshow des ERC München und München EV
  • 20 bis 22 Uhr, Eisstadion: Radio Arabella-Eisdisco, Eintritt frei

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