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Spaltet der neue EHC die Eishockey-Szene?

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Jochen Reimer und das Münchner Eishockey - die DEL ist gespannt auf den neuen EHC.
Jochen Reimer und das Münchner Eishockey - die DEL ist gespannt auf den neuen EHC. © sampics

München - Der Einstieg von Getränkekonzern Red Bull beim EHC München wirt seine Schaten voraus. Wie die tz erfahren hat, laufen die Planungen an einem Nachwuchskonzept schon auf Hochtouren.

„Das Problem im deutschen Eishockey“, sagt Peppi Heiß, „ist, dass jeder Verein nur auf sich schaut. Meistens fehlt das langfristige Konzept.“ Das soll sich in München ändern. Zum 1. Mai steigt Red Bull ein. Und, wie die tz erfahren hat, laufen die Planungen an einem Nachwuchskonzept schon auf Hochtouren.

Red Bull ist bekannt für üppige Nachwuchsarbeit. Schlüsselfigur ist Pierre Page, der auch das International Icehockey Development ­Model gründete, das 16- bis 20-Jährige ans Profiteam heranführen will. In einem Jahr ist zudem das weiträumige Leistungszentrum in Liefering, einem Stadtteil von Salzburg, fertig. Ziel sei es, Weltklassespieler zu entwickeln. RB lässt sich das Projekt mit Trainerstab, Scouts und Struktur viel kosten – laut Standard zahlt Salzburg für den Nachwuchs mehr als alle anderen österreichischen EBEL-Klubs zusammen.

In München gibt es so etwas nicht. Derzeit wird über eine neue, (eis-)sportbezogene Halle im Stadtrat beraten. Trotzdem planen die Bullen nach tz-Informationen bereits jetzt mit einem ähnlichen mehrgliedrigen Nachwuchssystem. An der Spitze des Projekts soll der EHC stehen, darunter je ein Zweitliga- und ein Oberligaklub.

Der EHC äußert sich auf Anfrage dazu nicht. In der Szene herrscht ob der RB-Pläne Aufregung. Einige Vertreter begrüßen die Pläne, würden gerne kooperieren und Talente aufbauen – „eine Win-Win-Situation“, sagt einer. Auch Heiß würde mit seinem EC Peiting gerne Partner des EHC bleiben. Angesprochen auf die Münchner Pläne sagt er: „Ich finde so ein Stufenverfahren gut. Es gibt junge Leute, die den Schritt in die DEL nicht gleich schaffen.“

Es gibt aber, wie schon beim Salzburger Projekt, auch Kritik. Einer fürchtet, dass die Talente abgeworben werden – Fakt ist, dass der EHC bereits deutsche Talente scoutet. Ein anderer hinterfragt die „profigleichen Strukturen für Kinder. Die sollten auch eine andere Ausbildung machen – weil vom Eishockey leben können später die wenigsten“.

Seit Donnerstag ist nun auch klar, dass es mit den Münchner Plänen gut aussieht. Denn die Zweitligisten beschlossen fast einstimmig die Annäherung an die DEL. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte den Zweitligisten eine Frist gesetzt: Bis Mitte Mai sollten sie in den Schoss des DEB zurückkehren – stattdessen planen sie nun eine Art DEL II. Durch eine Verzahnung erhofft man sich eine schlagkräftigere Vermarktung. Nach finanzieller Angleichung wären auch Auf- und Abstieg wieder möglich. Auch die Talentförderung solle profitieren.

Wie es eben auch das RB-Projekt vor hat. Heiß warnt aber auch: „Man sollte aufpassen, dass es nicht wie in Amerika wird: Dass die Spieler zwischen den Vereinen hin- und hergeschoben werden. Sie sollten wissen, wo sie hingehören. Die fürsorgliche Förderung der jungen Spieler sollte im Vordergrund stehen.

Martin Wimösterer

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