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„Wir dringen in die Köpfe der Münchner Spieler ein“

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Von: Günter Klein

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Sie nerven den Gegner mit Action an der Strafbank: Die drei „Blue Suit Men“ aus Berlin. © City-Press /fkn

Berlin – Sie sind bekannt wie bunte Hunde – was schon an ihrem Outfit liegt: Markante Anzüge, dank derer sie sich den Namen „Blue Suit Men“ gegeben haben. Drei Herren, englischsprachig, aus Australien stammend, die bei Heimspielen der Eisbären Berlin auffällig agieren. Ihre Plätze sind neben der Strafbank des Gegners, dort betreiben sie ihr provokantes Spiel mit Tänzen, Plakaten und Schmähungen – aber dermaßen überzeichnet, dass der satirische Hintergrund offensichtlich wird. Am Samstag, dem Tag nach dem vierten DEL-Finalspiel (4:2 an München), trafen wir sie beim Länderspiel Deutschland – Frankreich im Sportforum Hohenschönhausen. Auch dort waren sie zugange.

-Wieder eine nette Aktion von euch am Freitagabend, Steve Pinizzotto auf der Strafbank mit einem Zettel zu begrüßen, der auf seine überschaubare NHL-Karriere verweist. und „Game Over“ in Aussicht stellt.

Oh, dieser Zettel war gar nicht von uns. Den haben andere in die Kühlbox geklebt.

-Inspiriert von eurem Tun, nehmen wir an. Wie seid Ihr auf diese Idee der schrillen und kunstvollen Provokation gekommen? Irgendwo abgeschaut?

Wir haben einige Spieler getroffen und von ihnen erfahren, wie Einflüsse von außen ihr Spiel betreffen können. Dann haben wir das mal mit David Wolf von den Adlern Mannheim ausprobiert – und er hat die Fassung verloren. Da war uns klar: Das müssen wir öfter machen. Um unserem Team, Berlin, dabei zu helfen, dass es gewinnt.

-Wie reagieren die Spieler denn so, wenn Ihr ihnen Unverschämtheiten entgegen schmettert?

Hängt ganz vom jeweiligen Spieler ab. Zum Beispiel diese Finalserie: Da ist uns am Freitagabend Jason Jaffray von den Münchnern in die Falle gegangen. Er hat zwei, drei Strafzeiten bekommen. Er ist nicht gut damit umgegangen. Eishockey ist ein sehr mentales Spiel, Wenn dir da etwas in den Kopf gegangen ist, kriegst du es nicht mehr raus. Hat man ja gesehen: Als Matsumoto sein Tor für München erzielte, kam er direkt zu uns gelaufen, um zu feiern...

-Er imitierte den Flügelschlag eines Vogels.

Genau, weil wir das vor Jaffray gemacht hatten. Wir hatten ihn eine Schwalbe genannt. Da sieht man, wie sehr das in die Köpfe der Spieler eingedrungen ist. Und am Ende des Spiels kam Jaffray zu uns rüber und sagte: Noch mal, noch mal, Buddies! Aber die Münchner gehen mit uns auch nicht freundlich um. Ihr Social-Media-Typ hat ein schreckliches Schild für uns angebracht: Dass wir lernen sollten, bayerisches Bier zu trinken, dafür laden wir Euch vielleicht zu unserer Party ein. Das ist lustig! Klingt wie aus einem Rap-Song.

-Ihr habt Pinizzotto wieder aufs Korn genommen. Wie hat er reagiert?

Er war nicht happy. Niemand ist glücklich, wenn er taucht und man ihn fragt: Bewirbst du dich für ein Schwimm-Team? Die Olympischen Sommerspiele? Oder etwa für das italienische Soccer-Team? Wie fußballermäßig der in Spiel drei gefallen ist – ich dachte, wir spielen gegen den EHC München und nicht gegen Bayern München.

-Bereitet ihr euch auf die Performances vor?

Ja, damit (und zeigen aufs Bier in ihren Händen). Flüssige Inspiration, alles natürlich.

-Auswärts fahrt ihr aber nicht mit?

Wir waren bei Finale eins in München.

-In diesen Anzügen?

Yeah! Und zu Spiel sieben werden wir wieder dort sein.

Kennst du übrigens den Rap, den wir gemacht haben, den „Red Bull Shit Rap“? Da kommt gleich am Anfang vor, dass die ihre kleine Halle nicht ausverkaufen können.

-Wie waren die Fans in München zu euch? Höflich oder feindselig?

Sehr sehr höflich, viel zu höflich. Als Fans müssten die wütender sein. Aber es sind wohl keine Fans.

-Was macht ihr Typen eigentlich, wenn ihr nicht beim Eishockey seid?

Wir drei sind Manager in Berliner Bars. Fürs Eishockey suchen wir übrigens noch einen Sponsor. Tickets sind teuer.

Interview: Günter Klein

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