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Durch die leere Dorfener Eishalle geht hier Gebensbachs Nachwuchsleiter Christian Fischer. Inzwischen ist auch hier die Fläche längst abgetaut.

Eishockey

Eingefrorene Eishackler

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der Verband fordert mehr Hilfe von der Politik. Die drei Erdinger Landkreisvereine sehen das ähnlich und kämpfen sich derzeit wacker durch den Lockdown.

VON DIETER PRIGLMEIR UND HELMUT FINDELSBERGER

Landkreis– „Wir, die Erdinger Eishockeyabteilung und dabei insbesondere unsere Kinder, leiden darunter, unseren Sport nicht ausüben zu dürfen. Deshalb unterstützen wir die Forderung des BEV ausdrücklich.“ Mit diesen Worten stärkt der TSV Erding dem Eishockey-Obmann im Bayerischen Eissport-Verband (BEV) den Rücken. Dieser hatte nach einem Gespräch mit Landtagsabgeordneten mehr Unterstützung gefordert (siehe unten).

Wir arbeiten schon mit Hochdruck an unterschiedlichen Trainings- und Spielbetriebskonzepten, die jeweils an ein mögliches Öffnungsszenario angepasst, schnellstmöglich umgesetzt werden können“, heißt es weiter in dem Statement der Erdinger Puckjäger, das Michael Westphal der Heimatzeitung übermittelte.

Wie berichtet, soll er den TSV-Abteilungsleiter Rainier Sabus beerben. Da wegen der Corona-Pandemie noch keine Wahlen stattfinden konnten, wurde Westphal als Beisitzer in den Vorstand berufen und arbeitet schon kräftig mit. Deshalb kennt er auch die Entwicklung der vergangenen Monate und bestätigt Butz’ Eindruck, dass die Vereine bisher von einer Austrittswelle verschont geblieben sind. Ein paar Spieler habe es aber schon gegeben, die sich in der Umgebung umgeschaut und dort trainiert haben, denn in Dorfen, Grafing und auch Moosburg gab es Eis, während die Erdinger Halle aufgrund der Umbaumaßnahmen dicht war.

„Das heißt aber noch nicht, dass diese Spieler aus dem Verein ausgetreten sind“, so Westphal. Insgesamt spielen 130 Kinder und Jugendliche beim TSV Erding. Die Trainer bieten dem Nachwuchs zurzeit ein laut Westphal „freiwilliges, attraktives Online-Training“ an. Der TSV will mit dem Sommertraining beginnen, sobald dies möglich ist. Denn da wäre die eine Gefahr, die bei der Online-Konferenz mit Butz mehrere Clubs angesprochen haben: die Abwanderung zu anderen Sportarten, „weil man dort kein Eis, sondern nur Gras braucht“, so Westphal.

Lang hatte sich dagegen der ESC Dorfen die Chance auf Training bewahrt, bis Ende Februar das Eis auf minimalster Temperatur gehalten, „dann aber mussten wir doch abtauen“, erzählt Vizepräsident Markus Lauffer. Butz’ Bitte an die Hallenbetreiber in Bayern, die Anlagen früher als üblich zu öffnen, begrüßt er. „Allerdings findet im August in unserer Halle möglicherweise das Volksfest statt.“

Lauffer rechnet nicht damit, dass vor Mai Trocken- und Inline-Training stattfinden kann. Wichtig sei, dass man dann wieder in eine vernünftige Saisonvorbereitung starten könne. Derweil halten die Trainer mit Online-Einheiten ihre Spieler bei Laune. „Die machen das sehr gut und haben sich einiges einfallen lassen“, so Lauffer.

Von Spielerabgängen ist ihm nichts bekannt, „aber das werden wir wohl erst sehen, wenn wieder gespielt wird“. Ohnehin fürchte er da weniger einen Aderlass beim Nachwuchs, „aber ich kann mir vorstellen, dass vielleicht ein paar ältere Spieler, die eh schon ans Aufhören gedacht haben, sich das jetzt nicht mehr antun wollen“.

Spieler und Trainer der Seniorenmannschaften mussten nach vorheriger gemeinsamen Klärung und Anpassung der Verträge mit dem Corona - Passus, mit Beginn des Lockdowns nicht mehr bezahlt werden. „Für die Unterstützung, möchten wir uns auch bei den Spielern und Trainer bedanken“, so Lauffer.  Damit und mit Einsparungen zum Beispiel bei den Energiekosten versuche der ESC die finanzielle Lücke zu schließen, die durch fehlende Zuschauereinnahmen entstanden sei. Kurzum: Der ESC kämpft sich durch den Lockdown – doch ein Kampf ist verloren: „Uns geht ein komplettes Jahr der Nachwuchsakquise ab“, sagt Lauffer. Seit Jahren betreibt der ESC zusammen mit dem ESV Gebensbach einen hohen Aufwand, hat vormittags rund 2500 Schul- und Kindergartenkinder auf dem Eis. 250 davon belegen danach den Gebensbacher Schlittschuhkurs. „Im Schnitt bleiben dann rund zehn Kinder beim Eishockey“, erzählt Lauffer. Im Vorjahr seien es sogar 20 gewesen, die dann im September ihre erste Saison begannen, „und im November mussten wir dann schon wieder zumachen“, bedauert Lauffer.

Für Gebensbachs Alexander Aigner ist nicht der finanzielle Aspekt durch fehlende Zuschauereinnahmen das größte Sorgenkind, sondern die auf Null heruntergefahrenen sozialen Kontakte. Wie BEV-Obmann Butz setzt auch der Sportliche Leiter des ESV Gebensbach Hoffnung in Corona-Schnelltests, „aber wer will bitte vor jedem Stadionbesuch einen Schnelltest machen, welcher Aufwand muss hier im Hintergrund betrieben werden?“ Für ihn steht fest: „Richtigen Spaß am Sport werden alle erst haben, wenn sie ohne großes Risiko und Sorge einfach wieder in ihre Hallen gehen können.“

Nachwuchsleiter Christian Fischer bedauert die bisherige Benachteiligung der jüngeren Jahrgänge. Der ESV Gebensbach ist in der Dorfen-Gebensbacher Nachwuchsarbeit für die U 7, U 9 und U 11 sowie in einer Spielgemeinschaft für die U 13 mit verantwortlich. Diese Kinder durften ihrem Sport nicht mehr nachgehen, während ab den folgenden Jahrgängen die Kaderspieler zum Training aufs Eis durften. So berichtete erst kürzlich der EV Landshut, dass jede Woche 60 Kaderspieler trainieren.

Sind Kaderspieler immun gegen den Corona-Virus? Das glaubt auch Fischer nicht, klärt aber auf, was es mit den diesen Kaderspielern auf sich hat. Die kann jeder Verein dem Verband melden, dann folgen während der Saison die Sichtungen. „Da wird dann auch ausgesiebt.“ Soweit kam es allerdings in dieser Saison coronabedingt nicht, „also dürfen die einen zumindest trainingsmäßig dem Puck nachjagen, während die Masse der Kinder ausgesperrt bleibt. Aber der Gesetzgeber wollte das so“.

BEV-Obmann Frank Butz: Einige der Sorgen an der Basis sind völliges Neuland für die Parlamentarier

„Es muss alles dafür getan werden, dass wir im Sommer mit voller Kapelle in unsere Stadien zurück dürfen“, fordert Frank Butz. „Training und Spielbetrieb sollten unabhängig vom Inzidenzwert möglich sein“, meint der Eishockey-Obmann im Bayerischen Eissport-Verband (BEV). Einzig entscheidend sollte sein: „Was sagen die Politik und die zuständigen Behörden vor Ort?“

Um diesem Ziel näher zu kommen, fanden Gespräche des BEV und seiner Mitgliedsvereine mit den SPD-Landtagsabgeordneten Diana Stachowitz und Harald Güller sowie mit der parlamentarischen Beraterin Annette Voß statt. „Die anwesenden Clubs und auch wir Verbandsfunktionäre hatten am Ende zumindest das Gefühl, dass uns zugehört wurde und bei den Gesprächspartnern etwas angekommen ist“, fasst er zusammen.

Erfreulich sei für Butz gewesen, dass sich die Vertreter der Politik überhaupt die Zeit nahmen und sich während des virtuellen Treffens eifrig Notizen machten. Zugleich habe sich jedoch die Erkenntnis aufgedrängt, als seien einige der Sorgen an der Basis und die Wahrnehmung von politischen Entscheidungen in den Vereinen völliges Neuland für die Parlamentarier. Die Abgeordneten könnten den Input nun zumindest mit in ihre Ausschüsse tragen, hofft der 57-Jährige. Die Entscheidungen würden freilich an anderer Stelle getroffen.

Große Hoffnung setzt der BEV-Funktionär in die Corona-Schnelltests für Laien. Diese könnten in der kommenden Saison in den Hallen eingesetzt werden, um die vorhandenen Hygienekonzepte um eine zusätzliche Prüfinstanz zu erweitern. Deshalb fordert Butz von der Politik bis zum Sommer flächendeckend für den Breitensport kostenlose Schnelltests.

Den Eishockey-Clubs im Amateurbereich will der Obmann schnellstmöglich Planungssicherheit geben, wie sie sich in der neuen Saison aufstellen sollten. Ob dann auch Zuschauer möglich sind, dürfe in diesen Planungen keine Rolle spielen. Ihm gehe es um die jungen Sportler: „Wir sind im Eishockey in der glücklichen Lage, dass wir eine Austrittswelle nicht bestätigen können. Was aber Sorgen macht, ist, dass wir keinen Zuwachs haben, weil die Vereine keinen Nachwuchs rekrutieren konnten. Das ist etwas, was uns in vier, fünf Jahren auf die Füße fallen wird. Das werden wir nicht mehr aufholen können.“ Für die kommende Saison hofft Butz deshalb auch auf die Unterstützung der Hallenbetreiber. Er würde sich wünschen, dass durch die erzielten Einsparungen aus dieser Saison bei Energiekosten und dergleichen m Sommer die Bereitschaft zur früheren Öffnung der Anlagen vorhanden sei. Schon wenige Wochen mehr Eiszeit in den Sommerferien würden im Jugendbereich helfen.  (Josef Fuchs)

 

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