Noch ist nicht sicher, ob sich die Eishockeyfans im Landkreis wieder auf das Bayernliga-Derby zwischen den Erding Gladiators (grüne Trikots) und den Eispiraten des ESC Dorfen freuen dürfen.
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Noch ist nicht sicher, ob sich die Eishockeyfans im Landkreis wieder auf das Bayernliga-Derby zwischen den Erding Gladiators (grüne Trikots) und den Eispiraten des ESC Dorfen freuen dürfen.

Saisonstart Eishockey-Bayernliga

Sicher ist, dass nichts sicher ist

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Wann geht‘s los in der Eishockey-Bayernliga? Und geht‘s überhaupt los? diese Frage beschäftigt die Vereinsverantwortlichen.

Erding/Dorfen „Die guten Eishockeyspieler werden im Sommer gemacht.“ Das ist eine der unzähligen Eishockey-Weisheiten von Franz Steer, der viele Jahre als Trainer für den Nachwuchs und auch die 1. Mannschaft des TSV Erding verantwortlich war. Nach mehreren Stationen in höheren Ligen, unter anderem in Rosenheim und Dresden, ist der gebürtige Landshuter jetzt Bandenchef beim ESC Dorfen und bereitet derzeit in und um die heimische Eishalle die Eispiraten auf die Bayernliga-Saison vor, auch wenn noch nicht klar ist, wann die Punktrunde beginnt und ob sie überhaupt stattfinden kann.

Der Lokalrivale aus Erding hat ebenfalls mit dem Sommertraining begonnen. Weil aber die Eishalle noch eine Baustelle ist, scheucht Gladiators-Trainer Thomas Vogl seine Truppe im Moment übers Sportgelände des FC Schwaig. Dort absolviert auch der TSV-Nachwuchs sein Sommertraining – natürlich unter Beachtung der Beschränkungen und Auflagen aufgrund der Corona-Pandemie. Gruppentraining ist ja mittlerweile wieder erlaubt, aber die Abstände müssen eingehalten werden. Auch beim Nachwuchs ist fraglich, wann es wieder losgeht.

Zusammen mit 13 Bayernliga-Vertretern haben die Eishockeychefs aus Erding und Dorfen, Rainier Sabus und Manfred Detterbeck, an der virtuellen Ligatagung teilgenommen. Eishockey-Obmann Frank Butz vom Bayerischen Eissportverband (BEV) moderierte die Online-Sitzung der zugeschalteten Vereinsvertreter. Fast zwei Stunden dauerte die Video-Konferenz der Eishockey-Bayernligisten. Definitive Beschlüsse seien jedoch, laut Aussage der Vereinsvertreter, nicht gefasst worden.

BEV-Vertreter Butz referierte unter anderem über eine künftig mögliche Förderlizenzregelung für Spieler der Jahrgänge 1997 bis 2003 zwischen Teams aus Oberliga Süd, Bayernliga und DNL1/DNL2. „Wir finden das grundsätzlich okay, inwieweit das für uns Sinn macht, prüfen und diskutieren wir gerade“, sagt Detterbeck. Auf Erdinger Seite ist man skeptisch. Für Gladiators-Trainer Vogl ist klar, dass Förderlizenzspieler „natürlich spielen müssen, wenn sie schon ausgeliehen werden“. Problematisch sei aber, dass dann eigene junge Spieler durchs Raster fallen, und das sei nicht im Sinne der TSV-Nachwuchsförderung.

Butz legte danach die Planungen des BEV dar, der wie vorgesehen am Freitag, 2. Oktober, mit der Punktrunde beginnen will. Das offizielle Bayernliga-Eröffnungsspiel würde am Samstag, 3. Oktober, in Waldkraiburg stattfinden, der Gegner der Löwen steht erst nach Erstellung des Spielplans fest.

„Im Moment gehen wir von einem pünktlichen Saisonstart am ersten Oktober-Wochenende aus“, sagt ESC-Eishockeychef Detterbeck. „Wir vereinbaren auch schon Vorbereitungsspiele.“ Das tun auch die Erding Gladiators. Hier sind im September Tests gegen den Oberligisten Passau, den Landesligisten Dingolfing sowie die Ligakonkurrenten Klostersee und Pfaffenhofen geplant.

„Es wurde in der Sitzung aber auch von Alternativen gesprochen“, erzählt Detterbeck, zum Beispiel könnte man selbst bei einem Start am 16. Oktober, also zwei Wochen später, einen ähnlichen Modus wie im Vorjahr durchspielen.

Weitgehend einig waren sich die Clubvertreter, dass es erneut eine Verzahnung zwischen der Bayern- und der Oberliga anstatt direkter Auf- und Absteiger geben soll. Ob es nach Haupt- und Verzahnungsrunde auch Playoffs beziehungsweise Playdowns geben kann, hängt maßgeblich von den behördlichen Vorgaben ab, wonach sich letztlich auch Beginn und Ende der Spielrunde richten.

Beim Verband in der Schublade soll auch ein alternativer Spielplan mit verkürzter Saison liegen, die dann am 4. Dezember beginnen würde. Wahlweise als einfache Bayernliga-Hauptrunde mit sofort folgenden internen Playoffs und Playdowns, oder auch eine Bayernliga-Vorrunde in zwei Gruppen (eine mit sieben, eine mit acht Teams) und anschließender Verzahnung der drei beziehungsweise vier besten Mannschaften mit der Oberliga Süd und Abstiegsrunde der weiteren Teams. „Wichtig ist dem Verband, dass auf alle Fälle eine Hauptrunde gespielt wird – egal wie – damit man für Auf- und Abstieg zählbare Erfolge vorweisen kann“, berichtet Detterbeck. „Etwas, das auch aus meiner Sicht ganz wichtig ist.“

Wie es mit Zuschauern ausschaut, das steht noch in den Sternen. Geisterspiele hat Sabus in Erding bereits komplett ausgeschlossen (wir berichteten) – und so sieht es auch Detterbeck. „Geisterspiele kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, nicht nur in der Bayernliga, sondern im kompletten Eishockey sind die nahzeu ausgeschlossen“, sagt Dorfens Eishockeychef. „Du hast gewisse Kosten, die aus meiner Sicht nicht zu bewältigen sind.“ Bei den Erdinger Eishacklern liegt die „Schmerzgrenze“ bei rund 600 Zuschauern, hatte Sabus erklärt. „Alles was unter 100 Zuschauer ist, macht gar keinen Sinn“, meint Detterbeck. „Fixkosten wie zum Beispiel die Schiedsrichter müssen gedeckt sein.“ Für ihn ist klar: „Lieber mit Beschränkungen starten, und es wird nach und nach besser, als dass wir ewig hinwarten. Das bringt nichts.“

Der Dorfener Eishockey-Abteilungsleiter rechnet auch nicht mit einer absoluten, sondern mit einer relativen Beschränkung bei den Besucherzahlen. „Wenn man es zum Beispiel auf maximal 600 Zuschauer begrenzt, dann wäre das in Dorfen sehr viel, in anderen Stadien aber eher wenig.“ Er ist sich sicher, dass die Zuschauer am Anfang der Saison erst einmal Mundschutz tragen müssen und fügt schmunzelnd an: „Die Eisstadien sind kalt, da ist man vielleicht sogar froh, wenn man einen Schal um den Hals und einen Mundschutz an hat.“

Detterbeck sieht das Hauptproblem aber woanders. „Knackpunkt wird die Kabinensituation sein, damit steht und fällt das Ganze“, sagt er. „Nicht jedes Stadion hat – auch für den Nachwuchs – drei, vier oder fünf Kabinen zur Verfügung.“ In Erding könnte sich dieses Problem bald lösen, denn wenn die Renovierung nebst neuem Anbau abgeschlossen sein wird, dann sollten genügend Kabinen vorhanden sein.

Zunächst heißt es aber für alle Eishockeyclubs erst einmal abwarten, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. Ob die Eishockeysaison überhaupt stattfinden kann oder ob sich die Puckjäger beim – ungeliebten – Sommertraining umsonst geschunden haben. Denn Eishockeyspieler fühlen sich nun mal auf dem Eis am Wohlsten. Das weiß auch Franz Steer.

wk

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