Gebensbachs Sportlicher Leiter Klaus Killy verteidigt die Entscheidung des ESV, die freilich nur für die Spieler gilt, denen ein Impfangebot gemacht werden kann.
+
Gebensbachs Sportlicher Leiter Klaus Killy verteidigt die Entscheidung des ESV, die freilich nur für die Spieler gilt, denen ein Impfangebot gemacht werden kann.

DAS SPORTGEFLÜSTER

Der Gebensbacher Impfbefehl

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
    schließen

Darf ein Sportverein seine Corona-Impfverweigerer aus der Mannschaft schmeißen? Ein Kommentar über das gute Recht, streng zu sein.

Darf ein Sportverein seine Corona-Impfverweigerer aus der Mannschaft schmeißen? Ausgerechnet der ESV Gebensbach, der kleinste der drei Eishockeyvereine im Landkreis, hat die Frage nun beantwortet – und damit sein eigenes Bezirksligateam von 17 auf nur noch 13 Feldspieler reduziert (wir berichteten). Das ist ein ziemlich kleiner Kader für die Dauer einer Eishockeysaison, das weiß auch Klaus Killy, Sportlicher Leiter beim ESV.

Aber Trainer Heinz Zerres sei schon mal mit neun Leuten über die Runden gekommen. Es ist eine der vielen Geschichten, die der 74 Jahre alte Coach aus seinem langen Eishockey-Leben erzählen kann. In letzter Zeit sind weitere dazugekommen, mit denen wohl selbst er nicht gerechnet hat. Ein Spieler, so war zu hören, will sich „dieses Bill-Gates-Zeug“ nicht spritzen lassen. Ein anderer hat nur deshalb kein Vertrauen in die Impfstoffe, weil diese keine reguläre, sondern nur eine Notzulassung haben. „Anscheinend haben wir lauter Hobbyvirologen“, meint Killy.

Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Ohne Stich, kein Eis – geht das überhaupt? Andere Sportvereine – das hat eine nicht repräsentative Blitzumfrage ergeben – tun sich sehr schwer damit. Bei den Fußballern etwa war von „höchst fragwürdig, Amateursportlern etwas vorzuschreiben“ bis „auch bei doppelt Geimpften hast du keine 100-prozentige Sicherheit“ alles dabei. Ein Handballclub hat sich noch nicht endgültig entschieden.

Deutlich leichter machen es sich manche Menschen in den sozialen Medien, die wirre Kommentare hinterlassen und zum Boykott der ESV-Spiele aufrufen. Huihuihui, da wird der Gebensbacher Schatzmeister aber schwitzen, wenn er plötzlich den üblichen Bezirksliga-Zuschauerschnitt von 32 nicht mehr halten kann…

Aber im Ernst: Eine Impfung ist ein Eingriff, und jeder hat ein Recht auf die Unversehrtheit seines Körpers. Das ist ein Grundrecht. Aber darf andererseits nicht auch jeder Verein selbst entscheiden, unter welchen Prämissen unter seinem Dach Sport betrieben wird? Doch, darf er.

Erstens, weil er auch auf seine anderen Mitglieder schauen muss (Kinder ohne Chance auf einen Impfschutz zum Beispiel). Zweitens, weil es im Eishockey im Vergleich zu anderen Sportarten deutlich mehr Corona-Fälle gab. Felix Schütz sagte im Dezember 2020 unserer Zeitung: „Wie schlimm das ist, wenn du plötzlich Corona hast, das konnte ich mir nicht vorstellen. Es ist einfach der Wahnsinn.“ Damals hoffte er auf einen Impfstoff, „damit wir wieder ein bisserl zur Normalität zurückkehren können“. Jetzt haben wir ihn, und in Gebensbach weigern sich manche Spieler, diesen Penalty zu verwandeln.

Für die anderen vier ist die Tür nicht zu, nur angelehnt.

Klaus Killy ist immer gesprächsbereit - sofern sich die Spieler impfen lassen.

Noch ein Argument für das Gebensbacher Handeln: Weil Eishockey ein Teamsport ist. Killys Wunsch: „Jeder hat eine Verantwortung für die Gemeinschaft. Man macht das auch für die Herdenimmunität.“ Killy ist kein Träumer, auch er weiß, dass das ein sehr idealistischer Ansatz ist. Seit der klaren Ansage, haben sich fünf Spieler impfen lassen. „Da waren sicher auch welche dabei, die einfach nur den QR-Code und ihre Ruhe haben wollen“, sagt der Sportliche Leiter, der nochmals betont: „Für die anderen vier ist die Tür nicht zu, nur angelehnt.“ Sie können jederzeit zurück – aber nur mit Impfausweis. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Das ist streng, aber es ist auch sehr starkes Zeichen.

Und es ist sehr mutig. Killy weiß, dass sich der ESV mit dem Mini-Kader personell auf sehr dünnem Eis bewegt. Er führt gerade noch Gespräche mit Neuzugängen, auch ein Langzeitverletzter könnte sein Comeback feiern. Vielleicht schließen sich dem ESV aber auch noch ein, zwei Spieler an, die den Weg gut finden. Für ihn ist aber klar: „Notfalls ziehen wir das so durch.“ Er selbst habe übrigens vor allem positive Reaktionen bekommen, eine davon von einer Spielermutter.

Und hier wäre eine weitere Reaktion darauf, nämlich die eines Übungsleiters: Ich stehe dreimal die Woche auf dem Sportplatz und finde es auch nicht so toll, ehrenamtlich Leute zu trainieren, die mich jederzeit anstecken können. Zum Glück bin ich geimpft, weshalb die Auswirkungen nicht so dramatisch ausfallen dürften. Aber das Restrisiko bleibt. Deshalb, liebe Sportler: egal ob 2G oder G2 oder G3 – G’t zum Impfen!

DIETER PRIGLMEIR

Auch interessant

Kommentare