Der ESV Gebensbach hat zwei US-Amerikaner verpflichtet. Einer von ihnen war auf der Suche nach einer Eishockeymannschaft in der Nähe von München – und kam so auf den Bezirksligisten.
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Tyler Jansen will im August nach Deutschland reisen.

Jetzt fehlt nur noch der Trainer

Zwei US-Boys verstärken den ESV Gebensbach

Der ESV Gebensbach hat zwei US-Amerikaner verpflichtet. Einer von ihnen war auf der Suche nach einer Eishockeymannschaft in der Nähe von München – und kam so auf den Bezirksligisten.

Gebensbach – Jetzt fehlen nur noch ein neuer Trainer und die Gewissheit, dass ab Herbst wieder Eishockey gespielt werden kann. Seinen Mannschaftskader hat der ESV Gebensbach für die Bezirksliga-Saison jedenfalls so gut wie komplett zusammen. Für Ex-Trainer Alexander Schrödinger ist zwar noch kein Nachfolger gefunden worden, aber mit dem derzeitigen Kader kann Sportleiter Alex Aigner „ganz gut leben und durchaus in eine Saison starten“.

Vom 19-Mann-Kader der abgelaufenen Saison werden womöglich ein oder zwei aufhören, aber es gab auch Zuwachs: zwei US-Amerikaner. Bereits Ende Januar hatte sich Tyler Jansen bei Aigner gemeldet. Er sei ein Eishockeytorhüter, „der mal in Deutschland spielen möchte“.

US-Amerikaner sucht Eishockeyclub um München und findet Gebensbach

Bei der Suche nach einem Club in der Nähe Münchens sei er dabei auf den ESV Gebensbach gestoßen, nicht zuletzt „weil mit Nicholas Emmendorfer bereits ein US-Amerikaner im ESV-Kader aufgeführt ist“. In der Eishockey-Datenbank Rodi-db wird der 25-Jährige mit seiner US-Staatsbürgerschaft aufgelistet. Geboren ist Emmendorfer in Erding. Gespielt hat er auch noch nie woanders als in Bayern und ist auch kein transferkartenpflichtiger Ausländer.

Jansen spielte in der abgelaufenen und wegen Corona auch abgebrochenen Saison mit den West Bend Bombers in der GLHL. Diese Great Lakes Hockey League ist eine Elite-Amateur-Eishockeyliga mit Teams aus Kanada und den USA.

GLHL-Niveau zwischen Bayern- und Oberliga

Aigner besprach sich mit John Samanski. Der gebürtige Kanadier ist Vater von vier Eishockey spielenden Söhnen. Der 25-jährige Patrik spielt beim ESV, Neal (21) mit Iserlohn in der DEL, der 14-jährige Noah bei RB Salzburg und der 18-jährige Joshua in Kanada in der Ontario Hockey League. Stippvisiten in seinem Geburtsland sind somit immer wieder mal angesagt. Auch so kennt sich der 57-Jährige bestens aus. „Diese GLHL ist zwischen Bayern- und Oberliga einzuordnen.“ Den 25-jährigen Torhüter solle der ESV „angesichts der Liga und seinen Einsatzzeiten sofort nehmen“.

Aigner wurde somit aktiv, und eine Wohnung ist auch schon fix. Für ein Selfie schickte er Jansen ein Paket mit ESV-Trikot und Kappe, und da wurde es kurios. Nach zwei Wochen kam es im gut 32 000 Einwohner zählenden West Bend im US-Bundesstaat Wisconsin an, drin war nur noch das Trikot. Dafür aber je ein Buch in Englisch und Chinesisch sowie Collegeblock in Chinesisch. Aigner nahm es gelassen: „Hätte ich mich in der von Corona beherrschten Zeit auch noch mit dem amerikanischen Zoll rumschlagen sollen?“

Außer einer Transferkarte kostet Jansen den ESV nichts

Um alle anderen Formalitäten hat sich Jansen selbst gekümmert. Er plant nun für Mitte August den Flug. Tyler Jansen mit den Gardemaßen von 193 Zentimetern und 79 Kilo ist gelernter Maler, Leiter von sehr gut gebuchten Torhüter-Schulen und nach eigener Aussage finanziell unabhängig.

Aigner betont, dass der Neue den ESV außer der Transferkarte nichts kostet. Dies treffe auch auf den zweiten Übersee-Import zu. Denn ganz kurzfristig hat sich der 23-jährige Aaron Bessey noch mit angeschlossen. Das Duo ist befreundet seit einer gemeinsamen Saison 2014/15 mit den Tulsa jr. Oilers in der WSHL, einer Junioren-Amateurliga. Bessey stürmte zuletzt mit den Battle Creek Rumble Bees in der FPHL, der Federal Hockey League im Osten der USA, ehe der Anruf beim Sportlichen Leiter des ESV Gebensbach folgte. Battle Creek ist eine rund 50 000 Einwohner zählende Stadt im Bundesstaat Michigan. Das gebuchte „Ferien-Appartement“ sehen beide für groß genug an und werden somit zusammen beim ESV landen – wenn nicht Corona noch dazwischen funkt.

Helmut Findelsberger

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