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Jubel mit den Fans: Die EVM-Spieler nach dem klaren Erfolg gegen Germering.

Die Tolle-Show beim EV Mittenwald

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Zweimal glatt gewonnen: Das Eishockeyteam des EV Mittenwald feiert den größten Erfolg seit vielen Jahren und zieht durch ein 7:2 gegen Germering ins Finale der Bayerischen Bezirksliga-Meisterschaft ein. 

Mittenwald – Gut eine Minute vor dem Ende war’s, als das Mittenwalder Publikum eher zaghaft die Stimme erhob. „Fiiiinaaalleee“ skandierten einige wenige auf der eigentlich gut gefüllten Tribüne vor der Stadionwirtschaft. Sicher 250 Zuschauer waren gekommen. Doch lange Zeit hatte die Vorherrschaft den Fans der Germering Wanderers gehört. Die waren sogar mit einer Trommel angerückt. Doch so lautstark die Anhänger sich gaben, so wenig hatten unterm Strich ihre Eishakler dem EV Mittenwald entgegenzusetzen. Die Gastgeber zeigten am Samstagabend in ihrer Arena, wer Herr im Hause ist und machten bereits in Spiel zwei der Halbfinal-Serie in der Bezirksliga alles klar. Mit 7:2 fegte der EVM die Germeringer vom Eis. Damit zog die Mannschaft ins Endspiel gegen Bayreuth ein und hat die sportliche Qualifikation für die Landesliga geschafft.

Er macht den Unterschied: Nico Tolle (r.) erzielt fünf Treffer.

Angeführt wurde der EVM vom überragenden Nico Tolle, der fünf Treffer erzielte. „Der Kerl ist unglaublich“, urteilt Trainer Christian Mayr über den Stürmer. „Er hat in dem Spiel den Unterschied gemacht.“ Der EVM-Coach hob den Torjäger zwar heraus, aber er verneigte sich genauso vor seinem gesamten Kollektiv. „Das ist ein brutal guter Haufen“, lobt er. „Die Mannschaft hat einen Super-Job gemacht, den Erfolg hat sie sich verdient.“ Symbolisch zog er in der Kabine den Hut, oder eben sein Cap, vor den Spielern.

Die Partie am Samstag war ein souveräner Auftritt der Mittenwalder. Die junge Germeringer Mannschaft versuchte zwar ihr Möglichstes, den EVM zu stoppen, doch kristallisierte sich gerade die erste Formation der Gastgeber als zu stark heraus. Tolle, Corey Morgan und Louis Mutz wirbelten ohne Unterlass und hätten deutlich mehr Treffer erzielen können. Dieses Glück blieb an diesem Abend allein Tolle vorbehalten. Dafür schnürte der Ex-Riesserseer, der nach einer schweren Gehirnerschütterung nur mehr im Amateurbereich spielen kann, gleich einen Fünferpack. „Ich hab’ vor dem Spiel mit ihm geredet, da sagte er mir schon, dass er so heiß ist, dass er in der Nacht davor kaum schlafen konnte“, verrät Mayr. Der Coach hatte die Reihe gegenüber der Hauptrunde vor dem Start in die Playoffs noch ein wenig umgebaut: Korbinian Gallenberger nahm er heraus, packte stattdessen Mutz zum Top-Duo. Ein guter Schachzug.

Applaus von den Fans: Rund 250 Zuschauer waren live dabei und feierten mit der EVM-Mannschaft

Das Trio war auch für das 1:0 verantwortlich. Wobei: Den Treffer legten im Grunde die Germeringer durch einen Fehlpass im eigenen Drittel auf. Tolle netzte eiskalt ein. EVM-Routinier Stephan Wilhelm quittierte die Aktion vor der Wanderers-Bank mit einem schelmischen „Daaankeee“ an den Gegner.

Die Gäste allerdings steckten nicht auf. Beim EVM lief zu Beginn vieles noch ein wenig umständlich. Die Spieleröffnung klappte nicht reibungslos. Und tatsächlich fing sich die Mannschaft das 1:1 nach einem verdeckten Schuss ein, gegen den Goalie Raphael Matha machtlos war. „Wir haben ein bisschen den Faden verloren“, stimmt Mayr zu. „Das 1:1 war dann schon okay.“

Der Goalie als sicherer Rückhalt: Raphael Matha pariert hier einen wichtigen Penalty

Die Weichen auf Sieg stellten die Mittenwalder direkt mit Beginn von Abschnitt zwei. Innerhalb von zwei Minuten schlugen Tolle, Routinier Günter Berléung und Wilhelm zu. 4:1 – da wurde es Germering zu bunt. Daniel Schmidt, früher Goalie beim SCR und in Farchant, kam in den Kasten. Die Wanderers versuchten es mit dem Mut der Verzweiflung. Mittenwald wankte ein wenig. Mayr dachte schon an eine Auszeit. Doch Torhüter Matha hielt sein Team auf Kurs. „Er hat das hervorragend gemacht“, betont Mayr. Und dann schlug Tolle wieder zu. Sogar in Unterzahl. Matha parierte noch einen Penalty der Gäste. Spätestens da war die Messe gelesen. „Das letzte Drittel haben wir dann souverän heruntergespielt.“

Neben dem Finaleinzug hat der EVM damit auch den Aufstieg in die Landesliga gepackt. „Rein theoretisch“, schränkt Mayr ein. Noch immer haben sich die Verantwortlichen nicht endgültig ausgetauscht, ob sie die Herausforderung angehen. „Wir müssen uns unter der Wochen zusammensetzen“, sagt der Coach. „Das Ganze muss Sinn machen.“ Und dabei geht es nicht nur um die Finanzen. „Es haben schon ein paar Spieler gesagt, dass sie gerne aufhören würden.“ Daher müsse man auch das Sportliche betrachten. Reines Kanonenfutter wolle eine Klasse weiter oben keiner sein. „Das gilt es alles abzuwägen.“ Erst einmal aber gibt es noch ein Finale zu bestreiten.

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