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Per Zoom-Meeting trifft sich die U 13 des EV Moosburg zum Cyber-Training.

Eishockey

Moosburgs Nachwuchs-Puckjäger powern sich vor dem Bildschirm aus

Corona macht‘s nötig, die Technik macht‘s möglich: Das U13-Eishockey-Team des EV Moosburg setzt in Lockdown-Zeiten auf Cyber-Training.

Moosburg – Lukas Hölzl legt seine Gymnastikmatte zurecht und stellt den Laptop in Sichtweite auf. Der Zehnjährige bereitet sich auf das Training des U13-Eishockey-Teams vom EV Moosburg vor. Gleich werden sich seine Mitspieler und Coach Ilker Eris zur Cyber-Übungseinheit einloggen.

Für den Schüler aus der Dreirosenstadt ist Gymnastik mit Webcam und Bildschirm fast schon Routine. Denn der EVM war einer der ersten Vereine im bayerischen Eishockeysport, der diese Trainingsform bereits im März beim ersten Lockdown für seinen Nachwuchs angeboten hatte. „Ich hab’ mir das ein bisschen vom großen FC Bayern München abgeschaut, weil die das damals auch gemacht haben“, erinnert sich Übungsleiter Ilker Eris an die Anfänge. „Da dachte ich mir, das kann ich mit meinen Kids auch machen. Denn nicht alle haben die Möglichkeit, in den Garten oder in den Hof rauszugehen, um zu spielen oder sich zu bewegen. Und bevor sie vor der Konsole rumsitzen, machen wir Training von daheim aus, damit die Kinder für die Saison fit werden.“

Fleißig: Lukas und seine Teamkollegen trainieren während des Lockdowns weiter.

Umgesetzt hat der U13-Trainer diesen Ansatz mithilfe der Zoom-Videokonferenzsoftware, die auf Mobiltelefonen, Tablets, Computern und Laptops funktioniert. Zwar sei es am Anfang noch zu kleineren technischen Problemen gekommen, die seien aber alle schnell behoben gewesen. Eris erstellt meist einen Tag vor dem Training ein Meeting und schickt den entsprechenden Link an seine Schützlinge, die sich dann einloggen. Per Split-Screen können sich alle Teilnehmer sehen.

Im ersten Lockdown, als die Kinder auch nicht zur Schule durften, gab es das Training alle zwei Tage. Derzeit geht die U 13 zwei- bis dreimal die Woche online. Jede Einheit dauert zirka eine Stunde. Mehr als die Hälfte der Zeit wird die für Eishockeyspieler wichtige Haltegymnastik gemacht, dadurch soll insbesondere die Rumpfmuskulatur gestärkt werden. Danach geht es weiter mit Intervalltraining – bei Liegestützen, Hampelmann und Sit-Ups powern sich die Nachwuchs-Eishackler richtig aus.

„Das Training ist teilweise ganz schön hart.“

„Es macht schon Spaß, das Cyber-Training ein-, zweimal die Woche zu absolvieren. Vor allem ist es schön, dass man sich so mit den Freunden aus der Mannschaft treffen kann. Auch wenn das Training teilweise ganz schön hart ist“, erzählt Lukas Hölzl. Coach Eris turnt jede einzelne Übung vor und korrigiert seine Schützlinge danach am Bildschirm. Als kleine Hausaufgabe dürfen sich die Puckjäger ihre Lieblingsübung für die kommende Stunde überlegen und diese dann der ganzen Gruppe präsentieren.

Obwohl dem zehnjährigen Lukas das virtuelle Training Freude macht, vermisst er die Zeit auf Schlittschuhen im Eisstadion. Dort eifert er seinem großen Vorbild Leon Draisaitl nach, der in der NHL als deutscher Spieler bei den Edmonton Oilers Rekorde aufstellt. Es ist also kein Wunder, dass Lukas auf seiner Konsole am liebsten das NHL-Spiel von EA Sports zockt.

Beim Cyber-Training wird Lukas auch mal von seiner siebenjährigen Schwester unterstützt. Die macht dann bei den Übungen mit. Kein Problem für Trainer Ilker Eris. Der weiß, dass seine Mannschaft mit viel Herzblut dabei ist und lässt die Kinder auch mal Kind sein. Der 30-jährige Übungsleiter absolvierte 2011 ein Trainerpraktikum im Verein und machte ein Jahr später den Trainerschein. Seitdem betreut er die U 13.

Moosburger Nachwuchs-Eishackler in der Erfolgsspur

Eris war in seiner Jugend selbst als Verteidiger beim EV Moosburg auf dem Eis und blickt als Trainer seines Nachwuchsteams auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2020 zurück: Im März beendete die Moosburger U 13 die Bezirksliga-Gruppe 4 als ungeschlagener Tabellenführer – 16 Siege aus 16 Spielen standen zu Buche. Die letzten beiden Partien in Fürstenfeldbruck und gegen Dachau endeten mit 12:1 und 9:0 für den EVM-Nachwuchs. Vor der aktuellen Saison vereinbarte man mit dem zweiten U13-Team des EV Landshut eine Spielgemeinschaft. Mit der breiteren Spielerbasis schlug sich der Aufsteiger in der Landesliga-Gruppe 4 seit Anfang Oktober ganz beachtlich: Zwölf Punkte aus sechs Partien sind eine stolze Serie, die nun aber vom Lockdown unterbrochen wurde. Freilich hoffen Eris und seine Cyber-Trainingsgruppe, dass sie bald auf das Eis zurückkehren dürfen, um die Erfolgsbilanz weiter auszubauen.

Starke Truppe: Ilker Eris (r.) und sein Nachwuchsteam waren auf dem Eis im Jahr 2020 überaus erfolgreich.

„Sollte die Saison ganz abgesagt werden, wäre das für mich und die Kinder wie eine Watschn. Also sehr negativ“, sagt Eris. „Ich denke, dass ich das Cyber-Training weitermachen werde, da die Kinder neben der Schule noch eine andere Beschäftigung und Bewegung brauchen. Auch der soziale Aspekt würde sonst fehlen.“ Denn immerhin handle es sich um eine Mannschaft – „die lebt vom Miteinander und letztlich auch davon, dass man mal gemeinsam Blödsinn macht oder nur redet“.

Die Corona-Regelungen gingen für ihn zu weit: „Die Kinder gehen ja trotzdem in die Schule und haben Kontakt mit anderen. Den Trainingsbetrieb könnte man da schon aufrechterhalten, weil die Hygienemaßnahmen beim EVM strikt eingehalten werden. Dadurch hatten wir auch noch keinen Fall bei uns.“ Anders schaue es beim Punktspielbetrieb aus: „In der jetzigen Situation braucht nicht unbedingt jemand aus Schweinfurt nach Moosburg zu fahren, wo dann 40 Kinder auf dem Eis sind – und einer von ihnen ist vielleicht infiziert. Doch der Trainingsbetrieb wäre schon wünschenswert. Ich habe sonst auch etwas Angst, dass einige Kinder mit dem Eishockey aufhören.“

Josef Fuchs

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