Warum eine Eishockey-WM schön ist

Immer Matchday

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
    schließen

Das ist nett vom Fußball: Er hat wesentliche Fragen geklärt. Es sind nur noch ein paar Nuancen zu klären, etwa wie Wolfsburg, Leverkusen und der HSV doch nicht absteigen. Ansonsten alles wunderbar: Bayern und Dortmund sind im Saisonausklang und behelligen uns nicht mehr mit der Illusion, ein deutscher Klub könne die Champions League gewinnen.

Bühne frei also fürs Eishockey! Den Sport, in dem Deutschland nie einen Titel gewinnen wird. Macht aber nichts: Dafür bekommt Deutschland ziemlich oft die Austragung einer Weltmeisterschaft zugesprochen. Allein in diesem Jahrtausend schon zum dritten Mal: 2001, 2010, 2017. Und das ohne Bestechung oder ohne Beitragszahlungen zu Kulturprogrammen. Wer wie der Deutsche Eishockey-Bund immer knapp bei Kasse ist, der hat kein Geld, um irgendjemanden zu schmieren. Einige Zeit hatte der Verband sogar Hypotheken auf seinem „Haus des Eissports“ in München lasten. Und bezeichnend ist auch, dass jeder, der in der Zentrale, die auf den unwissenden Betrachter wie eine Dauerausstellung „Büromöbel in den 70er-Jahren“ wirkt, auch im WM-Organisationskomitee ran muss. Es hat seine Berechtigung, wenn man von der „Eishockey-Familie“ spricht.

Was an einer Eishockey-Weltmeisterschaft auch wunderbar ist: die Kompaktheit des Formats. Es fordert mehr Spiele als im Fußball, schweift aber zeitlich nicht so aus. Bei Fußball-EM oder WM wurde inzwischen dieses komische Kalendarium eingeführt, dass der Tag vor dem Spiel „Matchday -1“ und der danach „Matchday +1“ heißt. Herrje! Wenn wir da das deutsche Auftaktprogramm anschauen: Am, Freitag ist Matchday, man spielt gegen die USA. Zugleich ist dieser Matchday auch schon ein Matchday -1, denn am Samstag geht es gegen Schweden. Der Matchday +1 am Sonntag ist im Nebenjob ein Matchday -1, denn am Montag ist Matchday. Gegen Russland. Drei Spiele in vier Tagen – da entfällt zwangsläufig das Nachbetrachten und Sicheinstimmen. Die Eishockey-WM: ein einziger Parforceritt.

Es soll aber nicht verschwiegen werden: Das kann die Teams stressen. Vor allem psychisch. Dagegen gibt es aber ein Mittel: An freien Tagen spielen Eishackler zur Regeneration einfach mal Fußball.

Auch interessant

Kommentare