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Das Erlebnis Olympia fehlte: Korbinian Holzer erlebte den Silbercoup wegen des NHL-Boykotts nicht mit. 

Interview mit NHL-Profi

Holzer: „Es ist immer ein Kampf da drüben“

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Seit neun Jahren spielt Korbinian Holzer in der NHL. Im Interview spricht der Verteidiger von den Anaheim Ducks über seine Reha in Deutschland und erklärt, warum es so schwer ist, sich in der besten Eishockey-Liga der Welt durchzusetzen.

Geretsried – Seit neun Jahren spielt Korbinian Holzer in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt. Seit sich der Geretsrieder im September am Handgelenk operieren lassen musste, arbeitet der Verteidiger der Anaheim Ducks in München an seinem Comeback. Nebenbei kommentiert er Eishockey-Spiele und hat die Patenschaft für die Qualifikation zur Deutschen Pondhockey-Meisterschaft am Tegernsee übernommen. Im Interview spricht der 30-Jährige über seine Zukunft, die deutschen Spieler in der NHL und den Wechsel von Bundestrainer Marco Sturm zu den Los Angeles Kings.

Herr Holzer, was für eine Verletzung haben Sie eigentlich?

Ich habe mir den Diskus im Handgelenk gerissen. Die OP ist jetzt fast zehn Wochen her, und die Reha läuft ganz gut. Es dauert halt einfach seine Zeit. Aber jetzt gerade ist ein Punkt erreicht, wo ich froh wäre, wenn ich mal wieder aufs Eis könnte (lacht).

Wann können Sie denn wieder spielen?

Vorausgesagt waren fünf bis sechs Monate. Ich hoffe natürlich, dass es schneller geht. Wenn ich im Januar wieder spielen könnte, wär’s schon super.

Warum sind Sie in Deutschland operiert worden und nicht in den USA?

Hintergrund ist, dass meine Freundin und ich in der Zeit, in der die OP geplant war, das zweite Kind bekommen haben. Aufgrund der Wundheilung hätte ich aber zwei bis vier Wochen nicht fliegen dürfen. Da war ich froh, dass Anaheim zugestimmt hat.

Auch neben der Reha sind Sie derzeit gut beschäftigt.

Genau. Ich habe bei Sport1 das Champions-League-Spiel München gegen Zug co-kommentiert. Auch bei den Tölzer Löwen bei Sprade-TV bin ich ab und zu mal dabei. Das macht schon Spaß, aber ist natürlich nicht so schön, wie selber zu spielen.

Wäre das etwas für die Zeit nach der Karriere?

Ich will da nichts ausschließen, und im Großen und Ganzen könnte ich es mir schon vorstellen. Aber die Richtung Trainer wäre mir schon ein bisschen lieber.

Bis dahin dauert es ja noch. Wie lange haben Sie in Anaheim noch Vertrag?

Das ist jetzt meine letzte Saison, und dann muss man schauen. Ich denke, man muss erst mal abwarten, wie die Verletzung verheilt und wie’s dann läuft, wenn ich wieder spiele. Es kann da drüben immer mal passieren, dass man getradet wird. Ich würde jetzt auch nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass das im Laufe der Saison noch passiert. Aber jetzt muss ich erst mal fit werden, und dann schauen wir weiter.

Fühlen Sie sich in Nordamerika wohl?

Das ist jetzt mein neuntes Jahr drüben. Ich hatte mit Toronto und Anaheim bislang zwei Städte, die super waren. Anaheim ist natürlich von der Lebensqualität her Wahnsinn, wenn du immer 15 bis 30 Grad hast. Du kannst wirklich jeden Tag, auch im Winter, mit Flipflops und kurzer Hose ins Stadion gehen.

Und es ist die NHL.

Das kommt natürlich noch dazu. Vom Sportlichen her ist es sowieso das Beste, was geht. Und wenn du in der Liga an so einem Ort spielen darfst, ist es das perfekte Szenario.

In Nordamerika stehen derzeit mit Brooks Macek und Dominik Kahun auch zwei ehemalige Münchner unter Vertrag. Verfolgen Sie die beiden?

Ich krieg’s nebenbei schon immer mit, dass es bei Brooks in der AHL (Farmteamliga, Anmerk. d. Red.) ganz gut läuft. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er mal in Vegas eine Chance bekommt.

Dominik Kahun hat es direkt in die NHL geschafft.

Er macht eine gute erste Saison, soweit ich das mitbekomme. Man muss sich natürlich erst an die Intensität gewöhnen. Du hast sehr viel mehr Spiele in kurzer Zeit. Jedes Spiel ist vergleichbar mit einer ganzen Playoff-Serie in der DEL. Es gibt keine Mannschaften, wo du mal eine Pause machen kannst und sagen: Heut’ spiel’ ich mal auf einem Bein. Du musst in jedem Spiel Vollgas geben, wenn du deinen Platz behalten willst. Man muss sich auch erst an die ganze Fliegerei und die Zeitverschiebung gewöhnen. Vor allem als junger Spieler.

Trauen Sie den beiden zu, dass sie sich durchsetzen?

Ja, schon. Bei Kahun ist es ja wirklich so, dass er sich mittlerweile ein gutes Standing erspielt hat. Da heißt es dran bleiben und so weiter machen. Und Brooks macht das in der AHL überragend, das ist nur eine Frage der Zeit.

Nicht geklappt hat es bei Yasin Ehliz, der in die DEL zurückgekehrt ist.

Es ist wirklich schwer da drüben. Es sind viele Spiele, und es herrscht großer Konkurrenzkampf. Man muss auch irgendwo das nötige Glück haben und die Chance kriegen, sich zu zeigen. Es gibt in der AHL ja die Ältesten-Regel, wonach nur fünf ältere Spieler eingesetzt werden dürfen. Wenn man da dann drunter fällt, wird es doppelt schwer. Es ist klar, dass das irgendwann frustrierend ist und wenig Sinn hat, wenn man schon einer der älteren Spieler ist und Erfahrung im Profi-Eishockey hat.

Wie schwer ist es, sich in der NHL durchzusetzen?

Es muss einiges passen. Es ist drüben auch viel Politik dabei. Wenn du als Spieler von außen reinkommst, ist es schwer. Ich hab’s jetzt auch in Anaheim manchmal gemerkt. Die eigenen Spieler, oder die Spieler, die von der Organisation gedraftet worden sind, kriegen die eine oder andere Chance mehr. Es ist natürlich die Leistung entscheidend. Aber es ist als Auswärtiger immer ein bisschen schwieriger. Man muss sich seine Chance doppelt erarbeiten. Man muss sich einfach durchbeißen. Es ist immer ein Kampf da drüben.

Nicht nur Deutsche spielen in der NHL. Mit Marco Sturm gibt es nun auch einen deutschen Co-Trainer. Was zeichnet den ehemaligen Bundestrainer aus?

Der Sturmi ist, wie man so schön sagt, ein Players-Coach. Er ist ja noch nicht so lange raus. Er weiß daher, wie die Spieler ticken. Er ist eine Autoritätsperson, eine Respektsperson. Er hat viel erreicht in seiner Karriere. Wenn er etwas sagt, hat das Gewicht. Die Jahre, die ich die Chance hatte, unter ihm zu spielen, waren super. Und für das deutsche Eishockey ist es eine große Auszeichnung, dass er die Möglichkeit in LA bekommen hat.

Es ist aber auch ein großer Verlust.

Klar, für uns ist es schwierig. Man muss jetzt den perfekten Ersatz finden, der den Weg weitergeht und auch die jungen Spieler wieder so einbindet.

Sie haben unter Sturm erfolgreich die Olympia-Qualifikation gespielt, durften dann aber aufgrund des NHL-Boykotts nicht nach Pyeongchang. Wie sehr hat das geschmerzt?

Im Nachhinein ist es doppelt bitter. Es ist aber auch schwer einzuschätzen, ob man die Silbermedaille geholt hätte, wenn alle Spieler aus der NHL dabei gewesen wären. Aber mich freut’s sehr, was dabei rausgekommen ist. Ich habe natürlich die Spiele angeschaut. Auch das in der Früh um fünf gegen die Kanadier. Ich war da schon voll dabei und habe mitgefiebert.

Unabhängig vom Erfolg: Die Chance auf Olympische Spiele bekommt man nicht oft in seiner Karriere.

Klar, als Spieler ist es schwer zu verstehen, warum man von der Liga aus nicht mitspielen darf. Man muss halt auch die Hintergründe der Liga sehen. Ich hatte das Glück, dass ich 2010 in Vancouver dabei sein durfte, was Wahnsinn war. Eishockey ist die Sportart Nummer eins in Kanada, und die Aufmerksamkeit war nur auf das Eishockey-Turnier gerichtet. Wir durften in der Ausscheidungsrunde dann auch noch gegen Kanada spielen – vor vollem Haus. Damals war ich 22, das war natürlich schon eine Erfahrung.

Welche Erfahrung würden Sie noch gerne machen?

Am liebsten wäre mir natürlich die Erfahrung Stanley Cup, aber da muss schon einiges passen. Das wäre aber der Traum, ganz klar. Olympia 2022 wäre auch noch mal toll. Oder natürlich auch irgendwann und irgendwo ein nationaler Titel.

Das Gespräch führte
Julia Pawlovsky

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