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Der Deutsche Moritz Müller (l) wird von Justin Papinea aus Kanada bedrängt.

Eishockey-Nationalmannschaft

Krupp öffnet seine Wundertüte - Glänzendes Debüt von Richard Mueller

Köln - Uwe Krupp beeilte sich mit der Klarstellung. Wenige Minuten nach dem 3:0 (0:0, 1:0, 2:0)-Testspielsieg des deutschen Eishockey-Nationalteams in Köln gegen Rekord-Weltmeister Kanada machte der Bundestrainer den sportlichen Wert des Geschehens deutlich: "Das ist ein guter Schritt, aber ich bewerte es nicht zu hoch."

Dem 43-Jährigen und den 9865 Zuschauern in der Lanxess-Arena war bewusst, dass der erste Erfolg gegen die Kanadier seit November 2001 wenig Aussagekraft besaß, weil die Nordamerikaner lediglich eine C-Auswahl ohne NHL-Profis auf das Eis geschickt hatten.

Doch der 22. Sieg im 122. Aufeinandertreffen mit Kanada nährte die Zuversicht auf ein erfolgreiches Abschneiden beim Deutschland-Cup mit Spielen gegen Vorjahressieger Schweiz an diesem Freitag in Mannheim, gegen die Slowakei am Samstag in Frankfurt/Main und erneut gegen die Kanadier am Sonntag in Mannheim. Letztmals entschied eine Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) den Deutschland-Pokal 1996 für sich, diesmal darf sich der WM-Zehnte etwas ausrechnen, obwohl der Gesamterfolg für Krupp keine Priorität einnimmt.

"Der Deutschland-Cup hat eine etwas andere Kategorie. Für uns ist es wichtiger, die Spieler in jeder Partie einzeln zu bewerten", sagte Krupp. Jeder soll die Chance bekommen, sich für die Olympia-Qualifikation im Februar in Hannover und die Weltmeisterschaft im April/Mai 2009 in der Schweiz zu empfehlen. "Bei uns fehlt ein wenig die Eingespieltheit. Ich hätte gern mehr Möglichkeiten", räumte Krupp ein Defizit ein. Doch die Terminhatz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) macht ein Mehr an Vorbereitung zum schwierigen Unterfangen.

Der Status quo indes stellte Krupp zufrieden: "Das erste Spiel einer Saison ist immer ein bisschen eine Wundertüte." Vor allem Debütant Richard Mueller von den Hamburg Freezers und Torhüter Youri Ziffzer vom deutschen Meister Eisbären Berlin überzeugten. Der 26-jährige Mueller, der nahe der künftigen Olympiastadt Vancouver geboren ist, erzielte bei seinem Debüt im DEB-Trikot in der 30. und 44. Minute die Treffer zum 2:0. Und auch das dritte Tor acht Sekunden vor der Schlusssirene durch Vereinskollege John Tripp war das Produkt eines gebürtigen Kanadiers.

"Richard Mueller hat internationale Klasse. Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von ihm", lobte Krupp den gegen Kanada besten der vier Neulinge im Nationalteam. Mueller, dessen Vater Maximilian gebürtiger Deutscher ist, bekam vor zwei Jahren den deutschen Pass und ist jetzt "stolz darauf, für Deutschland spielen zu können". Alle Neuen hätten sich sofort integriert, seien "problemlose Kandidaten, die sich innerhalb kürzester Zeit eingelebt haben", urteilte Krupp.

Seine früheren Landsleute konnten Mueller am Mittwochabend kaum stoppen. Doch Mueller und Krupp wissen, dass die Ernstfälle Olympia-Qualifikation und WM ein anderes Kaliber darstellen. Doch ein wenig träumen will Mueller schon jetzt: "Es wäre Wahnsinn, die Olympischen Spiele in Vancouver für Deutschland bestreiten zu können." Die Basis hierfür hat der Profi bei seinem Debütanten-Ball geschaffen.

Von Dietmar Fuchs, dpa

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