Kommentar zur Halbfinal-Serie München - Mannheim

So geht das Eishockey kaputt

Eishockey ist – der Olympia-Effekt – angesagt, daher schauen mehr Leute hin als früher. Das ist gut, einerseits. Kontraproduktiv ist es aber, wenn eine Serie so läuft wie die im Halbfinale zwischen München und Mannheim. Hier geht gerade das Stück Kultur kaputt, mit dem sich das Eishockey über Jahrzehnte und auch in sportlich tristen Zeiten hat schmücken können: Dass man anders ist als Fußball. Dass man trotz aller lokalen Rivalitäten sich der Gemeinsamkeit bewusst ist, einer kleinen Sportart anzuhängen. Im Eishockey war es üblich, dass verbale Derbheiten ein Ende hatten, wenn ein Spieler verletzt auf dem Eis lag, dann hat die Sportsmanship gesiegt. An diese Grenzziehung hat man sich gehalten, in Eisstadien sah man immer Fans in Trikots verschiedener Couleur nebeneinanderstehen, ihr Bier trinken und fachmännisch über ihren Sport sprechen.

Die Münchner Szene, vor allem ihr Kern, die Nordkurve, isoliert sich zunehmend. Ihr Verhalten in der Aufarbeitung des Falls Steve Pinizzotto, der mit einem groben Foul, das die Liga mit fünf Spielen Sperre und einer Geldstrafe ahndete, den Mannheimer Matthias Plachta verletzte, ist inhaltlich absurd und ethisch inakzeptabel. Als Plachta nach vier Tagen wieder spielt, wird er als „Schauspieler“ beschimpft – als wäre er Täter, nicht Opfer.

Und der Verein (oder die GmbH, die das Projekt Eishockey in München finanziert), lässt das alles treiben. Kein Aufruf, dem Gegner fair zu begegnen. Keine Ansage des Trainers an seinen Problemspieler, die ständigen Provokationen zu unterlassen (und noch immer nicht hat Don Jackson seine unhaltbare Aussage, Pinizzottos Check sei sauber und korrekt gewesen, widerrufen). Leider auch keine Stellungnahme aus Mannschaftskreisen, dass man zu den Siegen doch bitte ohne Eskalation von Härte kommen möge. Und nicht mal ein Social-Media-Sorry von Pinizzotto – was schon viel bewirken könnte. Wenn man etwas bewirken wollte.

Um das klarzustellen: Auch die Mannheimer sind keine Engel; am Montag lagen Checks von zwei ihrer Spieler im sanktionspflichtigen Bereich. Und die Adler hatten vor einigen Monaten etwas Ähnliches wie einen Fall Pinizzotto (Thomas Larkin in der Champions League) und dabei eine miserable Krisenkommunikation. Doch im Moment ist München der größere Aggressor und stünde in der Verantwortung, zu reagieren.

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