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Die CHL hat er mit Ingolstadt erlebt: Peppi Heiß, Ex-Nationaltorwart. 

Peppi Heiß: „Man sieht: München hat einen Plan“

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Peppi Heiß war Co-Trainer beim EHC München, der heute in der Champions League zum Halbfinal-Rückspiel in Salzburg antritt. Der ehemalige Nationaltorwart freut sich darauf, dieses Spiel am Fernseher mitzuverfolgen. Dass er das kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Vorigen Mai erlitt Heiß bei einem Motorradunfall schwerste Verletzungen. 

München– Der EHC München tritt heute um 20.20 Uhr in Salzburg zum Rückspiel in der Champions Hockey League (CHL) an. Halbfinale, Teil zwei. Aus der ersten Partie steht das seltene Eishockey-Ergebnis eines 0:0. Möglich nur in diesem Wettbewerb in der K.o.-Phase – sonst wird bei Unentschieden immer verlängert.

Die Fans des EHC, die in München in der Nordkurve stehen, sangen vor einer Woche „Europapokal, Europapokal“ – so wie man es von den Fußballmatches des FC Bayern kennt. Dort kommt aus der Südkurve dieser Schlachtgesang – er erinnert an die guten alten Zeiten, in der man Cup-Wettbewerbe noch nicht League nannte.

Im Eishockey hat diese Entwicklung vom Pokal zum internationalen Ligenformat ebenfalls stattgefunden – und wenn man Leute sucht, die diesen Weg begleitet haben, dann stößt man auf den ehemaligen Nationaltorwart Peppi Heiß. „Europacup habe ich sogar noch mit dem SC Riessersee gespielt“, erinnert er sich an die frühen 80er-Jahre, „und danach mit Köln und Düsseldorf“. Er denkt gern an diese Zeiten. „Als Spieler hat das immer Riesenspaß gemacht und einen auf ein anderes Level gehoben.“ Zweimal war in Köln im alten Stadion an der Lentstraße Finalturnier, einmal mit ZSKA Moskau („Und da muss man nicht fragen, wer gewonnen hat“), einmal war Turku nur einen Ticken stärker als Heiß und die Haie.

Die Champions Hockey League, das neue Format, hat Peppi Heiß dann als Co- und Torwarttrainer mit dem ERC Ingolstadt erlebt, der sogar einer der Gesellschafter und Gründungsmitglied der CHL war. Auch hier sagt er: „Attraktiver Wettbewerb. Die Fans haben es vielleicht noch nicht so kapiert.“

Heiß sagt, er freue sich auf das Rückspiel, das nun zwischen Red Bull Salzburg und dem EHC Red Bull München, in dessen Trainerstab er in den ersten DEL-Jahren auch schon gearbeitet hat. Dass er dieses Spiel anschauen kann, daheim vor dem Fernseher, unbeschwert, das ist eine eigene Geschichte. Denn der 55-Jährige hatte im vergangenen Mai einen schweren Unfall.

Er war mit Kumpels im Motorradurlaub. Im Bosnien-Herzegowina, in Albanien. Auf der Rückfahrt durch Kroatien passiert es. „Eine Kurve. Ich bin wohl schon Zehntausende Kurven gefahren. Diesmal habe ich ein, zwei Sekunden nicht aufgepasst.“ Er hat dann gemerkt, dass er frontal in ein entgegenkommendes Auto („Der Fahrer war nicht schuld“) krachen würde. „Ich wurde angezogen wie ein Magnet.“

Vielleicht hat ihn gerettet, dass er Sportler ist. Er hat den Körper angespannt wie so oft beim Eishockey, „wenn du einen Check erwartest. Dann wurde es dunkel.“ Als er aufwachte auf dem Asphalt, waren die Freunde bei ihm, versorgten ihn. Er erlitt verschiedene Brüche. „Von der linken Hand quer rüber über die Wirbelsäule zum rechten Fuß.“ Es war ein schwerer Unfall mit schweren Verletzungen. Aber unterm Strich auch mit viel Glück: „Meine Zeit war wohl noch nicht gekommen.“

Es folgten Monate der Reha. Peppi Heiß musste akzeptieren, dass es ein anderer Wiederaufbau ist als früher nach einem Bänderriss oder mit einem gebrochenen Bein. Es war komplexer, „und du bist keine zwanzig oder 25 mehr“. Doch irgendwann kam auch der alte Trainingsspaß wieder durch. „Krafttraining wie früher in der Saisonvorbereitung.“ Die härteste hatte der Eishockeyspieler Heiß 1994 unter dem Russen Wladimir Wassiljew in Köln erlebt – da herrschte Trinkverbot. „In der Reha nicht.“

Ins Leben kehrte Normalität zurück. Als Trainer war Heiß im Januar 2018 zwar von den Eisbären Regensburg in der Oberliga freigestellt worden, doch er schaut wieder viel Eishockey. Sein Sohn Silvan spielt für den SC Riessersee, Neffe Marcus Weber ist Verteidiger bei den Nürnberg Ice Tigers in der DEL.

Was sich in München tut, findet Heiß gut. Ihm gefällt, „dass junge deutsche Spieler reingekommen sind. Man sieht: Sie haben einen Plan, sie fördern diese Spieler.“ Einige von ihnen sieht er, wenn sie mit Förderlizenz für Riessersee spielen.

Im CHL-Hinspiel hat ihn die Aggressivität von Salzburg überrascht, „da hätten die Schiedsrichter ein paar Strafen mehr aussprechen können“. Er sah weiterhin „zwei starke Torhüter“, glaubt aber, dass das heutige Rückspiel keine Defensivveranstaltung werden muss: „Da können auf jeder Seite auch mal drei bis fünf Tore fallen.“

Wird Peppi Heiß selber wieder als Trainer zu sehen sein? „Ich habe keine Pläne“, sagt er, „aber ich höre mich um. Das Wichtigste ist erst, richtig gesund zu werden.“ Er spürt den Unfall noch. Er wartet aufs Frühjahr: „Dann kommen die Nägel und Schrauben raus, und ich hoffe, dass alles wieder sein wird, wie es war.“

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