Diese Duelle gehören ab sofort der Vergangenheit an: Zur neuen Saison trennen sich die Wege von Forst (in weißen Trikots) und Farchant. Die Werdenfelser gehen freiwillig zurück in die Bezirksliga.
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Diese Duelle gehören ab sofort der Vergangenheit an: Zur neuen Saison trennen sich die Wege von Forst (in weißen Trikots) und Farchant. Die Werdenfelser gehen freiwillig zurück in die Bezirksliga.

Eishockey: Landesliga

SC Forst kann Farchanter Rückzug nicht nachvollziehen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Nach dem Abgang der reichen Klubs Buchloe, Kempten und Ulm ist die Landesliga künftig wieder ausgeglichener. Dennoch zog sich der TSV Farchant in die Bezirksliga zurück - sehr zum Unverständnis des SC Forst.

Forst/Landkreis Bislang teilte ein großer Graben die Eishockey-Landesliga: oben die Reichen, unten die Hobbyteams. Doch nun verlassen die Geldigen und ihre Bezahlspieler die Klasse Richtung Bayernliga. Die Forster freut das. Doch warum sich ausgerechnet die geschätzten Kollegen aus Farchant zurückziehen, verstehen sie nicht.

Das deutsche Eishockey hat gern ein wenig verächtlich auf die Landesliga in Bayern geblickt. Die zweite Liga von unten, die eigentlich den Hobbysportlern gehören sollte, war zu einem Synonym für Dekadenz und Größenwahn im Amateurbereich geworden. Die Summen, die dort an mehr oder minder begabte Importspieler ausgeschüttet wurden, überstiegen die Vorstellungskraft aller, die dem traurigen Spektakel nur zusehen durften – wie etwa Lorenz Barfüßer, Chef des Forster Eishockeys. „Wenn das Doppelte gezahlt wird wie in der Bayernliga, habe ich ein Problem. Das hat alles verfälscht“, sagt Barfüßer. Etats mit ordentlichen sechsstelligen Summen stellten die Top-Teams auf, hört man, was wiederum zeigt, wie krank dieses System war. Aber nun hat es eine Wunderheilung gegeben. Die besten drei Mannschaften, also auch die mit den meisten Bezahlspielern, steigen in die Bayernliga auf. Ulm/Neu-Ulm, Buchloe und Kempten – „die drei Krösusse“, so Forsts Vereins-Chef- sind weg. „Gott sei dank“, sagt Barfüßer. „Die Liga konsolidiert sich wieder.“

Eishockey: SC Forst kann Rückzug des TSV Farchant nicht verstehen

Aber dann erreichte eine Nachricht den SCF-Boss, die so gar nicht in die allgemeine Freudenstimmung passt. Der TSV Farchant, einer dieser Mittelklassevereine ohne Profi, zieht sich ab sofort aus der Landesliga zurück. Er hat das beim Verband beantragt, wartet auf die Zustimmung. Wegen der Kosten, heißt es, und wegen des Wettrüstens, das der Klub nicht mehr mitmachen möchte. Beim SC Forst verstehen sie das nicht ganz. Ausgerechnet jetzt, wo sich die Liga entspannt? „Ich finde den Zeitpunkt absolut falsch. Jetzt, wo es sich langsam regelt und der Rest in Reichweite ist“, sagt Barfüßer.

Eishockey: Meisterrunde ist für den SC Forst kein utopisches Ziel mehr

Mit Aufsteiger Schliersee/Miesbach, den Traditionsklubs aus Reichersbeuern, Bad Aibling oder Pfronten gibt es in der Liga jetzt viele ähnlich strukturierte Mannschaften, die Eishockey als ambitioniertes Hobby ohne finanzielle Interessen betreiben. „Deshalb ist der Rückzug von Farchant sehr schade“, sagt Forsts Kapitän Manfred Guggemos. „Wir kannten einige TSV-Spieler, das waren immer schöne Derbys“, so Guggemos. Gern erinnert er sich an den6:5-Erfolg der Forster gegen Farchant im letzten Spiel der vergangenen Saison, mit dem sie den Klassenerhalt perfekt machten. Burgau mit dem einen oder anderen Slowaken nehme noch eine Sonderstellung ein, doch auf einmal sieht sogar die Meisterrunde wie ein realistisches Ziel aus. „Wenn wir die packen, spielen wir die gerne“, betont das Forster Urgestein. Notfalls – bei Fahrten nach Amberg oder Schweinfurt – brauche es eben ein paar Gönner im Umfeld, die helfen. Aber aussteigen in dem Moment, in dem die Landesliga wieder ihren Lebensgeist inhaliert, halten die „Nature Boyz“ für keine Option.

Eishockey: Landesliga-Rückzug kam für Forst nie in Frage

Das Thema hatten sie in den Vorjahren viel häufiger strapaziert. Nach den vergangenen drei, vier Spielzeiten habe es jeweils eine Spielerversammlung gegeben. Auf der fragten die Macher ihre Eishakler, ob sie denn doch Lust auf Abstiegsrunde und zweistellige Klatschen gegen die Monster-Klubs hätten. Das Votum fiel Saison für Saison so eindeutig aus, dass sich der Verein nie ernsthaft mit einer Kapitulationserklärung beschäftigte. „Wenn wir sportlich absteigen, steigen wir ab. Aber freiwillig aus der Liga raus zu gehen, wäre nie infrage gekommen“, stellt Barfüßer klar. Ganz früher, als Weilheim noch ein Eishockey-Team stellte, habe man sich in den untersten beiden Klassen immer aussuchen können, in welcher Liga man meldet, erinnert der Vorsitzende. Die meisten, auch die Forster, waren froh, als dieses System kippte.

Eishockey: ERC Lechbruck und ESV Türkheim als mögliche Nachrücker für Farchant

Barfüßer und die Kollegen warten nun ab, wie der Verband in der Causa Farchant entscheidet. Seit 1. Juni ist die Meldefrist abgeschlossen. Womöglich rücken Vereine nach. Keiner möchte Lücken im Spielplan. Den ERC Lechbruck oder den ESV Türkheim könnten sich die Forster als Ersatz vorstellen. Beide Klubs kümmern sich gewissenhaft um den Nachwuchs. Diesen Punkt schätzt der Verband immer höher ein. „Warum sollten die nicht nachrücken?“, fragt Barfüßer. Sein Team sieht er gut gerüstet. Mit Sepp Bachmeier hat der SC einen fähigen Sportdirektor geholt, der über gute Kontakte verfügt und Barfüßer, seinen Spezl, deutlich entlastet. „Es ist schon gut, wenn du nach 40 Jahren etwas Pause bekommst“, sagt der Vorsitzende. Das Team, also das neben dem Eis, soll weiter wachsen. „Bei uns stand ja der Vorstand auch noch an der Strafbank.“ Nur die Sache mit dem Geld ist offen. Gespräche mit Sponsoren hat Barfüßer aufgeschoben. In der schlimmsten Zeit brauche er doch nicht als Bittsteller vorbeikommen. Aber das wird schon. „Ich bin guter Dinge.“ Es geht hier ja nicht um gigantische Summen. In Forst muss schließlich auch jeder Spieler seine Schläger selbst bezahlen und mitbringen.

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