Riesserseer und Düsseldorfer Spieler kämpfen um den Puck.
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Keine Chance in Düsseldorf: Bernhard Benz (Nummer 15) und Gerhard Schaaf (Nummer 16) stemmen sich gegen die Niederlage des SC Riessersee, doch die DEG ist an diesem Tag zu stark.

DER LETZTE DM-TITEL, TEIL III - Helmut Sterflinger erinnert sich an die 1:4-Niederlage in Düsseldorf

Als die Freundschaft ruhte

  • vonMarco Blanco-Ucles
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In der Saison 1980/1981 gewann der SC Riessersee seine zehnte und bisher letzte Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Das Tagblatt widmet sich diesem historischen Titel mit einer vierteiligen Serie. In Teil drei erinnert sich Helmut Sterflinger zurück an das zweite Finalspiel gegen die Düsseldorfer EG.

Garmisch-Partenkirchen/Düsseldorf – Im Morgengrauen des 20. März 1981 stieg der Tross des SC Riessersee in den Zug. Das Ziel: Düsseldorf. Am Abend stand das zweite Finalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gegen die Düsseldorfer EG an. Hätte der SCR gewonnen, wäre er zum zehnten Mal in seiner Vereinsgeschichte Deutscher Meister gewesen. Es kam bekanntlich anders. Die Weiß-Blauen unterlagen in der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens mit 1:4. Düsseldorf glich in der Serie aus und erzwang das Entscheidungsspiel.

Einer, der damals dabei war bei der Reise nach Düsseldorf, ist Helmut Sterflinger. Der heute 80-Jährige war 1981 als zweiter Abteilungsleiter hautnah dran an der Mannschaft. „Ich habe über 15 Jahre lang so gut wie kein Spiel verpasst“, erzählt Sterflinger. Auch heute noch verfolgt der Rentner seinen Herzensverein. Vor der Pandemie im Stadion, aktuell daheim in Farchant über Sprade-TV oder eben die Heimatzeitung. „Wenn sie am Vorabend gewonnen haben, hole ich die Zeitung um 6 Uhr morgens rein. Bei einer Niederlage erst um 8 Uhr“, sagt Sterflinger und lacht. Seit 60 Jahren ist er dem SCR tief verbunden. Erst als Fan, später dann als Abteilungsleiter und Zeugwart beziehungsweise Eishockey-Obmann. An die Fahrt nach Düsseldorf kann er sich bestens erinnern.

Blick in die Vergangenheit: Helmut Sterflinger denkt gerne an die erfolgreichen SCR-Zeiten zurück.

Spieler, Betreuer und der Vorstand waren im Schlafwagen untergebracht. Die Fans – rund 300 SCR-Anhänger nahmen den weiten Weg auf sich – reisten separat in Bussen oder hielten sich in anderen Zugabteilen auf. Kontakt zum Team gab es keinen. „Das wollte der Starsi (Trainer Dr. Jano Starsi; Anm. der Red.) damals nicht.“ Nichts und niemand sollte die Konzentration der Spieler stören. Mittags aß die Mannschaft gemeinsam im Speisewagen – ein eigener Abschnitt war extra für die Weiß-Blauen reserviert.

Um 16 Uhr kam das Team in Düsseldorf an. Vier Stunden vor dem Spiel. Mit dem Bus ging es die rund vier Kilometer zum Stadion. Um die nach der langen Fahrt müden Muskeln zu lockern, schnappten sich die SCR-Akteure Bälle und begaben sich in einen Park unweit der Spielstätte an der Brehmstraße. Fußball und Volleyball standen auf dem Programm. Wem die Reise besonders in den Gliedern steckte, ließ sich von Konditionstrainer Peter Keiner massieren.

Zum Spielbeginn um 20 Uhr war das Stadion rappel voll. 10 500 Menschen drängten sich auf den Tribünen. Das Duell elektrisierte die Massen – seit jeher. „Immer wenn wir dort gespielt haben, war die Halle ausverkauft“, betont Sterflinger stolz. Die beiden Fanlager verbindet eine tiefe Fanfreundschaft. Immer wieder reisten die Düsseldorfer Anhänger nach Garmisch-Partenkirchen, um den SCR in den Derbys gegen Füssen und Rosenheim zu unterstützen. „Da hast du am Spieltag dann in der Stadt viele mit Düsseldorf-Pullover gesehen. Verrückt.“ Doch an diesem 20. März ruhte die Freundschaft für 60 Minuten. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, hallte es stattdessen durch die Halle. Eine andere gern zitierte Textzeile lautet „Düsseldorf wird Meister, Riessersee wird Zweiter.“ Ein Lied, das die DEG-Fans bereits seit Jahren zum Besten gaben. Nicht etwa, um gegen den SCR zu sticheln. Im Gegenteil. In Duellen gegen die Rivalen aus Mannheim oder Köln signalisierten sie den gegnerischen Fans damit, dass der Titel eben nur über die Düsseldorfer und die Freunde aus dem Werdenfelser Land ging.

Im Stadion war während der Partie die Hölle los. „Eine unglaubliche Stimmung“, sagt Sterflinger. „Beneidenswert.“ Die Partie wurde hart, aber nicht unfair geführt. Auf dem Eis schenkten sich die Spieler nichts. Auch nicht diejenigen, die sich auch abseits des Sports kannten und schätzten. Udo Kießling, Ex-Riesserseer in Diensten der DEG, war mit einigen alten Weggefährten noch befreundet. „Franz Reindl und Ignaz Berndaner waren gute Kumpels von Udo“, erzählt Sterflinger. „Aber wie es zwischen denen auf dem Eis zur Sache ging, kann man sich gar nicht vorstellen.“

Max Fink versuchte alles, um seinen Kasten sauber zu halten. Doch die DEG traf viermal, Dick Decloe zum 1:0.

Düsseldorf war an diesem Abend – angetrieben vom eigenen Anhang – dem SCR überlegen. Auch wenn die Werdenfelser sich mit allen Mitteln gegen die drohende Niederlage stemmten, verhindern konnten sie sie nicht. Die DEG siegte mit 4:1. Mehr als der Ehrentreffer durch Peter Gailer sprangt für die Riesserseer nicht heraus. Nach der Partie feierten die heimischen Fans den Triumph und Kapitän Peter Hejma. Der 36-Jährige erzwangt in seinem letzten Heimspiel an der Brehmstraße mit seinen Kollegen das Entscheidungsspiel im Oberland.

Nach dem Spiel war Eile geboten für die Riesserseer. Sie mussten schleunigst zum Bahnhof, den Zug erwischen. Die Stimmung war etwas gedrückt, aber keineswegs niedergeschlagen. „Wir wussten ja, dass wir das Entscheidungsspiel bei uns im heimischen Stadion haben werden. Mit den eigenen Fans im Rücken.“ Am Morgen danach kam der SCR-Tross wieder in der Marktgemeinde an. Kurzes Training, dann durften die Spieler nach Hause zu ihren Familien. Sie sollten sich ausruhen. Denn das alles entscheidende Finalspiel sollte ja noch folgen...

Playoff-Finale, Spiel 2, 20. März 1981

Düsseldorfer EG - SC Riessersee 4:1

Tore: 1:0 (8.) Decloe, 2:0 (31.) Krueger, 2:1 (33.) Gailer, 3:1 (41.) Köberle, 4:1 (54.) Kießling

Zuschauer: 10 500

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