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Banger Blick: Pana Christakakis macht sich Sorgen um seinen SC Riessersee.

Fehlende Einnahmen aufgrund frühem Saisonende

Corona sorgt für klamme Kassen: Christakakis sieht SC Riessersee in „ernster Lage“

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Die Corona-Pandemie hat die Vereine der Eishockey-Oberliga hart getroffen. Auch der SC Riessersee leidet unter den verpassten Einnahmen aus den abgesagten Playoffs.

Garmisch-Partenkirchen – Ruhig ist es im Olympia-Eissportzentrum. Keine Eishockey-Mannschaft, keine Trainer, keine Betreuer – niemand da in der Heimstätte des SC Riessersee. Einzig in der Geschäftsstelle brennt Licht. Für Pana Christakakis. Der Geschäftsführer der SCR-GmbH sitzt in seinem Büro – alleine. Die weiteren Angestellten der Geschäftsstelle um Paul Karl und Co. arbeiten von zuhause. „Keiner soll sich anstecken“, betont Christakakis. Corona lässt grüßen.

Das richtige Stichwort. Die Pandemie und das damit einhergehende plötzliche Saisonende hat den Vereinen in der Eishockey-Oberliga zugesetzt. Wo Playoffs fehlen, fehlen Heimspiele – und somit Einnahmen. Zwar kommt dem SCR in diesen Tagen zugute, dass die Verantwortlichen ihren Finanzplan vor der Saison vorsorglich ohne mögliche Playoff-Gelder aufgestellt haben. Doch gehofft haben sie natürlich trotzdem auf Zuschauer und Spiele bis weit in den März hinein. Nun sind die Kassen auch bei den Weiß-Blauen nur spärlich gefüllt. Christakakis betont: „Die Lage ist ernst.“

Kurzarbeit vermutlich keine Option

Insbesondere die Vertragssituation einiger Angestellter bereitet Sorgen. Sechs Spieler sowie Trainer George Kink und Geschäftsführer Christakakis selbst beziehen noch bis 15. April volles Gehalt. Auch wenn sie – zumindest, was Profis und Coach betrifft – seit rund zehn Tagen freigestellt sind. Ein Problem, das nicht nur der SCR hat. Bei einer Telefonkonferenz mit den Geschäftsführern sämtlicher Oberliga-Süd-Klubs erfuhr Christakakis am Mittwoch, dass bei Konkurrent Deggendorf sogar die komplette Mannschaft bis 15. April unter Vertrag steht. Der Plan der Niederbayern, auf Kurzarbeit umzustellen, um Lohnkosten einzusparen, wurde vom Arbeitsgericht in erster Instanz abgelehnt. Entsprechend gering stuft Christakakis die Chancen für ein solches Modell auch bei den Garmisch-Partenkirchnern ein. „Den Antrag haben wir schon ausgearbeitet, aber er wird uns wohl nicht helfen.“

Andere Lösungen müssen also her. Eine hat der SCR mit dem Verkauf von sogenannten Solidaritätstickets auf den Weg gebracht. Für 19,23 Euro können Fans imaginäre Eintrittskarten für die ausgefallene Playoff-Partie gegen Hannover erwerben, um ihren Verein zu unterstützen. 162 haben das bisher getan. Christakakis hofft, die Zahl auf 1000 steigern zu können. „Das wären abzüglich Steuern zirka 15 000 Euro für die GmbH“, sagt er. „Damit könnte man schon ein paar Löcher stopfen.“ Dass die Resonanz der Anhänger auf die Aktion bislang recht verhalten ausfällt, kann er nachvollziehen. „Da haben gerade auch viele Leute Angst um ihren Arbeitsplatz oder ihre Familie – da liegen die Prioritäten jetzt woanders.“

Verunsicherte Sponsoren

Eine Unsicherheit, die Christakakis auch in der Arbeit mit den Sponsoren zu spüren bekommt. Einige kleinere Firmen haben aufgrund von Zwangsschließungen oder mauer Auftragslage sogar Probleme, ihre Raten für Februar und März zu zahlen. „Bei denen bricht viel zusammen“, sagt der GmbH-Chef. Doch bei allem Verständnis: Der SCR ist auf deren Geld angewiesen, hat damit geplant. Das machte Christakakis seinen Partnern zuletzt in zahlreichen Telefongesprächen deutlich – mit positivem Ausgang. „Alle haben mir versichert, zu bezahlen, sobald es ihnen möglich ist“, betont er. „Solange aber noch kein Geld auf unserem Konto gelandet ist, macht es die Situation nicht einfacher.“

Soweit die aktuelle Lage. Doch soll ja irgendwann auch wieder Eishockey gespielt werden beim SC Riessersee. Zumindest im Wunschtraum. Beim Blick in die Zukunft zeigt sich Christakakis allerdings als Realist. „Niemand kann verlässlich sagen, wie lange dieses Virus uns noch in Atem hält“, sagt er. „Daher weiß ich nicht, ob, und wenn ja, wie es mit dem deutschen Eishockey nächste Saison weitergeht.“ Etwaige Planungen erweisen sich als entsprechend schwierig. Aufgrund angesprochener Probleme in der lokalen Wirtschaft sind derzeit gerade einmal 40 Prozent des Sponsorenetats für die kommende Spielzeit gesichert. Verhandlungen mit weiteren Partnern sind vorerst unterbrochen. „Die haben gerade größere Sorgen, als den SCR zu unterstützen.“ Auch Vertragsgespräche mit Spielern ruhen derzeit. „Ohne zu wissen, wie viel Geld wir haben, wäre das unseriös.“

Christakakis bleibt zuversichtlich

Aller Widerstände zum Trotz hat Christakakis seine Zuversicht nicht verloren. „Sicher sagen kann man derzeit nichts“, unterstreicht er. „Aber wir sind beim SCR zum Glück so aufgestellt, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen könnten.“

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