Sinnbild für die jeweiligen Minuten nach den Playoff-Spielen gegen Höchstadt: SCR-Kapitän Florian Vollmer lässt den Kopf hängen.
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Sinnbild für die jeweiligen Minuten nach den Playoff-Spielen gegen Höchstadt: SCR-Kapitän Florian Vollmer lässt den Kopf hängen.

Drei Gründe für das Ausscheiden des SC Riessersee gegen den Höchstadter EC

Das Warum

  • vonPatrick Hilmes
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Der SC Riessersee ist mit 0:3 im Playoff-Viertelfinale der Eishockey-Oberliga Süd am Höchstadter EC gescheitert. Doch warum? Dafür gibt es vor allem drei Gründe.

Garmisch-Partenkirchen – Ron Chyzowski lässt sich erschöpft in seinen Sitz fallen. Reden will er nicht. Es kommt ihm gelegen, dass im Bus eh kaum gesprochen wird. Er steckt sich seine Kopfhörer in die Ohren, macht Musik an und schließt die Augen. Einfach nur abschalten. Er will in diesem Moment nicht darüber nachdenken, was soeben passiert ist. Ihn ihm herrscht Leere. So geht es auch Pana Christakakis. Doch bei ihm ist der Gefühlszustand zeitabhängig. Er wechselt stetig zwischen Leere, Frust, Aggression und Trotz. Auch einen Tag danach, dem ersten Tag des SC Riessersee in der Sommerpause.

0:3 in der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen den Höchstadter EC. Hört sich eindeutig an, war aber alles andere als das. Über weite Strecken war der SCR sogar besser, lag in jedem Spiel in Führung, hat ganze 13 Tore geschossen. Und dennoch steht nun diese glatte Niederlage in den Geschichtsbüchern. Warum? Dafür gibt es drei Gründe.

Disziplin

Hoher Stock von Benjamin Kronawitter in Spiel eins. Konsequenz: Statt im 5:3 geht es im 5:4 weiter. Beinstellen von Eetu-Ville Arkiomaa und Bandencheck von Simon Mayr in Spiel zwei. Resultat: Doppelte Unterzahl für den SCR. Uli Maurer checkt in Spiel drei Milan Kostourek hart in die Bande. Resultat: Spieldauerstrafe plus fünf Minuten und der SCR muss im 3:5 weiterspielen. Drei Schlüsselsequenzen aus drei Spielen. Drei Geschenke für Höchstadt.

Note für die Disziplin der Riesserseer Spieler in den Playoffs: mangelhaft. Untermauert wird das von den Statistiken. Höchstadt kassierte pro Spiel vier Strafzeiten á zwei Minuten. Macht zusammen 24. Der SCR hingegen kommt auf ganze 39 plus die Spieldauerstrafe für Maurer. „Wir haben diese schlechten Angewohnheiten einfach nicht rausbekommen“, hadert Chyzowski.

Konzentration

Dieser Punkt ist das Manko des SCR in der gesamten Saison. In kaum einem Spiel schafften es die Garmisch-Partenkirchner, über 60 Minuten konstant die Konzentration zu wahren. So auch nicht in den drei Playoff-Duellen gegen Höchstadt. Immer wieder wurde der Fokus und die Gegenspieler aus den Augen verloren. In Spiel eins war dies vor allem in der Verlängerung der Fall. Alle Weiß-Blauen hatten die Scheibe im Blick, keiner den Siegtorschützen Niklas Jentsch. In Spiel zwei in Garmisch-Partenkirchen war das mit der Konzentration der Gastgeber wie mit einem Jojo. Es ging auf und ab, auf und ab. „War die Konzentration da, haben wir das Spiel kontrolliert – auf dem Eis und auch auf dem Scorerboard“, erinnert sich Chyzowski nur zu gut. War das nicht der Fall, schlug Höchstadt zu. In Spiel drei war dies ebenfalls der Fall. Nur mit mangelnder Konzentration ist zu erklären, wie ein sonst so passsicherer Spieler wie Robin Soudek die Scheibe vor dem 4:5 direkt auf den Schläger eines Höchstadters spielen konnte.

Aufgrund dessen schaffte es der SCR auch nicht, seine jeweiligen Führungen zu halten. 3:2 und 4:3 in Spiel eins, 3:1 und 4:2 in Spiel zwei, 4:1 und 5:3 in Spiel drei. Immer wieder sank das Konzentrationslevel nach den Führungen, immer wieder konnten die Mittelfranken dadurch schnell wieder aufschließen. Das galt vor allem im Defensivbereich. Ein Schritt zu spät, ein Gedanke zu langsam. Dafür wurden diverse Beispiele in den drei Duellen geliefert. Etwa beim zweiten Höchstadter Tor im dritten Spiel, als Tobias Möller Milan Kostourek einen Hauch zu viel Platz gab, sodass dieser sich drehen konnte. Kein grober Fehler. Aber in den Playoffs entscheiden nun mal die Kleinigkeiten. Und beim SCR summierten sie sich immer weiter. 16 Gegentore in drei Spielen sind einfach deutlich zu viel.

Auf der anderen Seite stehen 13 erzielte Treffer. Eigentlich eine sehr gute Quote. Doch auch in der Offensive lief nicht alles rund. In Spiel eins hatte Soudek – auf gut Deutsch gesagt – die Scheiße am Schläger. Aus besten Möglichkeiten resultierte nichts. Das zog sich ebenso durch die Spiele. Denn wie erwähnt, der SCR stellte in jedem Spiel zu zwei Dritteln die bessere Mannschaft. Entweder wurden die Chancen aber nicht genutzt – wie etwa Arkiomaa und Maurer, die Spiel drei mit dem 6:4 wohl entschieden hätten – oder sie wurden gar nicht erst kreiert. Das war oftmals in den Powerplays der Fall. Die Riesserseer agierten meist zu behäbig, hielten die Scheibe lange, anstatt sie schnell laufen zu lassen. Drei Tore sind ihnen in Überzahl in den drei Partien gelungen. Keine grottenschlechte, aber auch keine gute Quote.

Höchstadt

Doch bei all den Mankos, bei all den verteilten Geschenken: Gänzlich alleinverantwortlich ist der Traditionsklub für seine frühzeitige Sommerpause nicht. Man muss Höchstadt Respekt zollen. Und man muss vor allem die Annahme aus den Köpfen verbannen, dass man es mit absoluten Underdogs zu tun hatte. Denn Höchstadt ist alles andere als das. Kostourek, Anton Seewald und Jari Neugebauer. Diese Trio hatte bereits in der Hauptrunde zusammen ganze 153 Scorerpunkte gesammelt. Die ersten beiden Sturmreihen gehören zu den besten der Liga. Höchstadt hat nicht ohne Grund die Hauptrunde mit Platz vier abgeschlossen. Die Defensive ist zwar nicht immer sattelfest, wie auch in den Spielen gegen den SCR sichtbar wurde, aber die Offensive reißt es raus. Insbesondere die Powerplay-Special-Teams. Insgesamt erzielten die Mittelfranken sechs Tore im Viertelfinale in Überzahl, allein vier in Spiel zwei. Warum? Weil Höchstadt die Scheibe laufen ließ, schnell ihre Formation fand und direkt den Abschluss suchte. Ein One-Timer nach dem anderen prasselte auf die SCR-Goalies Michael Böhm und Christian Schneider ein.

Und dann war da noch der Wille Höchstadts. Das Erreichen der Playoffs war der größte Vereinserfolg, das setzt zusätzliche Kräfte frei. In keiner Sekunde hatte man den Eindruck, der HEC hätte sich aufgegeben. Sie glaubten immer an ihre Chance. Und nutzten sie – sowie natürlich die vielen Fehler des SCR.

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