SCR-Spieler Robin Soudek vor dem Höchstadter Tor, die Scheibe fliegt in die andere Richtung.
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Falsche Richtung: Egal, was Robin Soudek am Dienstag auch versucht hatte, der Puck wollte nicht ins Tor. Sein Coach ist sich sicher, dass der Knoten des Stürmers wieder platzen wird.

EISHOCKEY - SCR kann im zweiten Playoff-Spiel gegen Höchstadt wieder auf Florian Vollmer setzen

Der „schlechte Zuschauer“ ist zurück

  • vonPatrick Hilmes
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Weiter geht‘s: Am heutigen Freitag steht Spiel zwei der Playoff-Viertelfinal-Serie zwischen dem SC Riessersee und dem Höchstadter EC an. Gute Nachrichten für den SCR: Neben Kapitän Florina Vollmer kann auch Tobias Kircher nach viermonatiger Pause wieder auflaufen.

Garmisch-Partenkirchen – Florian Vollmer macht es sich zu Hause gemütlich, schaltet Sprade TV ein und schaut sich das Eishockey-Spiel des SC Riessersee beim Höchstadter EC an. Spaß hat er bei der ersten Partie der Playoff-Viertelfinal-Serie aber keinen. Ihm gefällt nicht, was er sieht. Ihm gefällt nicht, was er hört. Und vor allem gefällt es ihm nicht, zuschauen zu müssen. Heute wird das wieder anders sein, heute in Spiel zwei daheim gegen Höchstadt wird Vollmer wieder auf dem Eis stehen. „Zum Glück, ich bin von Haus aus ein schlechter Zuschauer“, gesteht er. Und dann musste er sich auch noch so ein dramatisches Spiel anschauen, mit einem Höchstadter Kommentator, der – gelinde ausgedrückt – schwer zu ertragen ist. „Das war mehr brüllen als kommentieren.“ Vollmer hofft, dass es seine erste und einzige Erfahrung dieser Art bleibt. Am Dienstag hatten ihn gesundheitliche Probleme außer Gefecht gesetzt. Im Training durfte Coach Ron Chyzowski seinen Center Nummer eins aber wieder begrüßen.

Florian Vollmer wurde in Spiel eins schmerzlich vermisst.

Neben dem Kommentator gefiel Vollmer auch nicht, was auf der Anzeigetafel stand. „Fünf Gegentore sind einfach zu viel.“ Und dennoch schnupperte der SCR am Auswärtssieg. Der Kapitän war auch schon kurz davor, diesen daheim zu bejubeln. „Nach dem 3:2 dachte ich: das war’s. Nach dem 4:3 dachte ich: jetzt aber.“ Falsch gedacht. Höchstadt glich jeweils schnell aus. Und genau das war das Problem. Die Mittelfranken fanden zu schnell zurück ins Spiel. „Ich hatte gehofft, wir können das Spiel beruhigen, denn das Momentum war auf unserer Seite.“

Zudem machte der 36-Jährige einen weiteren entscheidenden Punkt aus. „Die schießen ein Powerplaytor, wir nicht.“ Exakt dies wurmte auch den Trainer, insbesondere in der Phase kurz vor dem Ende des zweiten Drittels. Zwei Höchstadter durften auf der Strafbank Platz nehmen, doppelte Überzahl für die Weiß-Blauen. Doch Benjamin Kronawitter handelte sich ebenfalls eine Strafe ein. Der große Vorteil war dahin. „Das war bereits genauso im vorherigen Spiel in Selb. Benni hat viel Energie, aber er muss sie in etwas Positives umwandeln.“ Chyzowski will den Offensivakteur nicht bestrafen, er bleibt weiter Bestandteil der zweiten Powerplayreihe und spiele eine große Rolle im Team. Im 5:3 wird er jedoch vorerst nicht mehr auflaufen. „Dieses Vertrauen muss er sich erst wieder verdienen.“

Doch die Zeitstrafe Kronawitters war nur einer der Punkte, die an diesem Abend in Höchstadt den Unterschied ausmachten. Auch das generelle Powerplay-Spiel lahmte. „Das war zu statisch, nicht dynamisch“, bemängelt Chyzowski. Auffällig war dies vor allem in der Verlängerung. Wieder handelte sich Höchstadt eine Strafe ein, wieder lag der große Vorteil beim SCR. „Eine Überzahl in der Overtime: Eine bessere Chance bekommst du nicht. Da muss ein Tor fallen.“

Einen Treffer hätte auch Robin Soudek erzielen müssen. Und im Normalfall wäre das auch sicherlich so gewesen, denn wie effektiv der Tscheche ist, hat er in der Hauptrunde 24-mal unter Beweis gestellt. Doch in den vergangenen drei Partien blieb sein Torkonto bei 24 stehen, trotz bester Chancen. „Normalerweise hätte er zehn Tore mit diesen Chancen in den Spielen geschossen.“ Doch Chyzowski weiß, dass es bei einem Stürmer mal so laufen kann. Zwar sei Soudek am Dienstag mächtig geknickt gewesen, doch der Coach macht sich keine Sorgen. „Wichtig ist, dass er sich die Chancen erarbeitet. Gelingt ihm das weiterhin, werden auch die Tore wieder fallen.“

Im Gesamtfazit bleibt festzuhalten: Der SCR verlor Spiel eins aufgrund vieler Kleinigkeiten, die in den Playoffs das Pendel zur einen oder eben zur anderen Seite ausschlagen lassen. Damit es heute wieder aus Riesserseer Sicht zur richtigen Seite ausschlägt, wird vor allem eins wichtig sein: Konzentration behalten, keine unnötigen Strafzeiten kassieren. Gerade bei diesen beiden Punkten hilft insbesondere Erfahrung. Mit Vollmer kehrt ein Puzzleteil zurück. „Keine Frage, er strahlt einfach die Ruhe aus und hat die Übersicht. Zudem ist er einer der besten Bully-Spieler der Liga“, betont Chyzowski. Der darf noch einen weiteren Rückkehrer begrüßen: Tobias Kircher. Letztmals trug er am 29. November 2020 das SCR-Trikot. Danach setzte ihn eine Oberkörperverletzung außer Gefecht. Zwar fehlt dem 24-Jährigen natürlich die Spielpraxis, doch körperlich scheint er bereit zu sein. „Wir waren überrascht über seinen sehr guten Fitnesszustand“, erzählt Chyzowski.

Tobias Kircher fehlte vier Monate verletzt.

Verzichten muss der SCR aber auf die Dienste von Goalie Daniel Allavena, der beim EHC München gebraucht wird. Im Tor wird auch heute wieder Michael Böhm stehen. Für Vollmer ist das kein Problem. „Wir sind die Wechsel auf der Position gewöhnt. Zudem ist das Zusammenspiel mit dem Goalie im Eishockey nicht so entscheidend wie etwa beim Fußball.“ Viel wichtiger für den SCR ist, dass der Kapitän wieder auf dem Eis steht und es sich nicht wieder daheim gemütlich machen muss.

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