SCR-Geschäftsführer Pana Christakakis (l.) und Andreas Wieland, kaufmännischer Leiter der GmbH, stehen nebeneinander.
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Sind guter Dinge, dass der SCR diese so schwierige Saison aus finanzieller Sicht relativ gut übersteht: Geschäftsführer Pana Christakakis (l.) und Andreas Wieland, kaufmännischer Leiter der GmbH.

Einblicke in die Finanzen des Traditionsklubs

Die Überlebenschancen des SC Riessersee

  • vonPatrick Hilmes
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Für den SC Riessersee geht es in dieser Saison der Eishockey-Oberliga Süd nicht um sportliche Erfolge, sondern um das wirtschaftliche Überleben. Doch wie stehen die Chancen, dass dieses Ziel erreicht wird? SCR-Geschäftsführer Pana Christakakis und Andreas Wieland, kaufmännischer Leiter der GmbH, gewähren einen Einblick in die Finanzen des Traditionsklubs.

  • SCR erhält erste Zahlung aus dem Corona-Hilfspaket für Profimannschaften
  • Sponsorenverluste belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag
  • Etat ist beinahe komplett ausgereizt

Garmisch-Partenkirchen – Der SC Riessersee und die Finanzen. In der Vergangenheit haben sie sich nicht immer gut vertragen. Stichwort Insolvenzen. Zu oft wurde über dem Limit gelebt. In dieser Saison gibt es eine neue Bedrohung: Corona. Daher geht der Verein heuer auf Nummer sicher und hat sich zurückhaltend auf dem Transfermarkt gezeigt. Doch genügt das? Kann der SCR so das anvisierte Ziel erreichen? Wie stehen die Überlebenschancen? Viele Fragen ranken sich um diese Spielzeit in der Eishockey-Oberliga. Das Tagblatt hat sich mit Geschäftsführer Pana Christakakis und Andreas Wieland, kaufmännischer Leiter der GmbH, zusammengesetzt und Antworten gesammelt.

Die Oberligisten sind mittlerweile im Profisport eingegliedert und haben somit Anspruch auf ihr Stück Kuchen vom 200 Millionen Euro schweren Corona-Hilfspaket. Das beläuft sich auf die Erstattung von 80 Prozent der fehlenden Zuschauereinnahmen. Wie ist der Stand der Dinge in diesem Punkt?

Wieland: Wir haben eine erste Zahlung erhalten, berechnet für den Zeitraum vom Saisonabbruch im März bis Dezember. Das ging alles unkompliziert und schnell. Als wir am 7. Oktober den Antrag gestellt haben, wussten wir aber noch nicht, was im November passiert. Kalkuliert haben wir auf der Basis, dass wir 35 Prozent Zuschauereinnahmen verlieren würden. Corona hat uns ja wieder einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Doch die Sporthilfe hat sofort reagiert und ein Nachtragsformular gesendet. Nun haben wir die Hilfe nochmals beantragt und sind guter Dinge, die zusätzlichen Ausfälle für Oktober, November und Dezember noch erstattet zu bekommen.

Wie werden diese Hilfen berechnet?

Christakakis: Berechnet wird alles auf jedes einzelne Spiel aus 2019 in dem Zeitraum Mitte März bis Dezember. Anteilig müssen die heuer verkauften Dauerkarten dagegen gerechnet werden. Leider haben wir das Pech, dass wir Mitte März 2019 aus dem Rennen waren und die Abstiegsrunde spielen mussten. Da haben andere das Glück, die zu diesem Zeitpunkt Playoffs gespielt haben und entsprechend viele Zuschauer in ihren Stadien hatten.

Welche Summe hat der SCR somit erhalten?

Wieland: Bewilligt bekommen haben wir bisher 84 000 Euro. Mit dem Antrag auf Nachbesserung beläuft sich die Gesamtsumme auf 110 000 Euro. Und ich gehe davon aus, dass die Hilfen über den Dezember hinaus verlängert werden.

Gibt es eine Möglichkeit, auch die entstandenen Kosten – 20 000 bis 25 000 Euro – durch das Hygienekonzept erstattet zu bekommen?

Wieland: Ich wüsste nicht, zu welchem Programm das passen sollte. Das müssen wir selbst bezahlen. 20 000 Euro wären realistisch, wenn man alles von extern gemacht lassen hätte. Aber Pana und Sebastian Ziener (Hygienebeauftragter beim SCR, Anm. d. Red.) haben alles selbst gemacht. Dadurch haben wir uns einiges gespart und kommen noch auf rund 10 000 Euro.

Wie ist es um die Sponsoren bestellt? 25 Prozent Verluste hieß es zuletzt.

Christakakis: Dabei ist es geblieben. Ein paar Klein-Sponsoren und unser zweitgrößter sind weggebrochen. Wir sind froh über jeden, der an Bord geblieben ist.

Was bedeuten diese 25 Prozent in Euro?

Christakakis: Knapp 100 000 Euro.

Hat die Agentur Sport Sponsoring Müller schon neue Sponsoren an Land ziehen können?

Christakakis: Ja, die haben einen fünfstelligen Betrag eingespielt. Aber der zweite Lockdown hat deren Arbeit wieder gestoppt.

Wie sind in diesem Punkt die Aussichten für die nächste Saison?

Wieland: Die größere Herausforderung wird beinahe die nächste Saison, wenn die Hilfsmaßnahmen weg sind. Fallen dann noch Sponsoren weg, wird’s sehr kritisch. Wir überlegen, wie wir uns besser vermarkten können. Ich habe auch schon Kontakt mit einer Vermarktungsfirma aufgenommen. Vielleicht tut uns eine professionelle Beratung gut, vielleicht finden wir dadurch auch überregionale Sponsoren. Es muss unser Ziel sein, langfristig einen großen Pool an starken Sponsoren aufzubauen. Die heimische Wirtschaft macht unglaublich viel für den Verein.

Kann der SCR diese Saison überleben?

Wieland: Wenn alles so läuft, wie es derzeit läuft, können wir mit einem blauen Auge davonkommen – ohne brutal ins Minus zu rutschen. Das beruht auf die aktuellen Hilfsmaßnahmen, Spieler, die uns entgegengekommen sind und erst ab dem 1. Oktober unterschrieben haben. Und dann noch hier und dort Überbrückungshilfen. Auch die Sponsoren haben bisher alle bezahlt. Der eine oder andere hatte Bedenken, als es hieß, dass keine Zuschauer zugelassen werden. Aber da hat Pana alle beruhigt, indem die Sponsoren ja jetzt über Sprade TV präsent sind. Da haben einige gesagt, dass es bessere Werbung als im Stadion wäre. Wir haben auch das Szenario durchgespielt: Was passiert ohne Eishockey 2020/2021? Der Förderverein, der 90 Prozent der Anteile an der GmbH hält, würde die Kosten übernehmen. Wir könnten auf einen Schlag runterfahren, alles aus dem Stadion rausholen – bis auf das Büro vom Pana. Der hat auch sehr gute Kontakte zu den Vermietern der Spielerwohnungen. Auch bei Saisonabbruch: Der SCR wird überleben. Wir können auf alle Individualitäten reagieren. Dabei ist es faszinierend, wie andere Vereine Spieler verpflichtet haben. Als hätte man die normalste Zeit der Welt. Wir waren da ja sehr zurückhaltend.

Wie ist der Stand der Dinge in puncto Schulden?

Wieland: Im Moment stehen wir über der Null. Aber es kann noch so viel passieren, was man nicht einkalkuliert hat und einkalkulieren kann.

Mussten die Spieler bei ihren neuen Verträgen finanzielle Einbußen hinnehmen?

Christakakis: Wir haben ein Budget aufgestellt und so verteilt, dass jeder einigermaßen damit zufrieden ist. Die Kosten für das gesamte Personal belaufen sich auf 369 000 Euro brutto – Mannschaft inklusive Betreuer, Physio, Ärzte und so weiter, plus Trainer, plus weitere Aushilfen, plus ich. 270 000 Euro brutto davon für die Mannschaft.

Wieland: Ja, jeder hat sich am Riemen gerissen. Jeder will mit jeder neuen Saison mehr Geld haben. Aber keiner hat gesagt, dann spiele ich nicht mehr. Wir haben immer Lösungen gefunden. Im Schnitt bekommen die Spieler 1200 Euro netto pro Monat. Generell war ein Verzicht da, alleine schon mit der Unterschrift zum 1. Oktober. Sie wissen, auf was sie sich einlassen. Sie können sich sicher sein, dass wir die Gehälter auch zahlen. Dann braucht da mal einer zwei Stehlampen, der eine braucht noch das, der andere das. Das ist die Familie SCR, das macht es auch aus. Zudem haben wir sehr viele Ehrenamtliche bei uns, die mit sehr viel Herzblut dabei sind.

Gibt es in dieser Spielzeit Prämien für die Spieler?

Wieland: Die gibt es grundsätzlich nicht mehr seit der Saison 2017/2018. Wenn wir erfolgreich sind und erfolgreich wirtschaften, sind wir die Letzten, die nicht die Spieler beteiligen. Das Ziel ist heuer aber das wirtschaftliche Überleben, dass sich die Jungs entwickeln können. Es ist doch schön, wenn ein Christopher Chyzowski ein Tor macht, wenn ein Sebastian Pfeuffer sich im Tor weiterentwickeln kann – bestes Beispiel vergangene Saison Daniel Allavena. Dafür spielen wir doch diese Saison.

Welcher der Spieler lebt eigentlich vom Eishockey?

Christakakis: Im Grunde leben alle vom Eishockey. Manche studieren nebenbei, manche bessern ihr Azubi-Gehalt auf, für manche ist es ein großes zweites Standbein.

Ist der Spieleretat derzeit ausgereizt?

Wieland: Ja, ziemlich so, wie wir ihn budgetiert haben.

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