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Demonstriert Härte: DEB-Generalsekretär Franz Reindl will die Zweitligisten zurück unter das Dach des DEB zwingen.

Ringen um 2. Bundesliga

Abspaltung vom DEB? Verband droht und lockt

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Garmisch-Partenkirchen - Entschließen sich die Zweitliga-Rebellen zu einer Kehrtwende und geben ihren Plan von einer DEL II auf? Der Deutsche Eishockey-Bund macht deutlich, dass er alle Abspaltungsbemühungen verhindern und die neue Klasse zur „wilden Liga“ erklären wird.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) demonstriert in Sachen 2. Bundesliga Härte. Im Treffen mit den Zweitligisten und den Landesverbänden in einem Frankfurter Tagungshotel machte der Verband, vertreten durch Präsident Uwe Harnos und Generalsekretär Franz Reindl, deutlich, dass er mit keiner Gesellschaft, heiße sie nun Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG) oder Deutsche Eishockey-Liga II, einen Kooperationsvertrag schließen werde. Der DEB baute eine Drohkulisse auf und setzte den Rebellen die Pistole auf die Brust. Eine DEL II, die Erwin Rupp, der Manager der Heilbronner Falken, gegründet hat, und mit der bis auf den SC Riessersee und dem ESV Kaufbeuren alle bisherigen Zweitligisten sympathisieren, würde zur „wilden Liga“ erklärt. „Wir haben die Vereine eindringlich auf die Konsequenzen hingewiesen“, sagt Reindl, „und deutlich gemacht, dass es nur den von uns vorgegebenen Weg geben kann und die Vorzüge unseres Systems dargestellt.“

SCR-Manager Ralph Bader, der bei diesem Treffen per Vollmacht auch die Interessen des ESV Kaufbeuren vertrat, weil dessen Geschäftsführender Vorstand Andreas Settele im Urlaub weilt, konnte zwischen DEB- und DEL-II-Konzept kaum Unterschiede erkennen. „Ich frage mich, wieso man dann eine neue Gesellschaft gründen muss.“ Das soll Alfred Prey, der Macher der Fischtown Pinguins Bremerhaven und einer der Hardliner in Sachen Abspaltung, auf dem Treffen ganz anders gesehen haben. Laut Sitzungsteilnehmern habe er auf die besseren Vermarktungsmöglichkeiten einer DEL II hingewiesen. Eine Meinung, die Reindl damit kontert, dass die ESBG ebenfalls 13 Jahre selbstständig gewesen sei, ohne dass sie großen Erfolg in Sachen Sponsoring etcetera erzielt habe.

Belastet wird der Verhältnis der ehemaligen ESBG-Clubs mit dem DEB durch die ausstehenden Abgaben, die sich nach Reindls Angaben auf 170 000 Euro belaufen. Prey soll die sofortige Überweisung angeboten haben, wenn die Clubs in die DEL II mit einem Kooperationsvertrag entlassen werden würden. „Man kann doch nicht die Vergangenheit mit der Zukunft verknüpfen“, schimpft Reindl. Er will die Summe jetzt einklagen, „weil wir wegen der ausstehenden Gelder Maßnahmen im Nachwuchsbereich streichen müssen“.

Trotz aller verhärteter Fronten hat Reindl die Hoffnung auf eine Einigung nicht aufgegeben. Einen ersten Weichmacher, um die Vereine zur Rückkehr unter das Dach des Deutschen Eishockey-Bundes zu bewegen, haben Harnos und er auch einsetzt. Die Frist zur Bewerbung, die eigentlich am 15. Mai abgelaufen war, haben sie auf Antrag des Landesverbandes Bayern und der Starbulls Rosenheim bis zum 31. Mai verlängert. Für Bader ein positives Signal, das zeige, dass der eine oder andere darüber nachdenke, was passiert, wenn man nicht nachgibt. Und auch der Termin 31. Mai scheint nicht in Stein gemeißelt zu sein. „Wir sind gewillt, ein paar Tage wegen der Pfingstferien drauf zu geben“, teilt Reindl mit. „Wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst.“ Als zweites Zuckerl, um den Wechsel zum DEB schmackhaft zu machen, kann sich Reindl vorstellen, „dass wir den Clubs ein gewisses Mitsprachrecht einräumen“.

Und der 58-Jährige, der die Eishockey-Weltmeisterschaft 2017 nach Deutschland geholt hat, glaubt, dass die Front der Zweitligisten bröckeln wird. „Wir gehen davon aus, dass Mitte September der erste Puck in der 2. Liga eingeworfen wird. Ich habe ein gutes Gefühl.“ Mit eingeläutet haben den Erosionsprozess wohl auch die Schwenninger Wild Wings. Der Zweitliga-Vizemeister hat gestern die Lizenz der Hannover Scorpions übernommen und wird deren Platz in der Deutschen Eishockey-Liga einnehmen. In den Sternen steht die Zukunft der Dresdner Eislöwen, die mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Mit acht Vereinen - Bietigheim, Rosenheim, Ravensburg, Heilbronn, Landshut, Bremerhaven, Crimmitschau und Weißwasser - ließe sich kaum eine Liga bilden. Vor allem deshalb, weil sich der DEB vorstellen kann, Oberliga-Meister EC Bad Nauheim sowie Kassel und Frankfurt die Aufnahme anzubieten.

Noch nicht sicher haben ihren Platz die Hannover Scorpions, die sich bislang parallel für die DEL und die 2. DEB-Liga beworben haben. Alles hänge davon ab, ob die Scorpions GmbH weiterbesteht, sagt Reindl. Bei einem gescheiterten Insolvenzverfahren müssten die Hannoveraner in der untersten Liga einen Neuanfang starten.

Peter Reinbold

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