Messer-Mann ersticht Frau mitten auf der Straße - Täter auf der Flucht

Messer-Mann ersticht Frau mitten auf der Straße - Täter auf der Flucht
+
Lebens-Mittelpunkt: Richard Muellers kleine Familie, zu der Ehefrau Erica und Sohn Nathan zählen.

Eishockey: DEL2

SCR-Reportage: ein Tag mit Top-Scorer Richie Mueller

  • schließen

Das Tagblatt hat Richard Mueller begleitet und neben der Familie viele Geschichten aus dem Leben des Torjägers kennengelernt

Garmisch-Partenkirchen– Die Frage der Fragen hat sich Richie Mueller (35) nie gestellt. Was soll ich eigentlich einmal werden? Mit 14 Jahren hatte er bereits entschieden, als Eishockey-Profi zu arbeiten. In Berlin entwickelten die Eisbären den jungen Kanadier zu einem DEL-tauglichen Stürmer, der drei Meistertitel gewann. Doch seine wahre Bestimmung fand er erst in der Oberliga. Nach zwei Horror-Jahren mit fünf Vereinen, die ihm sämtliches Vertrauen in seine Stärken raubten, hatte keiner mehr Interesse an ihm. Mit 30 Jahren wollte er aufhören. Wahrscheinlich hätte er es getan, wenn nicht die Löwen Frankfurt nach einem Zugpferd für ihr Drittliga-Team gesucht hätten.

Nach einem Sommer, in dem sich kein anderer Proficlub meldete, beschloss Mueller, sich in die Niederungen des Eishockeys zu wagen. Es folgte ein unvergessliches Jahr samt Aufstieg, das er bis heute über alle anderen Meisterschaften und Tore stellt. Seine Zeit in Frankfurt schloss er mit einem weiteren Titel ab. Bei seinem Abschied in Frankfurt sagte ein gekränkter Sportdirektor Rich Chernomanz über ihn: So viel dieser Richie Mueller für die Stadt geleistet hat, lieber behalte man Jüngere, die ähnliches leisten. Mueller konterte auf seine Weise. Als Top-Scorer mit 80 Punkten und 36 Toren führt er Riessersee als Hauptrundenmeister in die Playoffs. Aus diesem Anlass hat ihn das Tagblatt einen Tag begleitet.

7 Uhr, Muellers Zuhause, 1. Stock

Richard Mueller braucht keinen Wecker. „Mein Sohn ist mein Wecker. Er hat uns zum frühen Vogel gemacht“, sagt der Torjäger. Um 7 Uhr rüttelt der vierjährige Nathan seine Eltern wach. Hunger hat er, in den Kindergarten möchte er und Eishockey-Spielen am liebsten auch noch. Montags nimmt ihn der Vater mit zum Schlägerlauf. Der Kleine sieht das als Verpflichtung. „Nathan schaut mir zu, also muss ich ihm auch zusehen. Das Training ist für ihn wie ein Spiel“, sagt Mueller. Im nächsten Winter soll sein Sohn bei den Kleinstschülern anfangen. Um den Vierjährigen kümmert sich jeden Morgen Mutter Erica, macht ihm Frühstück, packt die Tasche. Ihr Mann sieht’s sich nebenbei Highlight-Filmchen aus der NHL an – natürlich mit Nathan.

8:30 Uhr, McDonald’s

Toni Söderholm meidet McDonald’s. Doch seine Spieler lieben den Fast-Food-Laden. Manchmal, nur nach Siegen, überzeugen sie den Ernährungs-Experten – wie zuletzt in Crimmitschau. Er isst dann Salat. Mueller greift zum Burger. Würde er nicht so gerne Nudeln verdrücken – immer vor Spielen –, wären Burger sein Lieblingsessen. In seiner Jugendzeit aß er jeden Morgen nach der ersten Einheit bei McDonald’s oder Wendy’s – noch so ein Fast-Food-Gigant in Nordamerika. Geschadet haben die vielen Burger nie. „Mein Vater hat gute Gene.“ Mittlerweile frühstückt er nur noch einmal pro Woche bei McDonalds. Bacon-Burger und Kaffee wählt er, den Kaffee sieht er als Lebenselixier. „Ich bin ein Junkie.“ Ansonsten trinkt Mueller nur Wasser. Diese Zucker-Bomben, die in Fruchtsäften und Cola stecken, spart er sich – und seinem Sohn. „Der hat auch ohne Zucker schon so viel Energie.“

9:20 Uhr, Fitnessstudio Fit-Life

Genießt die Zeit im Fitnessstudio: Stürmer Mueller trainiert in erster Linie seinen Oberkörper.

Man hat Richie Mueller für seine Art Krafttraining oft verspottet. Die Beine trainiert er nicht während der Saison. Das teilt ihm sein Körper mit. „Ich habe gelernt, auf ihn zu hören. Er sagt, lass es sein.“ Die anderen sehen das als No-Go an. Doch selbst Axel Hof, der Fitness-Coach beim SCR, unterstützt Mueller. Stattdessen stählt der Stürmer den Oberkörper, verbessert seine Stärke, um sich gegen die Kanten der DEL2 durchzubeißen. Oft dauern seine Einheiten nur 20 bis 30 Minuten. Nach drei Übungen ist Schluss. Hof hält es für sinnvoll. Nicht der Umfang zähle mitten im Spieljahr, sondern die Intensität. Mueller genießt die Zeit morgens alleine im Studio – praktisch seit er mit 14 oder 15 Jahren realisierte, dass er das Zeug zum Eishockey-Profi hat. „Es ist noch immer so.“

10:15 Uhr, Olympia-Eissportzentrum

Hasst Beintraining während der Saison: Richie Mueller.

Es hat seine Vorteile, alt zu sein. Für die Fitnesseinheiten mit Axel Hof, die der dreimal pro Woche anbietet, hat Toni Söderholm das Team in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Jungen müssen früh ran, selbst die Förderlizenz-Spieler, die aus München anreisen. Die Oldies erwartet er erst eine Stunde später. Manchmal wechselt Mueller freiwillig die Gruppe. „Wenn ich gerade nichts zu tun habe.“ Die Übungen, die die Muskeln aktivieren und die Stabilität verbessern sollen, sind nicht die anstrengendsten, aber äußerst nützlich, wie Hof betont. Verletzungen sollen sie vorbeugen. Vor drei Jahren begann der Ex-SCR-Profi mit seinem Programm. Man werde den Effekt nach drei Jahren sehen, hatte er damals orakelt. Hof sieht es als großen Erfolg, dass es die Mannschaft ohne große Verletzungen durch die Saison geschafft hat. Am liebsten würde er auch im Sommer mit den Cracks arbeiten. Von einer Rundum-Betreuung träumt er. Er weiß, dass das nicht möglich ist. Trotzdem betont der Garmisch-Partenkirchner: „So wie es bei uns abläuft, ist das in sehr wenigen Clubs der Fall.“ Beinahe jeden Tag telefoniert er mit den Trainern. „Ich möchte immer wissen, was los ist.“

11:05, Mannschafts-Umkleide

Die Umkleidekabine ist ein nützlicher Ort. Es gibt Essen (also gesundes, Bananen und Äpfel), Trinken, den aktuellen Trainingsplan – und innerhalb von wenigen Sekunden lässt sich der Raum zum Kinosaal umbauen. Trainer Söderholm hält seine Video-Vorführungen im Herz des Eisstadions ab. Amtssprache: Englisch. Einmal bespricht er jedes Tor und jedes Gegentor. Dazu wird viel gelacht. Nur wenn der Coach einen Spieler ins Kammerl ruft, findet man das weniger lustig. Oft haben sich dann die Fehler gehäuft. Mueller findet es nicht schlimm. Er bevorzugt es, die falschen Entscheidungen aufgezeigt zu bekommen. Nur so verbessere man sich.

11:20 Uhr,  Halle 2

Auf dem Eis steht der Top-Scorer einmal täglich.

Eine Stunde Eis reicht. Es sei ein Irrglaube, ewig lang ackern zu müssen, sagt Mueller. Er habe das auch erst in den vergangenen Jahren realisiert. „Im Alter wirst du klüger.“ In seinen ersten Jahren trainierte er ohne Pausen. Kniebeugen, Klimmzüge, Extra-Schichten auf dem Eis – je mehr desto besser, dachte er. Bis sein Körper zu streiken begann und nach Ruhephasen verlangte. Einige Routinen hat er sich aber behalten. Nach Ende der Übungen feuert er Pucks auf das – leere – Tor ab. Mueller möchte keinen Goalie verletzten, denn er zielt bewusst auf Gesichtshöhe. Diese Schüsse, vor allem Direktschüsse, die er aus seinen Lieblingspositionen nimmt, sind unangenehm zu parieren.

14 Uhr, Restaurant Zum Wildschütz

Richard Mueller mag Garmisch-Partenkirchen. Es gefällt ihm viel besser als Frankfurt. Nur ab und an vermisst er die Großstadt mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten, aber viel zu langen Wegen. Zwei Jahre hat er 20 Kilometer außerhalb der Metropole gelebt. Zu Stoßzeiten dauerte es ewig, bis er die Halle erreichte. Nun bringt er seinen Sohn in fünf Minuten zum Kindergarten oder düst ins Stadion. Wenn’s ums Essen geht, hält die Marktgemeinde problemlos mit Frankfurt mit. Restaurants gebe es ohne Ende. Ausprobiert hat er erst vier. Mueller sieht sich als Gewohnheitsesser. Im Wildschütz im Garmischer Zentrum zählen sie ihn längst zu den Stammkunden, animieren den Eishockey-Profi noch mehr Tore zu schießen. Beinahe täglich sehen sie ihn. Oft ruft er an, bestellt Essen – in der Regel den Wild-Burger. „Ich kann essen, was ich mag“, betont er. Die Gene.

15 Uhr,  Barber Shop

Ab die Haare: Alle zwei Wochen ist Mueller beim Friseur.

Die Geschichte mit dem Bart ist auch wieder eine verrückte. Weihnachten vor zwei Jahren ließ er’s einmal wuchern. Als die Kinder seiner Schwester beim Familienfest fragten, wer denn der Typ mit Bart sei, rasierte Mueller ihn schnell wieder ab. Ihm gefiel die Gesichtsbehaarung aber ganz gut. Noch im selben Jahr, in den Playoffs, wuchs er wieder. Seitdem pflegt der Torjäger seinen Bart. Im Zwei-Wochen-Rhythmus schaut er beim Friseur vorbei, einem Türken in Partenkirchen. Es war die erste Adresse, die bei der Internet-Suche erschien. Seit dem ersten Besuch haben weder Frisur noch Friseur gewechselt. Es gehe ja eh nur darum, die grauen Haare zu entfernen, die ihm seit der Geburt seines Sohnes wachsen, scherzt Mueller. Für die Playoffs hat er sich den Bart mächtig stutzen lassen. Doch nun lässt er ihn sprießen. Erst nach dem 27. April wird wieder rasiert – dem Tag eines möglichen siebten Finalspiels.

16:15 Uhr, Kindergarten

Der Kindergarten ist eine andere Welt für Nathan Mueller. Dort wird Deutsch – der Kleine nennt’s „Kindergarten-Sprache“ – geredet. Er kann es längst besser als Englisch, die Sprache bei Muellers daheim. „Nathan ist unser Deutschlehrer. Er sagt uns Wörter, von denen wir keine Ahnung haben.“ Weil sich der Vierjährige so wohl fühlt, bleibt die Familie auch im Sommer in Garmisch-Partenkirchen und verzichtet auf den Umzug in die Heimat Kanada. Außerdem, sagt Mueller, könne er dann endlich die Vorzüge der Region genießen. Eibsee und Staffelsee fehlen noch auf der recht kurzen Liste an abgearbeiteten Sehenswürdigkeiten.

18 Uhr, Muellers Zuhause 1. Stock

Richie Mueller – Richard ruft ihn seine Frau nur, wenn sie wütend ist – kocht nicht. Diese Aufgabe übernimmt Erica Mueller. „Sie ist eine gute Köchin.“ Zum Abendessen gönnt sich der Profi gerne ein Bier. Im Sommer möchte er es auf dem Balkon trinken, der einen freien Blick auf das Zugspitz-Massiv bietet. Es bleibt aber in der Regel bei einer Flasche. „In meinem Alter möchtest du den Kater am nächsten Morgen nicht mehr spüren.“

21:30 Uhr 

Die wichtigste Kraftquelle des besten Scorers der DEL 2 ist sein Schlaf. Bereits seit Jahren misst er mit einer speziellen Uhr, wie lang und wie gut er schläft. Die Stunden vor Mitternacht sind die wichtigsten. In denen regeneriert der Körper am schnellsten und besten. An Spieltagen legt er am Nachmittag noch einen Pre-Game-Nap ein. Danach „fühle ich mich gut und frisch“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Einstimmig! Gläubiger sichern Zukunft des SC Riessersee
Der Neustart des SC Riessersee ist geglückt: Gericht und Gläubiger sprachen sich für den Insolvenzplan aus - sogar ohne Gegenstimme.
Einstimmig! Gläubiger sichern Zukunft des SC Riessersee
SC Riessersee: Jetzt steht die Abstimmung über den Insolvenzplan an
Der SC Riessersee braucht am  Dienstag die einfache Mehrheit der Gläubiger, dann ist der Traditionsverein dabei in der Eishockey-Oberliga Süd in der kommenden Saison. Im …
SC Riessersee: Jetzt steht die Abstimmung über den Insolvenzplan an

Kommentare