Florian Vollmer vom SC Riessersee jubelt über den Treffer zum 4:3 in Rosenheim
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Jubeln durften beiden Seiten an diesem Abend: Florian Vollmer (2.v.l.) netzte zweimal für die Riesserseer ein.

EISHOCKEY-OBERLIGA

Ein vogelwilder Punkt im Oberbayern-Derby

  • vonOliver Rabuser
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Was für ein wilder Ritt des SC Riessersee in Rosenheim: Das Team kassiert fünf Treffer im zweiten Abschnitt, geht aber dennoch nicht leer aus und nimmt am Ende einen Punkt mit.

Rosenheim – Es war ein Spektakel, das sich die Starbulls Rosenheim und der SC Riessersee am Sonntag lieferten. Für gewöhnlich geht ein Eishockeyteam, das in nur einem Drittel satte fünf Gegentore kassiert, am Ende selten siegreich vom Eis. Weil der SCR an diesem frühen Abend aber vor allem offensiv einiges zu bieten hatte, reichte es im Oberbayern-Derby der Oberliga Süd immerhin bis ins Penaltyschießen. Dort hatten die Gastgeber nach sechs Versuchen das Glück und den Zusatzpunkt durch das 6:5 auf ihrer Seite.

Schade eigentlich, denn die Gäste stellten im ersten Abschnitt das präsentere Team. Nicht in puncto Scheibenbesitz; davon war aber im Vorfeld auch nicht auszugehen. Doch setzten die Riesserseer die griffigeren Aktionen. Kurz nachdem die Starbulls durch Samuel Soramies, einer Verstärkung aus Ingolstadt, erstmals gefährlich vor Daniel Allavena aufgetaucht waren, schlug der SCR eiskalt zu. Rosenheim erwischte wahrlich nicht den besten Moment für einen Wechsel. Eher unverhofft kam der SCR in der gegnerischen Zone zu einer- Überzahl, bei der Arkiomaa und Vollmer das 1:0 mustergültig auflegten. Marcus Weber brauchte nur noch einzuschieben, bescherte seinem Heimatverein somit eine Art Abschiedsgeschenk. Nachdem die DEL und demnach auch die Nürnberg Ice Tigers den Spielbetrieb alsbald wieder aufnehmen, endet Webers Zeit unter der Alpspitze gemäß der getroffenen Abmachung mit Ablauf des Novembers.

Rosenheim durfte sich derweil dreimal in Überzahl versuchen. Eine Tatsache, die Pana Christakakis zeitweise auf die Palme brachte. Der SCR-Geschäftsführer erkannte seinerseits zwei Vergehen, die der DEL-erprobte Referee Roland Aumüller jedoch ungeahndet ließ. „Wach jetzt auf“, giftete Christakakis von der Tribüne in Richtung des Spielleiters.

Das SCR-Team reagierte auf seine Weise. Beim flinken Konter über Arkiomaa verzog Christopher Chyzowski noch knapp, doch just als Benjamin Kronawitters zweite Strafzeit abgelaufen war, bekam Vollmer das Solo serviert. Abgezockt ließ der Routinier aus Mittenwald Starbulls-Goalie Jonas Stettmer keine Abwehrmöglichkeit.

Eine Pausenführung, die mehr als verdient war. Aber auch eine, die flott verspielt war. Schmerzhaft schnell fruchtete John Sicinskis Ansprache an sein schläfriges Team. Per Doppelschlag glich Rosenheim noch in der ersten Minute des Mittelabschnitts zum 2:2 aus. Läppische zwölf Sekunden lagen zwischen Dominik Kolbs Anschlusstreffer und dem Ausgleich durch Maximilian Vollmayer.

Kink beantragte sofort die notwendige Auszeit. Half bedingt. Zwar stellte Arkiomaa flugs auf 3:2, doch fand der SCR nicht mehr zu jener Umsicht, auf der der anfängliche Vorsprung gefußt hatte. Was bis zur zweiten Pause passierte, war weit mehr als eine Achterbahn der Gefühlswelten. Im Prinzip agierten beide Seiten vogelwild und ohne jedes taktische Korsett. Vor allem die Defensivabteilungen verrichteten zeitweise nur Notdienst. Vollmer legte noch einmal für den SCR vor, 21 Sekunden vor der Sirene wechselte die Führung dann aber sogar erstmals. Zum x-ten Male hatten die Garmisch-Partenkirchner einen Konter hinnehmen müssen.

Doch fanden die Werdenfelser auch immer wieder eigene Antworten. Letztlich war es Kronawitter, der den Puck aus der Luft mitnahm und irgendwie über die Torlinie fuhr. In der Overtime wäre vielleicht mehr drin gewesen, durfte der SCR doch die letzten Minuten in Überzahl ran. Für die Entscheidung aber sorgte Enrico Henriquez-Morales, der zwei seiner drei Penaltys verwandelte.

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