SCR-Kapitän Florian Vollmer auf dem Eis.
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Viel zu sehr verwurzelt, um noch einmal in einem anderen Trikot aufzulaufen: Florian Vollmer hält dem SCR die Treue, das wird auch nach seinem Karriereende der Fall sein.

Florian Vollmer, Kapitän des SC Riessersee, im Interview

„Ein Wechsel stand nie zur Debatte“

  • vonPatrick Hilmes
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„Einmal Blauer, immer Blauer.“ Dieses Motto passt zu kaum einem anderen Spieler besser als zu Florian Vollmer. Der Kapitän hat nun seinen Vertrag erneut verlängert und wird in seine 18. Saison mit dem SC Riessersee gehen. Was treibt ihn noch an? Wie sehr fehlen die Zuschauer in den Stadien? Wird es jemals den Chef-Coach Vollmer geben? Zu diesen Fragen und vielen weiteren hat der 36-Jährige im Tagblatt-Interview Stellung bezogen.

Herr Vollmer, was war der ausschlaggebende Punkt bei der Entscheidung, Ihren Vertrag beim SCR erneut zu verlängern?

Der ursprünglich Plan vor der vergangenen Saison war schon so, dass ich noch zwei Jahre spiele. Für mich war wichtig, dass nicht diese Corona-Saison die letzte ist. Die ganze Atmosphäre, wie das Ganze abgelaufen ist – ich hätte es schade gefunden, wenn das meine letzte Saison gewesen wäre.

Gab es einen Zeitpunkt in der Saison, an dem Sie dachten: Das war’s, ich höre auf?

Seit fünf Jahren gibt es immer wieder Momente, in denen ich denke: Boah, jetzt war’s das. Aber die anderen Momente, die einen echt Spaß machen, bei denen man denkt, dass es einfach schön ist, dass man das machen kann, was man als kleiner Bub immer machen wollte, die überwiegen immer noch. Zudem mussten wir uns ja jetzt auf vier Kabinen aufteilen, normalerweise sind wir immer in einer. Das macht den Sport auch aus, das ist nicht immer nur das Eishockey selbst, sondern auch dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist ein großer Punkt im Profisport. Und der hat diese Saison arg gefehlt.

War auch das Aus im Viertelfinale gegen Höchstadt ein Grund zu sagen: So kann ich nicht aufhören?

Ja, das ist auch ein Punkt. Das hat sehr an uns allen und auch besonders an mir genagt. Am Ende muss man sagen, dass man verdient ausgeschieden ist, wenn man drei Spiele verliert. Und natürlich denkt man sich: Ich will nicht, dass das letzte Spiel so ausgeht.

Was war Ihr erster Gedanke nach dem Aus?

Am Anfang ist man immer leer. Aber es war gar nicht so sehr nach der Partie. Schon vor der Verlängerung im dritten Spiel habe ich mich gefragt: Wie kann man schon wieder den Vorsprung verspielen, wie kann das sein?

Wie haben Sie das Ausscheiden verarbeitet?

Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Wenn man im Fernsehen Eishockey schaut, wie etwa München jetzt ausgeschieden ist, dann denkt man wieder darüber nach: Vor drei Wochen uns dasselbe passiert. Es ist immer noch unfassbar, aber je mehr Zeit vorgeht, desto mehr muss man das akzeptieren. Auch das gehört zum Sport dazu.

Wie beurteilen Sie die abgelaufene Saison mit dem SCR?

Das war ein bisschen eine Achterbahnfahrt. Aus sportlicher Sicht waren ein paar ganz gute Spiele dabei, aber auch welche, in denen wir so gespielt haben, wie wir uns das nicht vorstellen. Am Ende des Tages, wenn man im Viertelfinale gegen Höchstadt auscheidet, muss man sagen, dass es sportlich enttäuschend war.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung?

Relativ ähnlich wie mit der gesamten Leistung des Teams. Hundertprozentig bin ich nicht zufrieden. Das geht deutlich besser. Aber das muss man mit sich selber ausmachen.

Was fehlte dem SCR und was bedarf es für die nächste Saison?

Wenn man die Playoff-Serie exemplarisch nimmt, dann fehlte die Cleverness, mit den Führungen umzugehen. Man hat sie sich ja herausgespielt, eine gewisse Qualität war also da. Aber die Cleverness, solche Spiele runterzuspielen, ist sicher ein Punkt. Da kommt natürlich dann der ein oder andere und sagt: Das macht Erfahrung aus. Aber Cleverness ist nicht immer gleich Erfahrung.

Es gibt auch clevere junge Spieler...

Richtig. Daher sage ich nun nicht, dass wir lauter alte Spieler brauchen. Aber eine gute Mischung wäre ideal.

Und der Punkt Disziplin?

Das waren jetzt nicht überdimensional viele Strafzeiten in den Playoffs, aber das war natürlich ein großer Punkt. Das fällt auch wieder unter den Punkt Cleverness.

Wie ätzend war die Saison ohne Fans?

Super-ätzend. Man hat da erst wieder gesehen, was den Sport eigentlich ausmacht. Das Ganze macht ohne Zuschauer um ein vielfaches weniger Spaß. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Man ist nicht weniger motiviert, wir werden ja auch dafür bezahlt, dass wir das machen. Aber dieser Push, den man normalerweise kriegt, der geht einem extrem ab. Am Sonntagabend im Dunkeln fährst du durch Passau, kein Mensch ist auf der Straße wegen den Ausgangsbeschränkungen, keiner ist vor dem Stadion. Jeder Tag war wie ein Trainingstag. Das hat nicht unbedingt den Spaß gefördert.

Zurück zu Ihnen. Was sagt eigentlich der Körper, insbesondere die Leisten?

Der ist echt okay momentan. Diese Saison war ich ein paar mal leicht angeschlagen. Aber ich habe soweit alles im Griff, dass ich mir auch die nächste Saison zutraue.

Verspüren Sie kein Verlangen, zum Ende der Karriere noch einmal etwas anderes zu sehen?

Nein, überhaupt nicht. Auch nach der DEL2-Saison mit der Insolvenz gab es für mich nur zwei Optionen: Entweder beim SCR weiterspielen oder einen kompletten Schlussstrich ziehen. Dafür bin ich einfach zu verwurzelt in der Region. Auch arbeitstechnisch versuche ich, mir hier etwas aufzubauen. Meine Frau arbeitet hier, wir haben zwei Kinder. Daher stand ein Wechsel nie zur Debatte.

Also SCR oder gar nichts?

So ist es.

Was bedeutet für Sie der Verein? Immerhin gehen Sie in Ihre 18. Saison und werden höchstwahrscheinlich Rekordspieler.

Das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich hab’ in Mittenwald Eishockeyspielen gelernt und bin im Nachwuchs nach Garmisch-Partenkirchen gewechselt. Und dann hab’ ich mit wenigen Unterbrechungen gefühlt jeden Tag in dem Eisstadion verbracht. Entsprechend kann man sich vorstellen, wie sich das für mich anfühlt. Das ist Heimat für mich. Für mich ist das Stadion wie für andere das Büro. Die gewohnte Umgebung.

Sie sind nicht der einzige Routinier im Team, bei dem man sich fragte, ob er noch eine weitere Spielzeit für den SCR aufläuft. Überreden Sie noch Uli Maurer, dass er es Ihnen gleich macht?

Ich wäre natürlich sehr froh, wenn er auch noch eine Saison dranhängt. Ich kann ihm da nicht reinreden, Uli ist alt genug. Auch er muss an seine berufliche Situation denken. Ich weiß nicht, wo er mit seiner Entscheidung gerade steht.

Aber sicherlich haben Sie bereits mit ihm darüber gesprochen, oder?

Ja, wir reden in der Kabine oder auf den Auswärtsfahrten darüber. Wir wollen beide auf jeden Fall hier bleiben und nicht wegziehen. Ich werde es natürlich weiter versuchen.

Für die neue Saison wird noch ein Coach gesucht. Welchen Trainertypen wünschen Sie sich?

Am besten wäre es, wenn man beim Toni Söderholm anrufen würde (lacht). Aber nein, das macht der Pana (Geschäftsführer Panagiotis Christakakis, Anm. d. Red.) schon. Aber wenn ich an die letzten Jahre zurückdenke, dann ist es im Gedächtnis geblieben, das man unter Söderholm spielen durfte. Das war natürlich ein absoluter Glücksfall. Aber ich bin Spieler und nehme es, wie es kommt. Für mich macht es keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Ich habe es nicht in der Hand. Der Spieler Vollmer oder Maurer entscheidet keineswegs darüber, welcher Trainer verpflichtet wird und wer nicht.

Was Sie aber in der Hand haben, ist der Punkt, ob Sie auch eine 19. Saison im SCR-Trikot auflaufen...

Ich will mir ungern einen Zeitpunkt vorgeben. Aber es ist klar, dass ich auf der Zielgeraden meiner sportlichen Laufbahn bin. Ich will nicht nein sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die 18. meine letzte Saison sein wird.

Haben Sie schon einen Plan für die Zeit nach der aktiven Karriere?

Die Grundlage für alles Weitere wird mein Studium sein, dass ich hoffentlich im Februar 2022 als Sportökonom abschließe.

Ein Sportökonom passt ja zum Eishockey-Verein...

(lacht) Theoretisch ja.

Auch praktisch?

Ich bin so lange dem Verein verbunden, da macht man sich sicherlich seine Gedanken, wie es nach der aktiven Zeit weitergehen kann.

Wird es irgendwann den Chef-Trainer Florian Vollmer geben?

Das ist die Position, die am unwahrscheinlichsten von allen ist. Ausschließen soll man nie etwas, aber darauf ziele ich nicht ab.

Dann ein Posten in der Vereinsführung?

Im Studium ist auch Athletiktraining mit dabei. Diese Richtung könnte ich mir vorstellen. Aber ich will mich da nicht festlegen. Generell kann ich mir viele Sachen vorstellen, auch im Nachwuchsbereich. In irgendeiner Art bleibe ich sicher dem Verein verbunden, und wenn es nur als Zuschauer sein wird.

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