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Einer für die „Drecksarbeit“: Obersöcheringer Thomas Schmid verstärkt den SC Riessersee

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Von: Christian Fellner

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Valtteri Hotakainen (MEC Halle 04) gegen Thomas Schmid (EHC) MEC Halle 04 Saale Bulls vs. Black Dragons Erfurt Eishocke
Der Drang nach vorne hat sich bei Thomas Schmid (l.) in Erfurt entwickelt. Dort spielte er eine Top-Saison. © Holger John via www.imago-images.de

Mit Simon Mayr war er schon in der Krabbelgruppe: Nun verstärkt Verteidiger Thomas Schmid (28) die Söcheringer Fraktion beim SC Riessersee.

Garmisch-Partenkirchen – Für den Eishockeyfan des SC Riessersee gibt’s jetzt erst einmal ein wenig Heimatkunde, also für die Werdenfelser zumindest. Ein Neuzugang macht’s nötig. Thomas Schmid heißt er und stammt aus Söchering. Jetzt kommt das Problematische: Zu sagen, er wäre ein Söcheringer, ist im Grunde genauso unpräzise, als wenn man jeden Ur-Grainauer nur als Grainauer bezeichnen würde. Die legendäre Eishockey-Familie Raubal dürfte durchaus Wert darauf legen, dass sie Hammersbacher sind.

So verhält es sich auch mit Söchering, das es im Grunde gar nicht gibt. Die beiden größten von elf Gemeindeteilen sind Ober- und Untersöchering. So weit, so gut. Der neue Mann beim SCR, Verteidiger, 28 Jahre alt, kommt aus Obersöchering. Freilich ist er ein guter Spezl von einem aktuellen Riesserseer: Simon Mayr, 27 Jahre alt, wohnhaft allerdings in Untersöchering. „Wir kennen uns seit der Krabbelgruppe“, sagt Schmid. „Wir haben gemeinsam im Peißenberg mit dem Eishockey begonnen.“ Nur in der Schule war der Thomas eine Klasse über dem Simon. Sonst aber verbrachten beide gemeinsam viel Zeit.

In der Jugend trennt sich der Weg der beiden Eishockey-Spezl

Eishockeytechnisch trennte sich der Weg recht bald. Mayr ging nach den Knaben nach Garmisch-Partenkirchen, Schmid im Jugendalter dann zur DNL nach Bad Tölz. So verliefen die Karrieren in komplett verschiedene Richtungen. „Im Sommer haben wir halt oft zusammen trainiert“, betont Schmid. Er bereitete sich in den vergangenen beiden Jahren sogar teilweise mit den Profis beim SCR auf die Saison vor. Die er dann aber beim Nord-Oberligisten in Erfurt verbrachte.

Thomas Schmid
 kehrt in die Heimat zurück.
Thomas Schmid kehrt in die Heimat zurück. © SCR

Nun findet zusammen, was in der Jugend getrennt worden war. Schmid wird ein Riesserseer, kommt zurück in die Heimat. Das war auch eines der Argumente, das für Garmisch-Partenkirchen gesprochen hat. „Ich war doch einige Jahre weg, wollte wieder heim, in die Nähe meiner Familie.“ Pana Christakakis, der Geschäftsführer beim SCR, bekam Wind davon. Und schon glühten die Drähte. „Er ist ein starker deutscher Verteidiger, zudem quasi ein Einheimischer, solche Spieler sind mehr als knapp.“ Erstaunlich schnell wurden sich beide Parteien einig.

Schmid gefällt das Konstrukt beim SCR. „Der Trend geht nach oben, der Verein möchte was erreichen, ich will meinen Teil beitragen.“ Und so gab es für den 1,77 Meter großen Abwehrmann nicht viel zu überlegen. Daher sortierte er die Angebote, die er nach dem Abschied aus Erfurt erhielt, relativ schnell aus. „Mit 39 Scorerpunkten wird man offenbar attraktiv.“ Er wunderte sich selbst über die Zahl an Offerten. Die Wahl fiel auf den SCR. „Ein Team, das einen Plan und ein Konzept hat.“

Thomas Schmid steht eher auf Zurückhaltung

Die vergangene Saison war für Schmid eine außergewöhnliche. Mit den Black Dragons als Team, das erst im Playoffs gegen Weiden ausschied, aber auch für ihn selbst. Denn derartige Punkt-Werte hatte er zuvor nicht erreicht. „Eigentlich bin ich ein sehr defensiver Verteidiger, mache lieber die Drecksarbeit für andere“ – so charakterisiert sich der 28-Jährige. Typ ehrlicher Arbeiter also. In Erfurt ging ihm aber der Knopf auf. Derlei Taten nun auch in Garmisch-Partenkirchen zu erwarten, solchen Hoffnungen schiebt er gleich einen Riegel vor. „Ich bin lieber im Hintergrund.“ Von klein auf übte er sich stets in Zurückhaltung. „Bevor ich den Mund aufmache, erledige ich lieber meine Arbeit.“

Ein Kerl, wie er Pat Cortina gefällt. „Er ist so bescheiden.“ Der Trainer des Oberligisten feiert den Transfer schon fast. „Es ist nicht sein Hauptfokus, in der Offensive zu glänzen. Er weiß, was er kann.“ Zudem imponiert Cortina, dass Schmid schon einiges an Führungsqualitäten mitbringt. In Erfurt wie auch in Braunlage zuvor war der Oberbayer Kapitän. „Das tut uns gut, weil wir in diesem Bereich schon eine Lücke haben, nachdem jetzt auch Florian Vollmer weg ist.“ Schmid könne sie ein wenig füllen. „Ich habe wirklich Vertrauen in ihn.“

Der Neffe von Ex-SCR-Spieler Josef Staltmayr

Dass der Name Thomas Schmid für Garmisch-Partenkirchner Eishockeyfans eher unbekannt ist, verwundert wenig. Denn nach seinem Wechsel in der Jugend nach Bad Tölz ging es für ihn in alle Himmelsrichtungen. Oft war sein Weg aber von ein wenig Pech verfolgt: In Tölz wollte er durchstarten, brach sich das Handgelenk, in Füssen ging der Verein pleite. Kein idealer Start. Ihm ging es vornehmlich darum, viel Eiszeit zu bekommen. Also machte er sich auf ins Harz nach Braunlage. Über Dresden und Memmingen kam er nach Deggendorf. Dort aber passte die Chemie mit einem Verantwortlichen nicht. Selig wurde er in Erfurt. Zum SCR gibt es dennoch einen versteckten Bezug: Schmid ist der Neffe von Josef Staltmayr, dem langjährigen Verteidiger. „Er hat mich auch zum Eishockey gebracht“, verrät Schmid.

Nun ist er dort angelangt. Eine Fahrgemeinschaft mit Simon Mayr soll es auf jeden Fall geben. „Wobei“, scherzt Schmid, „mal schauen, ob er zu uns reinkommt nach Obersöchering.“

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