+
Wieder vereint: Stephan Wilhelm (l.) und Simon Mayr sind zurück beim SC Riessersee. 

Mit dem Herzen entschieden

Eishockey-Interview: Stephan Wilhelm und Simon Mayr über ihre Rückkehr zum SC Riessersee

  • schließen

Stephan Wilhelm und Simon Mayr wollen den SC Riessersee in der Krise unterstützen. Der 36-jährige Wilhelm und der 24-jährige Mayr kommen aus unterschiedlichen Gründen, aber mit denselben Zielen. 

Garmisch-Partenkirchen– Nach der DEL2-Vizemeisterschaft war Schluss. Stephan Wilhelm, 36, beendete seine Profi-Karriere, ging zu Heimatverein EV Mittenwald. Simon Mayr, 24, verließ den SC Riessersee in Richtung Bayreuth Tigers. Eineinhalb Jahre später kehren beide Verteidiger zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Wilhelm kommt, weil er ein Versprechen einlöst. Mayr, weil er spielen will. Im Tagblatt-Interview sprechen sie über ihre Beweggründe, Ziele und Zeitpläne.

Und: Waren Ihre alten Plätze in der Kabine noch frei?

Stephan Wilhelm: (lacht) In gewisser Weise. Ich habe den Platz bekommen, den ich während meiner ersten Zeit als SCR-Profi hatte. Da saß bisher Calder Brooks.
Simon Mayr: Ich sitze zumindest im gleichen Eck wie früher. Das passt also.

Gelockt wird Sie der SCR mit anderen Argumenten haben. Wie kam der Kontakt zustande, Herr Mayr?

Mayr: Vergangenen Freitag war ich beim Deggendorf-Spiel im Stadion. Da hat sich Pana (Christakakis, SCR-Geschäftsführer, Anm. d. Red.) bei mir erkundigt, warum ich in Kaufbeuren zuletzt nicht gespielt habe. Da habe ich ihm und danach George Kink erklärt, dass dort momentan nicht mit mir geplant wird und es die Möglichkeit gäbe, mich auszuleihen. Dann ging alles sehr schnell – und ich habe hier für sechs Wochen unterschrieben.

Eine überraschende Entwicklung. Nach der DEL2-Vizemeisterschaft mit Riessersee spielten Sie eine bärenstarke Saison in Bayreuth, ehe es im Sommer nach Kaufbeuren ging. Warum hat es beim ESVK nicht gepasst?

Mayr: Die Zeit in Bayreuth war wirklich klasse. Ich hatte brutal viel Eiszeit, konnte mich super entwickeln, habe Tore geschossen und vorbereitet. Als mich Kaufbeuren dann unbedingt wollte, habe ich mich für den Wechsel entschieden. Doch trotz eines Zweijahresvertrags habe ich dort nie eine wirkliche Chance bekommen, war relativ schnell in der Reservistenrolle. Wieso, weiß ich bis jetzt nicht genau. Vielleicht waren die Erwartungen von beiden Seiten die falschen.

Nun der Schritt zurück in die Oberliga.

Mayr: Mir geht es vor allem darum, Spielpraxis zu sammeln und wieder Spaß am Eishockey zu haben. Das kann ich hier beides unter professionellen Bedingungen erreichen. Da war die Liga nicht so entscheidend.

Was sagt der alte neue Kollege zu dieser Entscheidung?

Wilhelm: Erst einmal muss ich sagen, dass das Verhalten von Kaufbeuren eine bodenlose Frechheit ist. Einen jungen Spieler freizustellen, dem ich erst im Sommer einen Zweijahresvertrag gegeben habe, kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß doch vorher, was der kann. Ihn dann so fallen zu lassen, geht gar nicht. Beim SCR wird der Simon wieder befreit aufspielen können.

Lesen Sie auch: Treue-Schwur und Überraschungs-Comeback beim SC Riessersee

Bei Ihnen ging der Weg nach dem Abschied in die entgegengesetzte Richtung. Sie liefen zuletzt für Mittenwald in der Bezirksliga auf. Wie steht’s denn um die Fitness nach eineinhalb Jahren Hobby-Eishockey?

Wilhelm: Da ich von großen Verletzungen bisher zum Glück verschont geblieben bin, geht’s meinem Körper auch mit 36 Jahren noch gut. Im Sommer war ich oft beim Laufen, hab’ für mich selber trainiert. Es passt also schon noch. (lacht)

Sie können der Mannschaft also sofort weiterhelfen?

Wilhelm: Natürlich war ich eine Zeit lang weg vom Profi-Geschäft, das wird man merken. Dass ich mir nicht die Scheibe schnappe, alle Gegner ausspiele und den Puck in den Winkel knall’, sollte jedem klar sein. Ich versuche, mein Spiel zu machen und der Mannschaft eine gewisse Stabilität zu geben.

Wie lange mussten Sie überlegen, als die Anfrage vom SCR kam?

Wilhelm: Im Herzen ist die Entscheidung sofort gefallen. Ich hatte es dem Pana ja versprochen, dass ich einspringe, wenn Not am Mann ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich mein Wort halte. Aber natürlich musste ich erst die Rahmenbedingungen klären.

Da ging es vermutlich vor allem um Ihren Job im elterlichen Betrieb, den Sie inzwischen übernommen haben.

Richtig. Vollzeit-Arbeit ist schwierig mit Profi-Eishockey zu vereinbaren. Aber für einen gewissen Zeitraum ist das machbar. Den absoluten Großteil der Einheiten werde ich da sein.

Als Trainer der U9 hatten Sie ja auch vor Ihrem Comeback einen gewissen Einblick beim SCR. Wo hakt’s denn momentan?

Wilhelm: Der Weg des Vereins ist prinzipiell der richtige. Es wird auf junge deutsche Spieler gebaut, die hier unter professionellen Bedingungen trainieren können. Das gibt es in keinem anderen Oberliga-Verein in dieser Form. Dass die Situation bei der Ersten Mannschaft momentan schwierig ist, liegt hauptsächlich an den vielen Verletzten. Unter den Niederlagen zuletzt hat dann auch noch das Selbstvertrauen arg gelitten. Das kannst du dir nur durch Siege zurückholen – am besten schon an diesem Wochenende.

Ihre Engagements beim SCR sind beide zeitlich begrenzt. Gibt es eine Möglichkeit, dass diese letztlich doch länger als geplant ausfallen?

Wilhelm: Wenn wieder genügend Spieler da sind, werde ich gehen. Das ist klar besprochen. Ich will keinem jungen Burschen den Platz wegnehmen. Die haben ihre Zeit alle noch vor sich. Meine Karriere ist ja eigentlich schon beendet.
Mayr: Nach sechs Wochen endet meine Leihe. Danach werde ich mich mit den Verantwortlichen aus Kaufbeuren und Garmisch zusammensetzen. Was dabei rauskommt, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber eines ist klar: Ich werde Vollgas geben, solange ich hier bin. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dank Vollmer-Dreierpack - SCR schlägt Höchstadt 4:1
Sehr souveräner Auftritt des SC Riessersee: 4:1 gewinnt das Team von Trainer George Kink in Höchstadt. Überragender Mann auf dem Eis ist Florian Vollmer.
Dank Vollmer-Dreierpack - SCR schlägt Höchstadt 4:1
Vollmer schießt SC Riessersee in Verlängerung zum Derbysieg
Was für ein Abend im Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen. Am Ende einer spektakulären Partie setzt sich der SC Riessersee mit 4:3 nach Verlängerung gegen …
Vollmer schießt SC Riessersee in Verlängerung zum Derbysieg

Kommentare