Erst kam die Fan-Schelte, dann ein Treffen mit den Anhängern, jetzt spricht Uli Maurer, 35-jährige Routinier in Diensten des SC Riessersee, noch einmal offen und ehrlich über die Situation im Team
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Nachdenklich: Uli Maurer macht sich viele Gedanken über seinen Heimatverein. 

SCR: Leitwolf Uli Maurer gewährt einen Blick ins Innenleben

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Erst kam die Fan-Schelte, dann ein Treffen mit den Anhängern, jetzt spricht Uli Maurer, 35-jährige Routinier in Diensten des SC Riessersee, noch einmal offen und ehrlich über die Situation im Team

Garmisch-Partenkirchen – Ins Innenleben einer Mannschaft zu blicken, ist wahrlich keine einfache Geschichte. Oft lässt ein solch eingeschworener Haufen es schlichtweg nicht zu. Außenstehenden fehlt sowieso der Zugang. Oftmals spricht in der Öffentlichkeit nur der Trainer, ein Sportlicher Leiter oder Manager. Abschottung heißt die Devise. Reden Spieler dann doch, geht es um deren Befindlichkeiten, deren Leistungen. Was wirklich los ist hinter den Kulissen, der Einblick bleibt oft verwehrt.

Im Fall des SC Riessersee hat Uli Maurer am Freitagabend quasi ein Fenster in die Kabine geöffnet. Nach dem mühseligen Auftritt gegen Weiden stapfte er mit gesenktem Kopf vom Umkleidetrakt am Eis entlang schnurstracks in den Raum unter dem alten Foyer des Olympia-Eissportzentrums, in dem die Pressekonferenzen nach den Heimspielen abgehalten werden. Maurer, der Routinier, wollte etwas loswerden. Ihm brannte etwas auf der Seele. Er nahm sich die Fans zur Brust, bemängelte zum einen, dass so wenige Zuschauer den Weg ins Stadion finden, zum anderen, dass die Mannschaft dann auch noch ausgepfiffen werde von den Stimmungsmachern in der Ostkurve. Er sprach es aus – und verschwand wieder.

Keine drei Tage später ist der Ärger ein wenig verraucht. Zum Inhalt seiner kurzen Ansprache steht er nach wie vor. „Ich habe aus der Emotion heraus gehandelt. Vielleicht würde ich es heute nicht mehr ganz so sagen, aber so bin ich halt, ich bin eine ehrliche Haut, so etwas muss raus nach dem Spiel.“ Außerdem habe er sich mit Kapitän Florian Vollmer abgesprochen. Die Führungsspieler hatten sich über die Pfiffe der Fans echauffiert. „Wenn wir im Stadion jetzt anfangen, uns zu zerfleischen, dann wird es doch noch schwieriger.“

Die Folge seiner Ansprache vom Freitag war ein Treffen mit Vertretern aus der Kurve gleich am Samstag. Dabei waren auch Offizielle des Klubs, der Trainer, Vollmer und eben Maurer. „Die Fans waren nicht begeistert“, fasst der 35-Jährige zusammen. Aber: „Alles ist ausgeredet, und die Unterstützung in Peiting war wirklich überragend.“

Letztlich passte nur das Spiel des SCR nicht dazu. Das spricht Maurer deutlich aus. „Mein Problem ist ja, wenn ich den Mund aufmache, dann muss ich liefern. So ein Spiel ist dann eher ungünstig.“ Der Routinier geht sogar noch weiter: „Das Spiel müssen wir als erste Reihe auf unsere Kappe nehmen. Wir sind dazu da, Tore zu schießen. Das haben wir nicht getan.“

Maurer macht deutlich, dass die Mannschaft mit den gezeigten Leistungen selbst nicht einverstanden ist. „Eigentlich haben wir ja gegen Weiden noch gewonnen, aber wir saßen in der Kabine, als hätten wir verloren. Da herrschte Totenstimmung.“ Das Team führe derzeit einen „brutalen Kampf“ mit sich selbst. „Wir schämen uns doch selbst für so manche Vorstellung“, räumt er ein. Die zwei Gesichter, die die Mannschaft in dieser Oberliga-Saison in extremer Prägung zeigt, gefallen auch Maurer nicht. Doch: „Wir sind als sehr junges Team eben enorm anfällig dafür.“ Viele Gedanken haben sich die Spieler über die Problematik gemacht. „Die Jungen können an einem guten Tag richtig stark sein, aber das Problem ist die Konstanz“, betont Maurer. Der Stürmer nennt Stephan Wilhelm als Paradebeispiel. „Der Willi hat jeden Tag gleich gespielt, vielleicht nicht spektakulär, aber er hat eben alles richtig gemacht“, adelt er den Ex.-Kollegen. „Die Jungen Burschen wollen immer Vollgas geben, aber um zu gewinnen, muss man auch mal runterfahren.“ Kleinigkeiten, „die ein jeder lernen muss“.

Die schwachen Auftritte zu verarbeiten, steht nun in dieser Trainingswoche an. „Wir müssen viel kommunizieren.“ Maurer weiß sehr wohl, dass die Leistungen der Mannschaft entscheidend für „das Außenherum“ sind. „Aber das kann ich den jungen Spieler doch jetzt nicht auch noch auftischen.“ Daher plädiert er für ein Miteinander. „Wir müssen zamhalten.“ Denn bleiben die Zuschauer aus, ist klar, wo es wieder hingehen könnte. „Wir versuchen, gesund zu wirtschaften, nur das auszugeben, was reinkommt. Wir dürfen nicht dahinkommen, dass es wieder soweit ist, dass der SCR scheitern könnte.“ Dass ein Heimspiel-Besuch bei 20 Euro pro Karte mit der Familie, Bier und Bratwurst „kein Zuckerschlecken“ ist, steht für Maurer außer Frage. „Vielleicht bin ich selbst ja zu ungeduldig, ich hab’ gehört, dass es nach der Pleite 2003 auch gedauert hat. Aber zulange dürfen wir nicht warten.“

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